56 Hundswuth, -- IJ.
geſteigerte Einbildungskraft bringt oft die gefürchtete
Krankheit in“Menſchen hervor.
Zeichen wirklicher Anſte&ung ſind: Der-Schmerz
des verleßten Theils wird ſtärker und verbreitet ſich.
Die Wunde, die oft von ſelbſt ſchnell zuheilt, entzün-
det ſich , bekommt Bläschen , geht nicht ſelten wieder
auf, und ſchwikßt eine dünne, ſcharfe Jauche aus.
Der Verlekte iſt entweder ungewöhnlich fröhlich , oder
verdroſſen , unruhig , traurig. Kein Biſſen ſchmeEt
ihm, ſein Schlaf wird von ängſtlichen. Träumen beun-
ruhigt , er klagt über Froſt: und Hike, Die Unruhe
nimmt zu, der Kranke bekommt den heftigſten Durſt,
jedoch verabſcheut er je länger, je mehr jedes Getränk.
Er verlernt zu ſchlingen , der leiſeſte Luftzug. thut ihm
weh. Er athmet ſchwer, keucht, ſtöhnt, was man mit
Hundegebell verglicgen hat. Der Speichel wird zähe,
läßt ſic) nur mit Anſtrengung auswerfen, oder er fließt
ſehr reichlich , ſo daß der- Kranke Alles , was ſich ihm
nähert, bewußtlos anſpeit.. Er fängt an zu toben,
wüthet , raſ't, redet irre. Endlich verfällt er in
Zu&Fungen und giebt ſo, meiſt ſchon nach drei Tagen,
ſeinen Geiſt auf. -. ZRG
In ſeltenen Fällen iſt Rettung möglich geweſen,
wenn man, ohne einen Augenbli> zu ver»
lieren, gleich na< dem Biß folgende Mittel
angewendet hat: Starker Aderlaß, Brechmittel 3 blutet
die Wunde , ſo erhalte man die Blutung , und leite
einen Strom ſiedenden Waſſers darauf ;.. blutet
ſie nicht, ſo mache man Linſchnitte, und bringe ſie
zum Bluten. Beſſer noh: Ausſchneiden der Wunde,
Aetzung mit Urin, warmem Salzwaſſer, Aſchenlauge,
Chlorkalkwaſſer , oder Ausbrennen. der Wunde mit
Glüheiſen, oder angezündetem Schießpulver, oder einem
Siedwaſſerſtrahl, worauf ſie durch ſpaniſche Fliegen in
Eiterung erhalten wird. Aerztliche. Hilfe muß ſobald
als möglich geſchafft werden , aber die. erſten und wirk»
ſamſten Operationen kann Jeder vornehmen. Sind
die erſten Maßregeln verſäumt , hat das Gift Zeit ge
habt , ſich auszubreiten , ſo iſt Alles verloren. (Vgl.
Hertwig's Beiträge zur nähern Kenntniß der Wuth«-
krankheit der. Hunde , nebſt Vorwort von Hufeland.
Berlin 1829. =“ Der tolle Hund, von Schmalz, -
mit einem Vorwort'von Dr. Müller. Mit 2 Abbild.
Görlis 1821; -““+“ Allgemein faßliche Beſchreibung über
die Kennzeichen und .die Verhütung der Hundswuth.
Berlin 4829. ---) = au
-. -Man verlaſſe ſich nicht auf die Haus8mittel,
fie ſind in dieſem Falle unverantwortlich, Man ver-
fahre ſo energiſch als "möglich, ſchneide und brenne z
nur ſs kann im glülichſten: Falle das Leben. gerettet
werden. Auch muß man in dieſer Beziehung äußerſt
wachſam ſein. Wenn ein Menſc<- von einem: tollea
Hunde nur wund gele>t , oder der Giftſpeichel nur
dur den Dru der Zähne in einer ſehr feinen Ober«
hautſtelle abgelagert wird , kann Anſte>ung erfolgen,
bei Manchen ſchon nach wenigen Tagen, bei Andern
tritt. die Krankheit manc nach langen Jahren hervor. -
Es giebt auch mehrere Hausmittel, um Hund
vor der Wuth zu bewahren, namentlich das ſogenannte
Ausſchneiden des Wurmes unter der Zunge, was ſchon
bei den Alten gebräuchlich war, aber deshalb nicht mehr
LPerth hat , als anderer Aberglaube , der bei Griechen
und Nomern häufig in ſol beſte Mittel wäre , keine Stubenhunde , bei denen die
Wuth am häufigſten vorkommt, zu dulden , und die
männlichen Hunde in der Mehrzahl zu kaſtriren.
GSutgenährte Hunde , die viel Bewegung im Freien
haben , bekommen die Wuth nichtz dagegen macht die
Stubenluft und Ofenhiße dafür empfänglich. = *.
I, i, ij- Laut und Buchſtabe veranlaſſen in der
deutſchen Sprachlehre einige Schwierigkeiten. . Irüher
wurden mit dem Buchſtaben i zwei verſchiedene Laute
bezeichnet, der Selbſtlaut i und der Mitlaut 3, welches
daher kommen mag, daß in denjenigen. Wörtern, in
welchen wir im Hochdeutſchen 1 als Mitlaut ausſprez
geſprochen wird, 3. B. im Alemaniſchen i=agen ſtatt
jagen. Betrachten wir zuerſt den Laut i; wobei wir
jedoch im Voraus bemerken, daß wir in Folgendem
durch den Buchſtaben e nur: den hellen C-Laut, wie
er in See gehört wird (das e ferme), der Kürze
en bezeichnet wiſſen .wollen. ?
vs Bei ne Me ruhe der Selbſtlaute kommt dreierlei
zn Betracht: 4) Die Oeffnung und Formunz des
Mundes, 2) die Oeffnung der Kinnladen und Zähne,
3) die Lage der Zunge. Bei der Ausſprache des i
treten die Lippen am weiteſten zurück, bilden aber: einen
breiteren und dünneren Sc andern. Selbſtlaut z- die Kinnladen ſind. weniger Feöff-
net, als bei den meiſten Vocalen z "dagegen liegt die
Zunge , mit dem: vordern- Rande an die innere Wand
des untern Zahnfleiſches geſtemmt, am weiteſten vorn
und macht den geringſken Bu>kel. Sprechen wir nun
unſere einfachen Selbſtlaute in derjenigen Ordnung
aus, wie ſie hier ſtehen: ü, 0, i, €, 6, a, 0, U, ſo
finden . wir, daß die Kinnladen mehr und mehr ſich
Öffnen, der Vorderrand der Zunge immer weiter zurü«-
"geht, kurz, die innere Mundhöhle immer mehr erwei-
tert wird, je mehr wir uns dem u nähern, daß aber
in derſelben Zeit die Lippen ſic) mehr und mehr zuſams
menziehen , ründen, hervortreten, ſo daß bei u der
Mund am ſpikeſten iſt, und die kleinſte runde ODeff-
nung bildet. - Merkwürdig iſt auß, daß dieſe acht
Selbſtlaute den acht Tönen der diatoniſchen Tonleiter
entſpremen: = u SEEN .
' Uoaaeign >
| c ſo daß ü die Octave von u. wäre, Die neuere deutſche
Sprachlehre theilt bekanntlich zum Behuf der Wort»
formenlehre und. Wortbildungslehre , dieße Selbſtlaute
in reine Selbſtlaute und Umlaute, und rechnet
U, 05.0, e und i zu den reinen Selhſtlauten, ä, 8, ü
zu den Umlauten 3 eine genauere Betrachtung der
Sprache zeigt aber, daß--die reinen einfachen Selbſt
laute ſind : u, 0= a, e, die Umlaute; ü, d, a, i, daß

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