Rie. = Rink.
licher Ausdauer nach, und jede Berührung ſeines eige-
nen Geiſtes war auch ein Gewinn für ſeine Schüler.
Den fröhlichen Muth, der ihn früher belebte, un-
kergzruben in den leßten Jahren ſeines Lebens Sorgen
und ein ſchleichendes Fieber. Wie glüklich war er
ſonſt, wenn er zur Zcit der Ferien mit uns hinaus-
wandern konnte, um in der reineren Luft ſchöner
Berge neue Friſche zu athmen! Dieſe Freude mußte
er ſich bald verſagen: denn es ſollten ſich immer Meh-
rere in das Cinkommen theilen.
Zu Anfang des vergangenen Sommers überfiel ihn
das Fieber mit größerer Heftigkeit. Gewaltſam und
todtmüde ſchleppte er ſich doh zur Schule und als ihm
dies nicht mehr möglich war, bildete den ſtündlichen
Gegenſtand aller ſeiner Sorgen und Gedanken --- ſeine
Schule. Die Sommerferien waren vorüber, und als
er uns im Begriffe ſah, von Neuem die Hand an un-
ſer Werk zu legen, weinte er lange und ſchmerzlich:
weil er nicht in ſeine Schule konnte. .
Sein Begräbniß hat uns tief erſchüttertz denn
au< an dieſem Lehrergrabe ſtehen fünf arme unerzo-
zene Waiſen.
Rinne (Johann Carl Friedrich). Dieſer
um Förderung des deutſchen Sprachſtudiums und des
deutſchen Sprachunterrichts ſeit einem Jahrzehnt eifrig
bemühte Mann iſt den 8. Jan. 1802 zu Erfurt ge-
boren. Er erhielt ſeine wiſſenſchaftliche Vorbildung
ven 1813 --- 1818 auf dem ebemaligen Rathb8gym-
naſium ſeiner Vaterſtadt und ſodann in Halle, wo
er auch verſchiedene Sprachen ſtudirte. Nachdem er
im Jahre 1823 vor der königl. Prüfungs: Commiſ:
ſion die Prüfung als Gymnaſiallehrer rühmlich be-
Fanden hatte, wirkte er, da er nicht ſogleich) als
Gymnaſiallehrer eine Anſtellung finden konnte, von
1824--1831 an den höhern ſtadtiſhen Schulen ſei-
ner Vaterſtadt. Dieſe Stellung gab er jedoch 1832
auf, wo er nach Berlin ging und einige Zeit mit dem
Studium der deutſchen Sprache ſich zu beſchäftigen.
Darauf --- noch im Herbſte deſſelben Jahres --- pro-
movirte er in Tübingen als Doctor der Philoſophie.
Gleich darnach wurde er Lehrer der deutſchen Sprache
und Literatur an der Privat-Realſchule, welche unter
Leitung des Dr. Unger aber damals in Erfurt ſich
bildete. Von der Gediegenheit ſeiner ſprachlichen Stu-
dien legte er jekt in folgenden zwei Schriften Zeugniß
ab“
1) Die natürliche Entſtehung d. Sprache aus d. Geſichts-
puncte d. hiſtor. oder vergleichenden Sprachwiſſenſchaft.
Eine Einleitung in d. deutſche Sprachlehre u. in d. höhern
deutſchen Sprachuntcrricht in8beſ. Eriurt, 1834. 4.
2) Die deutſche Grammatik nach d. Grundſäten d. hiſtor.
oder vergleichenden Grammatik im Auszuge aus Grimm 's
deutſcher u. Bopp's vergleichender Grammatik. Stuttgart,
Im Nov. 1837 kam er als Hülfslehrer an das
Gymnaſium in Zeiß, das Jahr 1841 brachte ihm den
Titel eines Oberlehrers. Seitdem ſind von ihm noch
folgende Schriften erſchienen:
3) Die Lehre vom deutſchen Style, philoſophiſch u. ſprach-
lich neu entwickelt. 14. Thls. 1. Buch. Theorctiſch-deutſche
Styllehre überhaupt. Stuttgart, Balz'ſche Buchhandlung,
1840. XVI. 530 S. gr. 8. (25 När.).
4) Inncre Geſchichte d. Entwi>l. d. deutſchen National-
Literatur. Ein methodiſches Handb. f. d. Vortrag u. zum
Selbſtſtudium. 14. Th.:? Aeltere Geſchichte bis Opitz,
Stip31g , Dartung. 1842. 16 Bg. gr. 8. Geh. (223 Nar)
025
2. Thl.: Neuere Geſchi (2 Thir. 74 Ngr.)
9) E3 bat knen Sängerkrieg zu Wartburg gegeben. Eine
äſth«ti ter dieſr Ueberſchr. vorhandenen Gedichte. (Zunächſt als
Gymnaſial-Programm 3; aber auch im Buchrandel crſchies
nen). Seiß , Webcl. 1843. 33x Bg. gr. 4. (72 Nar.).
Als Lehrer am Stift83ymnaſizum hat er neben
deutſc ligzion und in der Naturgeſchichte, im Griechiſchen und
im Franzöſiſchen. K.
RinLFk (Johann Chriſtian Heinrich). Die
ſer den muſikaliſch-gebildeten Pädagogen durch Schrif-
ten als eine Notabilität bekannte Mann iſt gegenwäre
tig Großherzogl. Heſſiſä&er Hoforganiſt zu Darmſtadt.
Er ward geboren am 18. Febr. 1770 zu ECligersburz
im Herzogthume Gotha, wo ſein Vater Schullehrer
war. Frühe ſc große Neigung zur Muſik, auc erhielt er von mehrern
tüchtigen Lehrern Thüringens, vorzüglich von Kittel in
Erfurt, einem Schüler Sebaſtian Bachs , gründlichen
Unterricht im practiſchen Spiel verſchiedener Inſtru
mente, und in der Compoſition, von Kittel namentlich
im Orgel- und Clavierſpiele. Im Begriff, nach Göt-
tingen zu gehen und dort Forkels muſikaliſche Vorle-
ſungen zu benußen, erhielt er 1790 einen Ruf gi3
Stadtorganiſt nach Gießen. Bei geringer Cinnahme
laſtete bald eine Maſſe Privatſtunden auf dem jungen
Manne, der nur in der Nacht die Werke eines Bach,
Mozart und andere Meiſter, denen er mit einer beili-
gen Liebe ergeben war, ſo wie die beſten theoretiſchen
Scrifcen ſtudiren konnte. Doch war dem Unerſättlie
hen in dem, was wahre Kunſt betrifft, auch keine
Mühe, ſie zu erlangen, zu aroß. 1792 ward er zum
dritten Stodtſchullehrer, 1793 zum Schreiblebrer und
1805 zum Muſiklehrer am Gymnaſium zu Gießen bee
fordert, erhielt aber in demſelben Jahre noch einen
Ruf als Stadtorganiſt, Cantor und Muſiklehrer am
Gymnaſium und als Mitglied der Hofcapelle nach
Darmſtadt, wo er dann, in Folge ſeiner ausgezeichne-
ten Dienſtleiſtungen 1813 zum Hoforzaniſten und
1817 zugleich zum wirklichen Kammiermuſikus beſtellt
ward. Cs konnte nicht fehlen, daß der damalige blü-
hende Zuſtand der Muſik am Hoftheater zu Darmſtadt
vielfa anregend und belehrend auf Rink wirkte, ob2=
gleich ſein Talent ſich mehr zur Kirchenmuſik hinneigte,
So iſt er im Ganzen ein wahrhaft durchgebildeter
Muſiker, verdient jedoch eigentlich nur auf dem Ge-
biete der Kirche; hier aber auch in einem Maaße, wo
er wahrlich von nur ſebr wenigen der lebenden ver-
wandten Künſtler erreicht werden dürfte, denn wern
auch in der That weniger großartig und originell in
ſeinen Schöpfungen als gefällig, anſprechend und lieb-
lich, ſo wirkt R. doch als ausgezeichneter Orgelſpieler,
als Componiſt und als vorzüglicher Muſiklehrer in
Wahrheit Großes. Er iſt jekt einer unſerer größten
Meiſter auf der Orgel, und ohne ihn vielleicht mit
einem Kuhnau, Heſſe, Vogel u. A. in Vergleich ſtel»
len zu wollen, bewahrt er ſo viel Cigenthümliches in
der Behandlung ſcines Inſtruments, daß man ihn ein-
zig in ſeiner Art nennen darf. Hätten wir ihn nie
gehört, ſo liegt dieſe Cigenthümlichkeit ſchon in ſeinen
Werken, aus deren reicher Zahl wir hier nur tie treff»
liche „Orgelſchule „/ die Orgelvorſviele, „Choratbuch
mit Zwiſchenſpielen für das preußiſche Weſtphalen,“

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