- Hundgwuth.
IThorheiten, denn als Verbrechen betrachtet, gleichſam
in ihre Rolle übergeht und nicht ohne Theilnahme
offen, herzlich, aber zugleich auch auf originelle Weiſe
über ihre lächerliche Seite mit milder Empfindſamkeit
und elegiſcher Heiterkeit ſcherzt, und ſich bemuht, diy
leidende Menſchheit gleichſam über die Wirklichkeit hin-
aus in die Region einer epikuräiſch - ſtoiſchen Philoſo-
phie zu verſehen, und ſie mit ihrem-Schi>ſal zu ver-
ſöhnen. Vgl. Bob, „von dem, was die Menſchen
Humor nennen.“ Freib. 1769 u. 79. -- Humvori-
ſtiſch daher, was dieſen Character athmet. - Swiſt,
Sterne ippel, Jean Paul ſind Muſter humo-
Liſtiſcher Seren, ſowohl in Betreff des ſcherzen:
den als ernſten und rührenden Humors, der in ſofern
auch als ein Gegenſtand der Pädagogik betrachtet
werden kann, als ein Lehrer durch eine zwe&mäßige
humoriſtiſche Behandlung ſeines Stoffes, wo dieſer
eine ſolche geſtattet, um ſo eindringlicher auf Geiſt und
Gemüth ſeiner Schüler zu wirken vermag. .
>“ Hundstwuth (Hundetollheit, rabies canina),
eine anſteende Krankheit, welche am häufigſten bei
Hunden und Wötlfen , ſeltener bei Füchfen , Dachſen
und Katen vorkommt. Auf Menſc Heißt ſie auc) nach den dabei vorkommenden Erſchei-
nungen Waſſer-, Luft- und Licht-Scheu (Hydrophobie).
Da Menſchen dur< den Biß toller Hunde ver-
giftet werden, wie durc) Schlangenbiß, die Gefahr nur
durc) ſchnelle Hilfe beſeitigt werden kann, und Aerzte
auf dem Lande nicht immer in der Nähe ſind ,. ſo iſt
es von großer Wichtigkeit , daß Lehrer ſich mit diefer
Krankheit und den Mitteln dagegen bekannt machen.
Es giebt zwei Formen der Hundswuth : .
4) Die ſtille Wuth. Der Hund zeigt ein
verändertes Betragen , wird ſtill, ruhig, ja traurig;
ſein Maul ſteht mehr oder weniger offen, während er
faſt gar nichts , ſelbſt nichts Fibſſiges ſchlingen kann,
vielmehr weit ſtärker geifert als der raſend tolle Hund.
Beißluſt, Unruhe, Trieb zum Tortlaufen ſind oft kaum
bemerkbar. Häufig ragt die Zungenſpile etwas zwi
ſchen den Zähnen aus dem Maule hervor. Das Thier
ſcheint ſtumm geworden zu ſein ; giebt es einen Laut
von ſich , ſo iſt die Stimme verändert. Jn Bezug
auf Bewußtſein, Freßluſt, Furcht vor Waſſer, -Ver-
ſtopfung , Abmagerung verhält es ſich wie bei. den
raſend tollen Hunden. Der Verlauf des Uebels iſt in
beiden Formen verſchieden, aber unbeſtimmt, und führt
in ſechs bis acht Tagen nach den. erſten Zeichen immer
zum Tode. Die Thiere fallen auch manchmal früher
wie vom Sclage gerührt.
2) Die raſende Wuth. Die Hunde wer-
den abwechſelnd munterer, dienſtwilliger, zornmüthiger
oder träge und verdrießlich , bleiben. aber in keiner
Stimmung anhaltend. Manche le>en Anfangs gern
Kaltes z die meiſten werden mehr oder weniger unz
ruhig, laufen aus, kehren unregelmäßig zurü& 3; ihre
Freßunluſt dauert während der ganzen Krankheit, doch
verſuchen ſie, Flüſſiges zu freſſen, und verſchlingen in
einzelnen Momenten Holz, Torf, Stroh, Glasſcher-
ben, zuweilen ihren eigenen Koth, welches als höchſt
Symptödme angefehen die Scheu vor dem 'Wafs=-
ſer und das Hängen des Schwanzes, allein
fälſchlich, denn alle wuthkranke Hunde erkennen fäſt
während" der ganzen Krankheit ihre Herrex-und- Pfleger,
55
Und bezeigen ihre Anhänglichteit dur&4 Wedeln, Winſeln,
Entgegenfommen , 1a ſie folgen Anfangs noch ihrem
Herrn, machen gelernte KunſtſtüFez =+ alle können
Waſſer und andere Flüſſigkeiten ſehen, le&en und ſau-
fen während der ganzen Krankheit, ja manche ſuchen
es mit großer Gier, nur können ſie es manc wegen Angeſchwollenheit des Halſes nicht verſchlingen.
Der Glaube, daß ſie waſſerſcheu ſeien, iſt wahrſchein-
lich dadurch entſtanden , daß manche das Licht nicht
vertragen können und daher vor dem beleuchteten Waſ-
ſerſpiegel und ähnlichen Erſcheinungen, die im Som-
mer haufig ſind , fliehen. Bei allen zeigt ſich hart:
nätkige Verſtopfung 3; = kein vermehrter Begattungs-
trieb , aber immer und lich veränderte Simme und Art zu bellenz
bald höher, bald tiefer als gewöhnlich , ängſtlich aus-
geſtößene Töne, = etwas heiſere, rauhe, ängſtlich klin-
gende Stimme. Der erſte Anſchlag des Bellens geht
immer in ein kurzes Geheul über mit etwas in die
Höhe gehaltenem Maule. Neigung zum Beißen bei
allen , aber nac) dem Temperament verſchieden , bei
manchen bis zur wahren Mordſucht geſteigert , wo ſie
dann über Lebendiges und Todtes herfallen, und ſogar
ſich ſelbjt zerfleiſchen. Zuerſt beißen ſie gern Kagken,
zulest Menſchen. Das Beißen geſchieht mebrentheils
nur mit einem haſtigen Schnappen und Reißen mit
den Zähnen, heimtüEiſch, ohne Knurren und Bellen.
Andere Hunde beriechen ſie am Maul, After, den Ge-
ſchlec beißen dann heftig zu. Ein engliſcher Arzt ſtellt dabet
als Erkennungszeichen der wirklichen Hundswuth auf:
Geſunde, ſelbſt an Größe und Stärke
überlegene Hunde ſollen ſich nie gegen
einen wuthkranken, wenn er ſie beißt,
zur Wehre ſekßen, eine Beobachtung, die von
einem deutſchen Arzte beſtätigt wird (Zeitſchrift für
Natur- und Heilkunde V. 2. S. 238). Viele ſchnap-
pen in die Luft, als wollten ſie Mücken fangen. Das
äußere Ausſehen iſt am erſten Tage wenig verändert,
am zweiten werden die Augen etwas geröthet und zus-
weilen gegen das Licht geſchloJen 3 die Haut an der
Stirn, über den Augen, fältelt ſich, die Thiere ſehen
mürriſch , ſchläfrig, verdrießlich. Später werden die
Augen. trübe, matt, oft wie mit einem feinen Staube
beſtreut; manchen ſchwillt der ganze Kopf, andern nur
Maſe oder Zunge mehr oder weniger an z die meiſten
bekommen ein ſtruppiges Anſehn, alle magern ſchnell
ab. Das. Maul iſt. mehr tro>en als feucht , und in
der Regel ohne Geifer. Den Schwanz tragen ſie auf-
reiht, ſo lange ſie einigermaßen bei Kräfrcen find, laſſen
ihn aber ſchlaff“ herunterhängen , wenn die Schwäche
zugenommen hat. In der erſten Zeit der Krankbeit
gehn ſie überhaupt wie geſunde Hunde, ſpätethin wer-
den ſie ſhwach am Hintertheil, und zuletzt lendenlahm;
gegen Ende ſtraucheln. ſie häufig , ſchleppen ſich nur
mühſam fort, bleiben liegen, und ſterben zulekt unter
heftigen Zu&ungen. Den zehnten Tag der Krankheit
überlebt keiner. , +
Kranke Thiere- müſſen erſchlagen , tief vorfchnrrt
und. mit-ungelöſchtem» Kalk Überde&t werden 3 --wuth-
verdächtige Hunde müſſen ſorgfältig eingefangen . und
ſieher eingeſperrt und: beobachtet werden, um Geobiſſene
von der "Gefahrloſigkeit überzeugen zu Lönnen , wenn
das Thier geſund iſt, Die durch Furcht -und Angſt

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.