Rhetorik.
Ueber die pädagogiſche Anwendung der Rede-
figuren wäre Vieles zu ſagen. Wir machen hier nur
folgende Bemerkungen. 1) Da der Lehrer, auch in
den Paräneſen der Religionsſtunden, niemals zu eigent-
lich oratoriſchem Schwunge ſich erheben darf, weil ſein
Schüler in ſolchem Auffluge ihm nicht würve folgen
könnenz ſo iſt für ihn der Gebrauch der Redefiguren
ein ſebr beſchränkter. Aber 2) ſie werden ſic) häufig
unoeſucht darbieten, ſeine Rede wird bildlich und ge-
ſchaü&ter werden bei allem Streben nach Einfachheit,
und die unwillfürlich ſich hervordrängenden Tropen
laſſe er ihre Macht verſuchen. 3) Die in der Bibel-
ſprache ſo zaklreichen Metonymien und Methaph,.rn
zerlege er nicht allzu ängſtlich, er bilde ſich nicht ein,
taß er ſtet8 den Schülern die Sache deutlicher mache,
wenn er für das Bild eine Abſtraction giebt, für eine
friſche Blüthe einen dürren Strohhalm. 4) Bei ſty-
liſtiſchen Uebungen iſt ſchon viel erreicht, wenn die
Schüler richtig ſchreiben lernen; S Styls kann nur in den obern Claſſen von Gymnaſicen
erſtrebt werden, und ſo wird auf niedrigeren Stufen
auch von den Redefiguren nur ein beiläufiger Gebrauch
zu machen ſein; doh mag der Lebrer Muſterſtücke
mittbeilen und auf die dur die Redefiguren mögliche
Mannigfaltigkeit der Rede hindeuten. Vgl. übrigens
den Art. Bildlich.
Im Allgemeinen iſt noch auf folgende Bücher zu
verweiſen:
Hugo Blair, Vorleſungen über Rhetorik u. ſchöne Wiſſin-
ſma'ten. A. d. Eagl. übericht von S u. Lieanis, 17859 7. 4 Thle. ZI. G. EC. Maaß, Grund-
riü der Rhetorik. 3. Aufl. Halle und Leipzig, 1831. 8.
H.inr. Richter Lehrbuch d. Rhetorik f. d. obern Claſſen d.
Gelchrtenſchulen. 2. Aufl. Leipzig, Schre>. 1842 gr. 8.
(15 Nar.) G. L. JI. Hoffmann Philoſopbie d. Rede od.
Grundlinien d. Roetorik , wiſſenſchaftl. dargcſſt. Steutt-
gart u. Tübing:n, Cotta. 1844. 8. (1 Thlr. 15 Ngr.).
K-=-l.
Richter ſ. Paul Jean.
Richter (Thodor Friedrich Maximilian).
Dieſer lange Jahre hindurch zu Dresden als Privatge-
lehrter lebende Mann verdient einen Plaß unter den
Autoren, die ſich zunächſt dem jugendlichen Unterrichte
widmeten, denn er hat der reiſe- und bildungsluſtigen
Jugend Reiſebilder hinterlaſſen, die noh heu:e unſere
Aufmerkſamkeit verdienen und den jugendlichen Seelen
eine eben ſo angenehme als belehrende Unterhaltung ge-
währen können.
Von Vollendung ſeiner academiſchen Studien durch
Mittelloſigkeit abgehalten, gab Richter, der Sohn
eines Landpredigers, ſeinem leidenſchafrlichen Drange
zu Überſeeiſchen Reiſen nach, bekleidete auf ihnen in
dem Zeitraum von 1804 bis 1817 die Stelle eines
Führers junger Leute, oder eines Supercargo's, Se-
eretärs, Steuermannes u. dergl. Nach ſo manchem
auf dem Meere und in entfernten Weltgegenden be-
ſtandenen Sturme und Abenteuer, fand er mit ſeiner
Frau, einer Sicilianerin, und mehrern Kindern in
ſeinem Vaterlande das ſorgenfreie Leben nicht, worauf
er gehofft hatte. Ungeachtet ſeiner unendlichen Erfab-
rungen, ſchien er dem Practiſchen des Weltlebens nie
die Form abgewinnen zu können, welche von Fortunen
fortdauernd begünſtigt wird Um ſo nüblicher war
daher für ihn das Bekanntwerden mit dem Buchhänd-
ler Arnold in Dresden, der Verleger ward ſeiner
-=- Reis. - 623
„Reiſen zu Waſſer und zu Lande“ (10 Bd deren 838. Aufl. 1834, eine Taſchenaus8gabe, ſich durch
ihre Verbeſſerungen ſowohl, als durch zroße Wobhlfeil-
beit beſonders empfiehlt.
Ganz vorzügliche Aufmerkſamkeit verdient ſein
Werk, das er unter dem Titel herausgab: „Die Waſs»
ſerwelt“ oder das Meer und die Schifffahrt im gan:
zen Umfange 2 Bde. (Dresden, 1834 f.). Dieſe bei:
den Theile, denen andere folgen ſollten, beſchäfiigen
ſich mit dem Meere nah ſeinen phyſiſchen und ſchen Urſachen, ſeiner Cintheilung und ſeinen Erzeug»
niſſen, ſozann mit dem Bau und der Einrichtung der
Schiffe. Zwei dazu gehörende Hefte im großen Quetz-
folio enthalten zuſammen 19 Kupfertafeln.
So ſehr es auch zu beklagen itt, daß der Tod dem
Verf. die Feder aus der Hand nahm, die nunmehr der
Schifffahrt gewidmet ſein ſollte, ſo bilden doch zum
GlüE auch die beiden erſten Theile ſchon ein gewiſſer:
maßen für ſich beſtehendes Ganzes, und ſind als eine
ſchäßbare Reliquie eings Schrifiſtellers zu beachten,
den die zahlreichen Dornen ſeines Lebenspfades nicht
muthlos machen konnten in Augübung des unverkenn-
baren beſondern Berufes, der Jugend mit ſeinen man-
nichfaltigen Kenntniſſen und Erfahrungen cin eben ſo
nübklicher , als angenehmer Wegweiſer zu werden.
Richter ward am 2. Dec, 1783 zu Limbach bei
Dresden geboren und ſtarb am 16. Nov. des Jahres
1838 zu Dresden in großer Armuth.
Rieck2 (Victor Heinrich). Wenn auc der
Name dieſes am 17. Mai 1659 zu Stuttgart gebornen
und daſelbſt am 14. Jan. 1830 verſtorbenen Gelehr-
ten nicht unter den erſten Pädagogen Deutſchlands
glänzt, ſo hat er doh während ſeines funfzigjährigen
Wirkens von 1782-1830 als Geiſtlicher in Brünn,
ſpäterhin als Senior der geſammten evangeliſchen Ge-
meinden in Mähren um das dortige Schulweſen, ſo
wie nachmals als Inſpector Über die deutſchen Schu-
len und Pfarren im Waiſenhauſe zu Stuttgart um dis
Verbeſſerung des Schulunterrichts in ſeinem Vater-
lande große Verdienſte erworben. Bis zu ſeinem Tode
war er als Schullebrerconferenz-Director für dieſes ſein
Lieblingsfach, die Pädagogik, thätig.
„Was er als Schulinſpector und Waiſenpfarrer
gewirkt hat, wie viele Zöglinge ihm ihre Bildung zum
Sculſtande, wie manche arme Waiſe ihm no< ihr
gutes Forikommen nach dem Augstritte aus dem Hauſs
zu verdanken haben, überhaupt die erfolgreiche Thätigs
keit für das Wohl Anderer, ſeine aufopfernde Dienſtbe-
fl: ſſenheit, =- dies Alles ſtehet geſchrieben im Buche
der ewigen Bergeltung.“ Vgl. N. Nekrolog d. Deut
ſchen. Jahrg. Yill. Th. 1. Als Quellen daſelbſt ans
gegeben: Allg. Kirchenzeit. 1830. Nr. 113 u. Heſpe-
rus 1830. Nr. 253--55.
Ueber Rieks erfolgreiche Wirkſamkeit als Pfarrer
am Waiſenhauſe zu Stuttgart ſ. Dr. Kröger's Rei-
ſen durd) Deutſchland und die Schweiz. Leipzig, 1833.
Bd. 1. S. 402f.
R. ſchrieb auch! „Soll man Waiſenhäuſer beibes
halten 2?2'“'“ Stuttgart, 1806.
Ries (Michael Auguſt), Dr. Dieſer würdige
Sh jahre, Er war geboren zu Forc Breiezzau im Jahre 1788, machte ſeine Gymnaſial
ſtudien theils an dem academiſchen Gymnaſium zu
66*

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.