Sclez.
Außerdem hat der Verf. eine Menge von Äufſäken
über pädagogiſche und ſchuliſche Gegenſtände in ver-
ſchiedenen Zeitſchriften erſcheinen laſſen.
S. Univcrſal-Kir Sclez (Iph. Ferdinand), Dr. Der um die
Jugend- und Bolksbildung durch ſeine zahlreichen
Volksſchriften ſo verdiente großherzogl. Heſſ. Kir rath Vr. Johann Ferdinand Schlez zu Sc iſt am 7. Sept. 1839 daſelb/)t mit Tode abgegangen.
Geb. am 27. Juni 1759 in dem Marktfle&>en Jppes-
heim in Franken, wo ſein Vater Pfarrer war, em-
pfing er den höheren Schulunterricht auf dem Gym-
naſium zu Windsheim, welches er während drei Jah-
ren, von 41773--1776, beſuchte. Seinen academi-
ſ Oſtern 1778--4781, wo er im Herbſte d. J. (27.
Nov.) ſeinem alten Vater förmlich beigeſebt wurde.
Von hier gingen ſeine erſten ſchriftſtelleriſchen Verſuche
aus, welche gleich Anfangs des Verfs. Beruf zum
Volks - und Jugendſchriftſteller ſo trefflich beurkunde-
ten. Im Auslande lernte man ihn kennen und wür-
digen. Beſonders war es der regierende Graf von
Sc Woblwollen ſchenkte und ihn im Jahre 1799 mit dem
Rufe als Inſpector und Conſiſtorialrarth nacHg S anszeichnete. Veranlaſſung gab die von Schlez her-
ausgegebene Schrift: „Gregorius Schlaghart,“
welche dem Grafen ſehr gefallen hatte. Im Febr.
1800 traf Schlez mit ſeiner Familie in Schlitz ein.
Kirche und Schule bedurften in dieſer Grafſchaft einer
thätigen Nachhilfe. Unſer S fehlen. Auf den ausdrüFlichen Wunfc< des Grafen
acbeitete er zuerſt ein neues Geſangbuch aus, welches
ſhon auf Pfingſten 1801 in den Kirchen und Scu-
len der Herrſchaft gebraucht wurde. Troß der ſpätern
Territorialveränderungen- iſt diefes Geſangbuch bis auf
den heutigen Tag im Gebrauche geblieben. Schon
während des erſten Jahres ſeiner Niederlaſſung zu
Sclis erfuhr Schlez ſchwere Prüfungen des S
ſais; er verlor zwei Söhne in Einer Woche an der
Bräune, und hatte nie wieder das Glü>, männliche
Erben zu erhalten. Eine treue, ſeiner würdige Theil-
nehmerin häuslichen GlüFXes und Mißgeſchies war
ſeine Gattin Johanna, eine Tochter des Hofpredigers
und Conſiſtorialrathes Bauer zu Caſtell, mit welcher
er ſeit 1793 verheirathet war. Mit dem neuen Ge:
ſangbuche war der Anfang nüßklicher Verbeſſerungen
gemachtz die übrigen folgten bald naM. Zunächſt der
ſo ſehr nöthig gewordene Umbau der Kirche von Schliß,
welchen Schlez im Jahre 1807 nach ſeinem Plane
zu Stande kommen zu ſehen die Befriedigung batte.
Auf die Vervollkommnung der Stadt- und Land-
ſchulen richtete er ſein Hauptaugenmerk und zwar mit
ſold? einem günſtigen Erfolge, daß die Schulen all-
mählig mit geſchiteren und beſſev beſoldeten Lehrern
beſebt , brauchbarere Schulbücher eingeführt und ge-
räumigere Lehrzimmer für den gemeinſchaftlichen Unter-
richt eingeräumt wurden. Sein ſo ſchr verbreiteter
und bereits 1843 in der 14. Aufl. erſchienener „Denk-
freund“ ging aus den Bedürfniſſen der oberſten Kna-
benclaſſe der Schliker Stadtfhule hervor. Ueberhaupt
war S. ein Mann, der dem Leben angehörte und mit
den Forderungen der Zeit und ihren mannigfachen Be-
dürfniſſen Hand in Hand ging. So waren ſeine pä-
"dem Leben für das Leben geſchriebrn ſind.
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dagogiſchen Schriften die Früchte ſeines Umganges und
ſeiner thätigen Beſchäftigung mit der Jugend, und
wirklich ſieht man es ihnen deutlich an, daß ſie aus
Viel Gu-
tes hat er mit dieſer Gattung ſeiner Schriften geſtiftet,
und ſchon dadurch allein ſic) in der Literatur einen
ehrenvollen Namen erworben.
S Jugendſchriftſteller, ſondern auc Dichterz ſeine Fabeln,
ſeine Parabeln, ſeine in Almanachen zerſtreuten Gedichte
und andere poetiſchen Erzeugniſſe haben ihm einen ge-
gründeten Dichtkerruf verſchafft, auf den er aber ſo wenig
wie auf eine andere ſeiner hervorleuchtenden Cigenſchaften
jemals eingebildet oder ſtolz war. Jm Gegentheil er-
kannte man ſtets in ihm den anſpruchloſen, heitern und
mit einer glüklichen Laune begabten Geſellſchafter, der
Scherz und Ernſt ſinnig mit einander zu paaren wußte.
Von ſeinen Liedern ſind mehre in den Volksgeſang
übergegangen, wie z. B. ſein launiges „Dreſcherlied,'
das im Göttinger Muſenalmanac und in einer der Verbreitung neuer Poeſieen eben
nicht ſehr günſtigen Zeit, zur Epoche der franzöſi-
ſchen Revolution, ſogar auf dgs linke Rheinufer
drang und dort als Volkslied öfters gehört wurde. *)
Auch das Vaterland erkannte, würdigte und belohnte
ſeine Verdienſte. Wei Begehung der Feier ſeiner
funfzigjährigen Amtsführung verlieh ihm der jeßt regie-
rende Broßherzog von Heſſen den Ludwigsorden. An-
dere ehrenvolle Austeichnungen waren ihm bei dieſer
Gelegenheit ſowohl, als auch bei früheren Veranlaſſun-
gen zu Theil geworden. Er verdiente aber auch dieſe
Auszeichnungenz denn ſein raſtloſes Wirken gründete
ſich auf ein klares Erkennen der Zeit und ihrer Be-
dürfniſſe, welche zu befriedigen, inſofern ſie dem Ge-
biete des Geiſtes angehörten, er ſo viele erfolgreiche
Anſtrengungen gemacht hatte.
Die Gabe, populär und angenehm zu ſchreiben,
wie nicht weniger das ſeltene Vermögen , den gegebenen
Stoff geſchi>t für den vorgeſehten Zwe zu benußen,
war ihm in hohem Grade eigen; und wie er davon
im Intereſſe der Jugend- und Volksbildung Gebrauch
gemacht hat, darüber mögen ſeine zahlreichen Schrif-
ten Zeugniß ablegen. Was er in der Grafſchaft Schlit
ſchon lange im Kleinen geleiſtet hatte, z. B. die Bil-
dung tüchtiger Schulcandidaten, fand erſt zu einer ſpä-
tern Cpoche volle Billigung und allgemeine Nachahe
mung. Wie hätte es wohl anders ſein können, da die
Bildung des würdigen Lehrers und Predigers in eine
ſo ſchöne Zeit fiel, in welcher die edelſten Früchte der
deutſchen Literatur zu ihrer vollen Reife gelangten.
Dieſe Andeutungen über des Verewigten Lebenslauf
ſind mitgetheilt von Dr. Wilh. Dieffenbach in der
„Didaskalia“ 1839. Nr. 260. Der 2. „Nekrolog der
Deutſchen (Weimar, 1841. 2. Th.) wie auch die
„Allgem. Sculzeit.“ (Jahrg. 1840. Nr. 200) haben
Biographien von ihm geliefert.
Pädagogiſche Literatur:
Dr. I. F. Sc *) Noch wollen wir von den beinahe 40 Dru&ſchriften,
welche S. hat erſcheinen laſſen , „die Geſchichte des Dörfhens
Traubenheim ,'' „Hallo's glü&licher Abend,“ Der Votlks-
ſchulfreund und Kinderfreund.“ (5. Aufl. 1843), „Den
O3wald unter ſeinen Hausfreunden,' Das Mildheimer Lie-
derbuch“' anführen, .

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