Reinlichkeit. -- Reiſen der Jugend. |
von demſelben alles Unſaubere, Schmußige , Ekel Erre-
gende entfernt bleibenz daher haſt du dich auch des viel
Edhmub um dich her verbreitenden Schnupftabaks
zu enthalten. Vom Kopf bis zum Fuße muß reinli-
<8, ſauberes Weſen an dir bemerkbar ſein, damit
dein Zögling geneigt werde, auch auf deine innere
Reinlichkeit oder Reinheit zu ſchließen. Reinlichkeit
wird in der Regel blos im phyſiſchen Sinne genommen,
Reinbeit oder Reinigkeit aber auf Moraliſches bezogen.
Aber der Lehrer ſoll die Reinlichkeit nicht allein au
ſich als menſchliche Pflicht und Zierde darſtellen, ſon-
dern er hat auch ſeine Schüler zur Reinlichkeit anzu-
halten. .
- In Abſicht auf ihre Kleidung iſt dies freilich oft
nur in geringem Maße möglich, doh aber in Abſicht
auf ihren Körper, auf Geſicht , Hände, Haare, u. dergl.
Auch die Schulbücher, Schreibebücher ſind reinlich
zu halten, und daher iſt jede Unſauberkeit daran ernſt:
lich zu rügen und nach Umſtänden zu beſtrafen. Da-
mit ſicht in Verbindung, daß die Lehrer auch darauf
ſchen ſollen, daß ihre Schulſtube rein gehalten
werde. Sei dieſe auch klein und unanſehnlich, zu
bewerkſtelligen iſt es doh wohl, daß dieſelbe nicht nur
von Zeit zu Zeit ausgeweißt, ſondern auch wöchentlich
'einigemal ausgekehrt und daß Fußboden und Fenſter
dann und wann gewaſchen werden, nur darf dies
freilich nit von den Kindern ſelbſt beſorgt
werden. Auf einen mit S treten die Kinder auc) unbedenklich mit beſchmukten
Füßen und Scuhenz iſt er aber rein, ſo giebt ihnen
das theils ſchon von ſelbſt einen Antrieb, ihn nicht
zu verunreinigen , theils bedarf es von Seiten des Leh-
rer8 nur leiſer Erinnerungen. Aber vor der Thür iſt
auh irgend eine Vorrichtung nothig, daß ſie den
Schnee oder Koth von den Schuhen oder Füßen ab-
ſtreifen können , ehe ſie in die Schulſtube treten. Wer
dies dann vergißt, der wird wieder hinausgewieſen, um
es nachträglich zu thun. Es darf nur einige Wochen
ſtreng darauf gehalten werden, und die Kinder ge-
wohnen ſich auch an dieſe Art der Reinlichkeit. Wir
verweiſen hie auf Handels „Kinderſeelenlehre / der
von S. 393 ff. unter den Artt.: „Verabſäumung des
äſthetiſchen Gefühls“ und „Schulhülfe für das äſthet.
Gefühl“ Manderlei mittheilt, was von- dem Lehrer
zu beherzigen iſt.
Und hier noh einige Bemerkungen, welche bei der
früheſten Erziehung der Kinder zu beachten ſind. Vor
andern dur; Reinhaltung des ganzen Körpers
wird die -der Geſundheit ſo wohlthätige und nöthige
Ausdünſtung deſſelben befördert. Dies geſchieht am
beſten durch Waſchen , Baden, tägliche Reinigung des
Kopfes, haufigen Wechſel der Wäſche u. dergl. Es
iſt nicht auszuſprechen, wie viel körperliche Uebel ---
der moraliſchen hier noFH nicht zu gedenken --- aus
der ſelbſt unter den vornehmeren Ständen nicht genug
vermiedenen und oft nur durch Flitterſtaat verhüllten
Unreinlichkeit entſtehen, doch ſollte man auch von
dieſer Seite ſorgfältig in der Wahl ſolcher Perſonen
ſein, denen man zuerſt die Kinder zur Wartung und“
Pflege übergiebt. Am aller"icherſten wäre wohl das
Kind in den Händen der Mutter, denen man wenig:
ſtens zutrauen ſollte, daß ſie Sinn hätten für eine
Sache, mit welcher gewiſſermaßen alle Civiliſation
'hren Anfung nimmt und welche manche alte Ge-
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ſebgeber ſogar zu einer religiöſen Tugend erhoben has
ben. Bei herrſchender Unreinlichkeit des Körpers, w9
und wie ſie ſich auch äußere, leidet die Geſundheit ohns
fehlbar, und oft erliegt alles Aufſtreben des Geiſtes,
alle Heiterkeit der Seele unter ihren peinigenden Fol-
gen. Cin reiner Körper fühlt ſich wohl, und das Ge-
fühl des Wohlſeins erleichtert alle Erziehung. Selbſt
Ekel an dem moraliſch; Unreinen kann dadurch be-
gründet werden, ſo wie lüderliches Geſindel in der
Regel im Schmute lebt. Eben daher kann man auch
durch ſehr frühe Gewöhnung ſogar Thieren, wie viel-
mehr Kindern, die Reinlichkeit bald zur andern Natur
machen. Das tägliche Abwaſchen des ganzen Körpers
mit lauem und nach und nach fkälterem, ja kaltem
Waſſer hat no< daneben etwas Stärkendes und wird,
ſelbſt in den reiferen Jahren fortgeſest, die wohlthä-
tigſte Wirkung auf Körper und Geiſt äußern. Das
kalte Waſſer hat ja überhaupt bei unſerm Zeitalter die
günſtigſte Aufnahme gefunden, darum dürfte auch hier
ſeine Cmpfehlung an rechter Stelle geſchehen.
„Was kann der Volksſc rottung der körperlichen Unreinlichkeit ſei-
ner Zöglinge thun?“
Durch eine Amtserfahrung beantwortet von Fe-
lir Mansfeld in Gräfe's Archiv f. d. practiſche
Volksſchulweſen. 17. Bds. 2. Hft. 10.
Reiſen der Jugend. Man könnte unſer
Zeitalter das reiſeſüchtige nennen: die ungemeine
Crleichterung des Reiſens hat allmählig die Luſt dazu
über alle Stände verbreitet und Vielen daſſelbe zu einem
Bedürfniſſe gemacht, ſo daß, wer dieſes Bedürfniß
weniger lebhaft empfindet, in Gefahr iſt, für einen
Philiſter erklärt zu werden. Da halten es Manche
auch für Pflicht, die Jugend ſo früh als möglich zu
weitern Ausflügen zu veranlaſſen und auszurüſten,
und ſo ſicht man Knaben weit über die Grenzen der
Heimath hinausſchweifen und Studenten aus dem ſüd-
lichen Deutſchland an die Oſtſce, aus Norddeutſchland
nach Tyrol und der Schweiz wandernz die Ferienzeit
des Sommers ſcheint gar nicht beſſer verwendet wer:
den zu können. Auch wolien wir uns im Allgemei-
nen gegen das Förderliche ſolcher Reiſen nicht erklären:
ſie erweitern den geiſtigen Horizont und bereichern mit
einer Menge von Anſchaurmgen, welche in dem ſchon
hinlänglich bekannten Lebenskreiſe der Heimath nicht ge-
wonnen werden könnten, ſie erfriſchen die turch das
Einerlei der gewöhnlichen Thätigkeit ermüdete Seele
und ſeßen ſie zu kräftigerer Fortſetzung derſelben in
Stand, ſie geben Anlaß zu fröhlicher Kraftübung,
machen Schüchterne beherzt, Unbehülfliche gewandt,
Voreilige beſonnen, und führen Einzelne faſt verwan:
delt in die Mitte der Ihrigen zurü&, fie ſind nament-
lich als freiere gymnaſtiſche Unternehmungen, als aus-
gedehntere Turnfahrten, für Tüchtigung der Körper-
kräfte von nicht geringer Bedeutung. Soll aber das
Reiſen für Knaben und Jünglinge wirklich gewinn-
bringend werden, ſo darf daſſelbe nicht ein planlo-
ſes Dahinfahren ſein, ſondern muß angemeſſen vor-
bereitet und eingeleitet werden, damit der junge Rei-
ſende auf jedem Puncte ſeiner Excurſion wiſſe, was er
beſonders in's Auge zu faſſen habe, wodurch er den
Kreis ſeiner Unſchauunzen erweitern könne; die beſte
körperliche Vorbereitung giebt natürlich der gymnaſti«
ſche Unterriht. Zudem ſollten Knaben niemals ohne

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