Schlußvermögen. == Screiben.
Scluß wirklih gemacht worden, ſo bleibt auch von
dieſem Gebilde in der Seele eine Spur zurü, welche
für künftige Schlüſſe als Vorbildungsvermögen
4. Bildungsvermögen) wirkſam werden kann.
v Will der Lehrer die Schlußvermögen ſeiner S - ſer bilden, ſo iſt's nöthig, daß er erſt für kräftige Bez
griffe ſorge und dieſe zu Urtheilen ſteigere. Mit der
Bildung dieſer ſind ſchon Bildungsvermögen zu Schlüſ-
ſen gegeben. Daher iſt es unumgänglich nothwendig,
daß alle Antworten von den Kindern in ganzen Säßen
gegeben werden, damit die nothige Klarheit im Urthci-
len nicht Mangel leide. Außerdem aber gebe er den
Kindern die Prämiſſen, (oder laſſe auch dieſe von den
Kindern aufſuchen) und führe die Kinder zur wirkli-
hen Schlußfolge hin. Er wird daher auch abſichtliche
Uebungen im Schließen anſtellenz3 beſonders wird dics
nöthig ſein bei Kindern, deren Begriffsbildung ſchon
vorgeſchritten iſt und die nun für höhere Denkent-
wicklungen gebildet werden ſollen, alſo für Kinder ode-
rer Elementarclaſſen. Dies kann geſchehen in den ſo-
genannten Denkübungen, die man in manchen Schu-
len wieder abgeſchafft hat, (weil ja aller Unterricht Ge-
legenheit zum Denken gebe,) obgleich man ſich ein Vier-
teljahrhundert hindurch von der Zwekmäßigkeit dieſer
Uebungen Überzeugt hatte. Zſt hierzu alſo keme Zeit
in einer Schule, ſo kann das Nöthige deim Sprach:
unterrichte (die Spachlehre ſoll ja auch zugleich eine
Denklehre ſein) oder bei der, Seelenlehre ange-
knüpft werden. Cine vortreffliGe Anweiſung dazu iſt
enthalten in folgendem Werke:
Verſuch planmäßiger u. nakfurgemäßer unmittelbarer
Denkübungen f. Elementarſchulen v. K. H. Krauſe.
Halle b. Hemmerde u. Sch Man vergleiche auch:
Syſtim d. Logik als Kunſtlehre d. Denkens von Dr. F. E.
Beneke. Th. 4 u. 2. Berlin b. Dümmler. 1842. Es
iſt dics ein auzführl. Commentar zu ſeinem ,,Lchrbuche der
Lozik als Kunſtlehre des Denkens.“ .
.Schreiben. -- Schönſchreiben (Kalligra-
phie) *). Schreiben überhaupt heißt: GSprach-
laute durch die dafür angenommenen ſichtbaren Zeichen,
welche man Buchſtaben nennt , auf irgend einem Ma-
terial darſtellen.
Werth der Schreibekunſt. Unberechenbar iſt
der Einfluß, den die Schreibefunſt und die durch ſie
vermittelte , über Zeit und Raum hinaus wirkende
Schrift auf die geiſtige Entwikelung unſeres Geſchlechts,
ſowie auf die Bereicherung und Ausbildung der Spra-
d<)e ſelbſt ausgeübt hat und noch ausübt. Sie ver-
bindet die Vergangenheit mit der Gegenwart und üÜber-
liefert der Zukunft die Reſultate unſrer Forſchungen
und die Geſchichte unſrer Zeiten.
Die Wichtigkeit des Schreibens macht ſich in allen
Lebensſphären geltend. Durch daſſelbe kommen wir
dem Gedächtniſſe zu Hülfe , fixiren unſere Gedanken,
ſenden ſie in die weitentlegenſten Winder und bleiben

*) Dieſer Gegenſtand iſt zwar bereits in der P.-R. im
Buchſtaben K. , aber unter anderer Redaction, verhandelt
worden , jedoch ſo oberflächlich , daß e8 nothwendig erſchien,
ihn nochmals aufzunehmen. Hoffentlich wird die Wichtig-
feit, welche derſelhe für die Schule hat, die Ausführlich-
keit und Gründlichkeit entſchuldigen, mit welcher er von
dem in dieſem Fache meiſterhaft belehrenden und vorthcilhaft
bekannten Verf. hier gegeben worden iſt. Die Red.
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ſo auf eine wunderſame Weiſe auch mit getrennten
Perſonen in Verbindung. Selbſt Stummen verleiht
das Schreiben eine Sprache. Daher wurde ſtets und
überall , wo nur einige Cultur herrſchte , die Screib«
kunſt mit Vorliebe betrieben , und in unſern Augen
behauptet der Unterricht darin mit Recht eine der er-
ſten Stellen in dem Erziehungsplane jedes gebildeten
Menſc< unentbehrlichen, in jedem Hausweſen nüklichen Schrif:-
ſprac<ße nicht mächtig iſt, befindet ſim fortwährend
in Abhängigkeit von denen , die ſich ihres Beſikes er-
freuen.
Indeß handelt es ſich hier nicht blos um das
Screiben an ſich, ſondern auc< um das Schön-
ſchreiben, d. h. das durch Deutlichkeit , Regelmäßig-
keit und Wohlgefälligkeit einen angenehmen Eindruck
auf den Leſer hervorbringende Schreiben. So wie
das Schönheits8gefühl durc< eine widrige und unver-
ſtändliche Ausſprache , eben ſo wird es durch fehler:
hafte , unausgezogene , gekrißelte Schriftzüge verleßt.
Jeder , der ſeine Handſchrift ſo vernachläſſigt, daß er
ſein Geſchreibſel ſelbſt kaum zu leſen vermag, verſplit-
tert ſeine Zeit , zieht ſich nicht ſelten empfindliche Ver-
luſte zu und verſündigt ſich ebenſo an der Zeit , dem
Recht , der Geduld und Gemüthsſtimmung aller , die
dergleichen Sudeleien zu leſen genothigt ſind.
Geſchichte der Schreibkunſt. Selbſt blos
Andeutungen über die deutſchen Charactere , wie ſie
durch allmählige Veränderungen und Abweichungen
von den lateiniſqhen Urmuſtern, ſowie von der im
Mittelalter aus den lateiniſchen und griechiſchen Al-
phabeten entſtandenen gothiſchen Schrift die jekige
Geſtalt und Bildung erhalten haben, würden uns hier
zu weit führen. Aud können wir dieſen Punct um
ſo mehr übergehen , als er für den Schreibunter-
richt, der uns hier vorzugsweiſe beſchäftigt, weniger
practiſch wichtig iſt. Wir begnügen uns deshalb «auf
die Andeutungen in Mädler's und namentlich auf
die 883. 9--21 in Keßlers Lehrbuche der Schön-
ſchreibekunſt zu verweiſen. Noch ausführlichere und
gründlichere Nachrichten finden ſich in Webers Ge»
ſchichte der Schreibkfunſt , Gottingen 1807 , ſowie in
„Dr. Sonnemann's, Prof. zu Göttingen , Verſuch
eines vollſtandigen Syſtems der allgemeinen , beſon-
ders älteren Diplomatik. Zwei Bände mit 16 Kpfr.-
tafeln. Hamburg 1801.“ (Vergl. übrigens auch den
Artikel „Buchſtaben“ im erſten Bande vorliegenden
Werkes.
Gleicherweiſe iſt hier eine Theorie der Buch-
ſtaben - Conſtruction zu übergehen, theils weil uns
das Mittel der Veranſchaulichung fehlt , theils der
großen Verſchiedenheit wegen , die in den Anſichten
über dieſen Gegenſtand , vornehmlich) in Bezug auf
unſere Current vorwaltet. Eine gewiſſe Uebereinſtim:-
mung findet fich höchſtens in den wenigen, aus blo«
ßen Haar - und Grundſtrichen zuſammengeſebten Buch-
ſtaben und ſelbſt darüber gehen rüFſichtlich der Höhe,
Lage , Stärke und Weite, die Meinungen noc< immer
ſehr auseinander. Dieſerhalb wenden wir uns ſofort
zur Methode und laſſen ſpäter blos einige allgemeine
Betrachtungen über die Erforderniſſe , welche bei jeder
Scriftgattung in Frage kommen, ſowie über die man-
nichfaltigen Schriftarten (Ductus) folgen , die in un-
ſerer Current ſich vorfinden , mit jedesmaliger Apfüh-

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