Schnürbrüſte. -- Solz.
ſern Nachbarn, einen „ſchlanken Wuche“ zu bewun-
dern 3 aber Dank ſei es unſerm ärztiichen Freunde, der
uns von dieſer Thorheit geheilt hat ! Wir waren ge-
wohnt, zu glauben, daß tie Liebe8gotter und Grazien
um ſo zarte Geſtalten ſpielten 3 künftig aber werden
wir ſie nie ſehen, ohne an verkrümmte Knochen, Waſ-
ſerſucht, Auszehrung, Leberverhärtung, Ohnmachten,
Blutſpuken , Melanchelie , Hyſterie, Üble Laune, ver-
krüppelte Kinder, Pillen, Tränkchen und Arzt-Rech-
nungen zu denken.
„Der Gegenſtand, der bisher behandelt ward,“ heißt
es am Schluſſe der ärztlichen Bemerkungen, „iſt von
großer Wichtigkeit für Väter und Mütter, und in der
That für Menſchen jedes Alters und Standes. Die
Mode herrſcht über die vornehme Dame, aber auch
das Milchmädchen ſteht nicht außerhalb ihres Einfluſ-
ſes. Heut zu Tage, wo mediciniſche Kenntniſſe ſo
weit verbreitet ſind, ſollte es ſicherlich der Unwiſſenheit,
der Laune oder dem Zufall nicht erlaubt ſein, Geſund-
heit und Leben zu gefährden, unter dem Vorwande, un-
ſern Anzug zu ordnen.“
„Eine ſchöne Geſtalt, ein zierlicher Wuchs -- ſind
heut zu Tage gleichbedeutend mit einer Taille von
3 bis 4 Zoll im Durchmeſſer, und noch weit mehr
haben die Dichter beigetragen, dieſe lächerliche Moe
einzuführen. Wer kennt nicht ihre JFeengeſtalten,
ihre Sylphiden-Umriſſe und andere ähnliche Bil-
der? Und allerliebſte Figuren haben ſie uns wirklich
gegeben 3 denn es iſt nicht zu [läugnen, daß die Poeſie
einen wunderbaren Einfluß auf die Handlungen jener
Geſchöpfe hat, die zu den ſchönſten Geſchenken des
Himmels gehören. Die Natur hat das Ihrige gethan,
die Weiber wahrhaft ſymmetriſch zu machen, oder
ein natürliches Ebenmaß in allen Theilen ihres Kör-
pers hervorzubringen, und wir ſollten mit ihren Wer-
ken zufrieden ſein und --- ſind es auc). Im Namen
der Schönheit alſo, ihr ſchönen Mädchen, verderbet nicht,
was ihr nicht verbeſſern könnt!"
Mit dieſem Zurufe mögen die ärztlichen Bemer-
kungen über das heilloſe Verſchönern des Körpers durch
Zuſammenſchnüren des Leibes dem Ende ſich nahen.
S. (Hergangs) „Vertraute B“iefe an ſeine reifende Toh-
ter“ u. ſw. Sulzbach, d. v. Seidel. 1830. S. 207 |.
Solz (Chriſtian Gottlieb), Oberlehrer des
ewangel. Schullehrer - Seminars zu Breslau , ward am
19. Juli 1791 zu Groß- Neundorf b. Brieg geboren.
Der Vater, einer der tüchtigſten Elementar - Landſchuls
lehrer , war ein Freund einer ſtrengen Hats-, Kinder -
und Schulzucht, der bei der redlichen Sorge für das
Wohl ſeiner Kinder von dem Bibelworte: „Wer ſein
Kind lieb hat, der züchtigt es," treulich Anwendung
machte. Die häuslichen Verhältniſſe waren von der
Art, daß neben der Bildung des Geiſtes durc Scul-
Unterricht, die phyſiſche Erziehung des Sohnes nicht
verabſgumt werden durfte. Dieſer beſuchte die Lehr-
ſtunden des Vaters, half bei den Arbeiten im Garten
und auf dem Felde, ſammelte in den nahen Wäldern
wilde Obſtbaumſtämm die Schwärme der Bienen u. a. Schon als Knabe
zeigte er eine große Vorliebe für Bücher, Feder, Dinte
und Papier. Die Bücher riſſen ihn zur Bewunderung
der Gelehrſamkeit und Geſchi>lichkeit ihrer Verfaſſer
hin, und ſchon damals regte ſich in ihm der Wunſch,
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dereinſt etwas Aehnliches zu leiſten. Nach erreichtem
15. Jahre wurde S. zur weitern Ausbildung nach Brieg
auf das dortige Gymnaſium gebracht. Die Erlernung
der Sprachen fiel ihm anfänglich ſchwer 3; doch hielt
er mit den beſſern Köpfen ſeiner Mitſchüler gleichen
Schritt und rüte ziemlich ſchnell aus einer Klaſſe
in die andere. Nach beendigter Gymnaſial - Bildung
ſchlug S., da der Vater wünſchte, daß er Shulmanun
werde, eine Beſchäftigungsweiſe ein, die ihn der Exr-
reichung ſeines Zieles näher führte. Nachdem er eine
kurze Zeit in der Brieger Mädchenſchule unterrichtet,
begab er ſich nac) Breslau , wo er ſich unter Fiſcher,
Rahn, Stäubler, Hoffmann , Neugebauer und Berner
fürs Schulfach zu tüchtigen ſuchte. Schon im Sept.
1811 begann er bei der Stadtſchule zu Prin&enau
Sprott. Kreiſes ſeine Wirkſamkeit als Gehilfe. Die
ihm anvertraute Klaſſe zählte 120 bis 130 Kinder,
deren Bearbeitung dem Lehranfanger faſt zu ſchwer
erſchien. Ein hier gegründeter pädagog. Berein machte
den jungen Lehrer mit den vorzüglichſten Schriften UnR-
ſerer gediegenſten Pädagogen und Schulmänner bekannt,
und er fing an deren Werke mit der Feder in der Hand
zu ſtudiren. Beſondern Fleiß verwendete er auf die
Ermittelung eines naturgemäßen, geiſtbildenden Unter-
richts im Leſen und Rechnen. Er befreundete ſich mit
der Leſelehrart von Stephani und lernte erſt ſpäter
die größere Gediegenheit Krugs und Oliviers kennen.
Die Kriege 1812 --- 13 brachten große Störungen
in die dortigen Schulverhältniſſe. Da nach der Schlacht
bei Bauen und während des darauf erfolgten Waf-
fenſtillſtandes an eine Lehrthätigkeit nicht zu denken
war, weil feindliche Einquartierung das Schulgebäude
beſeßt hielt , ſo wagte S. die Reiſe über Bres8lau zu
ſeinen Eltern nach Tſchöplowis. Hier bot ſich ihm
eine Anſtellung als Lehrer und Erzieher der Jugend
im Kgl. Armenhauſe zu Creukburg dar. Seine Prür-
fung in Breslau führte ihn amtlich zu der intereſſanz
ten. und folgereichen Bekanntſchaft des damaligen Di-
rectors Harniſch. Ein faſt ſechswöchentlicher Auf-
enthalt in Bres8lau, wo er fleißig in dem neuorgani-
ſirten Seminar und vorzüglich in Harniſchs Lehrſtun-
den hospitirte, befreundete beide. Die Unterrichtswege
und die Lehrweiſe deſſelben zogen ibn fo an, daß er diez
ſem in ſeinem neuen Wirkungskreiſe treu zu folgen
beſchloß. In Creubburg, too S. am 14. Dctbr. ſein
Amt antrat, fand derſclbe ein ſchönes Feld der Wirk-
ſamfeit. Nicht nur Lehrer, ſondern auch Erzieher
ſollte er der Jugend des Kgl. Land- Armenhauſes ſein,
und er befand ſich in dieſer Beziehung unter ſeinen
Zöglingen recht glüFlich. Seine ſchriftlichen Vorbe-
reitungen, an welche er unabläſſig die beſſernde Hand
legte, wuchſen zu ziemlich ſtarken Hefen an. Auch
wurden die in Pr. begonnenen Siudien hier noch er-
weitert und gründlicher betrieben. Einige Ergebniſſe
derſelben nahm Harniſch in den „Sculrath a. d.
Oder“ auf, und ſeitdem gewann S. einiges Vertrauen
zu ſich ſelbſt, das ihm in Folge der häuslichen Erzie-
hung faſt ganz mangelte. Im April 1818 folgte er
dem Rufe als Rector der evang. Stadtſchule zu Neiſſe,
welches Amt er bis 1834 verwaltete. Auch hier fand
er ein großes Feld zu bearbeiten. Es handelte ſich unt
die Organiſation der daſigen Civil- und Militair-
Scule, die der Reviſor der Schule, Superintend. Han-
del , bereis eingeleitet hatte. Das Clementar- Schut-

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