Scnürbrüſte.
ein wunderbares Gebäu von Knochen geſchübt iſt.
Dieſe ſind erſtens das RüFgrat, das aus Wirbeln oder
kurzen, in einander gefügten Knochen beſteht und den
oberen Theil des Körpers ſtükt 3; zweitens das Bruſt-
bein, gegen 7 bis 8 Zoll lang, und aus drei Stüen
zufammengeſebt, und drittens die Rippen, deren es ge-
wöhnlich 2+ giebt. Die zwölf Rippen auf jeder Seite
ſind alle hinten an das Rückgrat befeſtigt 3 ſieben von
ihnen, die ſieben oberſten, ſind auch vorn an das Bruſt-
bein angefügt, und heißen deßhalb wahre Rippen.
Die achte Rippe hat ein aufwärts gebogenes Ende
und ruht an der ſiebenten 3 die neunte ruht auf die-
ſeibe Weiſe an der achten, aber die zehnte, elfte und
zwölfte hängen nicht vorn mit einander zuſammen.
Das vordere Ende jeder Rippe beſtcht nicht aus Kno-
genannt. Die Elaſticität dieſes Stoffes, verbunden
mit der ſchiefen Lage der Rippen, iſt eine ſchöne Ein-
richtung, durch welche die Bruſt ihre Höhle erweitern
und verringern kann, um den Lungen freies Spiel zu
laten.
Meir richten jebt unſere Aufmerkſamkeit auf die
Form dieſer Höhle, die, wie wir geſehen haben, dur<
das Rückgrat, die Rippen und das Bruſtbein einge-
ſchloſſen und geſchüßt iſt, und Thorax oder Bruſtfaſten
heißt. Das oberſte Rippenpaar, welches gerade am
Grunde des Halſes liegt, iſt ſehr kurz, das nächſte
Paar iſt etwas länger, das dritte no ſo gehen ſie an Länge zunehmend bis zum ſiebenten
Paare oder den leßten wahren Rippen, fort, nad
welchen die Länge ſic) vermindert, ohne daß jedoch der
Umfang der Höhle weſentlich verkleinert wird, weil die
falſhen Rippen nur um einen Theil des Körpers ge-
hen. Daher hat der Bruſtkaſten eine Art koniſcher
Geſtalt, oder er könnte mit den üblichen Bienenſtö>en
verglichen werden, indem das ſchmale oder zugeſpikte
Ende am Halſe, und das breite Ende nach unten liegt.
Kurz, die natürliche Form des Thorax iſt der modi-
ſen Geſtalt des Oberleibes gerade entgegengeſebt. Die
lebte iſt unten ſchmal und oben weit, die erſte oben
ſchmal und unten weit.
Der untere Theil des Thorax iſt auch um Vieles
zuſammendrüEbarer und leidet natürlic dur; Sc ren leichter, als der obere. In dem obern Theile bil:
den die Knochen einen vollkommenen Kreis und durc
die kleine Schiefheit der Rippen gewinnt dieſer Kreis
eine große Kraft des Widerſtandes gegen äußere Preſ-
ſung. Die lebten fünf Rippen aber, die falſchen ge-
nannt, liegen nicht nur noch ſchiefer, ſondern werden
auch ſchwächer, je mehr ſie an Länge abnehmen, und
da ſie vorn keine Unterſtübung haben, ſo iſt ihre Krafft,
aUußerer Preſſung zu widerſtehen, wohl ſechs Mal ge-
ringer, als die Kraft der wahren Rippen. Daher kön-
nen Binden, an dieſem Theile des Körpers angelegt,
den natürlichen Umfang der Höhle wohl um die Hälfte
verringern. Die Natur hat in dieſer Hinſicht dem
Weibe eine freie Gewalt gegeben, = deren Mißbrauch
ſie jedoch mit ſtrengen Strafen ahndet. Wollte eine
Schöne den Folgen Troß bieten, ſo könnte ſie, mit
ulfe von Senkeln oder Schnüren eine große Verän-
derung an dieſem Theile ihres Körpers hervorbringen.
Von der großen Sorgfalt , welche die Natur ver:
wendet, um die äußere Bede&ung des Thorax zu be-
feſtigen und Beweglichkeit mit Kraft zu verbinden,
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können wir auf die Wichtigkeit der inneren Organe
und auf den Werth ſchließen, welchen eine freie Bewe=
gung für ihre geſunde Thätigkeit hat. Ein anderer
Beweis dafür iſt der Umſtand, daß die Rippen der
erſte Theil des Knochengerüſtes ſind, den die Natur
bildet 3 denn in dem ungebornen Kinde ſind, außer
dem Gehörknochen, keine andern Knochen ſo volls
kommen.
Der Inhalt des Thorax iſt: erſtens das Herz, der
Mittelpunct des Biutumlaufs, und welches, um ſeiner
bildlichen Verrichtung willen, jede Frau vor Schaden
ſorgfältig hüten muß. Hierauf die Lungen, die bei
Weitem den größten Raum einnehmen, und von deren
zarten Verrichtungen ſich Jeder einen Begriff machen
kann. Außerdem liegen, entweder im Thorax ſelbſt
oder gleich neben ihm, der Magen, die Leber und die
Nieren, mit dem Schlunde, der Luftröhre, einem Theile
der Cingeweide und vielen Nerven --- Organe, die alle
mit der Lebensfraft innig verbunden ſind. Die mei-
ſten dieſer Organe ſind-nicht nur an ſich ven beſonde-
rer Wichtigkeit, ſondern ihr Einfluß erſtreEt ſim durch
die Nerven, Arterien u. ſ. w. zu dem Kopfe und den
entfernteſten Theilen der Glieder hin, ſo daß, wenn
ſie Schaden leiden, die Geſundheit an ihrer Quelle
vergiftet iſt, und das Leiden wandert immer zu andern
Theilen des Organismus,
Man bedenke nun, welche Folgen es hat, wenn
man mit Schnürbrüſten von irgend einem unnachgie-
bigen Stoffe einen Dru auf eine Höhle anwendet,
die ſo viele zarte Organe einſchließt, deren freie Thä-
tigkeit weſentlich) zur Geſundheit gehört. Zuerſt giebt
der unterſte Theil der Bede&ung des Bruſtkaſtens am
Meiſten nah 3; die falſchen und die unteren wahren
Rippen werden nach einwärts gebogenz die ſämmtlichen
Organe in dieſem Theile des Körpers, der ein Stük
des Darmkanals einſchließt, werden eng an einander
gedrüt und in die Höhe gedrängt, und da die Preſ-:
ſung oben fortdauert, ſo werden ſie noch höher gedrängt.
Wird das Schnüren weiter getrieben, ſo hebt ſich das
Bruſtbein und biegt ſich zuweilen 3 das innere Ende
der Schlüſſelbeine tritt vor, und die Schulterblätter
werden rüFwärts gedrängt. Der untere Theil der
Lungen wird zuſammengedrüEt und der Eintritt des
Blutes in dieſelben gehindert, die Unterleibsorgane,
welche am meiſten geſchübt ſind, leiden beträchtlich ;
der Magen wird zuſammengedrüE:;, ſeine Ausdehnung
gehindert, und ſeine veränderte Lage und Geſtalt ver-
urſachen unvollkommene Verdauung 3 das Blut wird
nach dem Kopfe gedrängt, wo es verſchiedene Beſchwer«
den verurſacht ; die Leber ändert ihre Geſtalt und ihre
Verrichtungen werden gehindert. Da die natürliche
Bewegung der Knochen gehemmt wird, ſo erfolgen
Verkrümmungen, und die hohen Schultern, das ge-
krümmte Rügrat oder das gebogene Bruſtbein fan-
gen endlich an, durch die BedeXungen und Kleider
ſichtbar zu werden. Cs iſt unnothig, bei dieſen Ein-
zelnheiten länger zu verweilen, da wir ſogleich ein Ver-
zeichniß der Krankheiten geben wollen, welche durch
enge Schnürbrüſte hervorgebracht werden.
Eine andere Folge der Schnürbrüſte iſt, daß dier
jenigen, welche lange feſt eingeſchnürt ſind, endlich un-
vermögend werden , ſich aufrecht zu halten, oder ſich
ohne die Sc wie man ſehr richtig ſagt. zuſammenfallen, da die

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