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- No verweiſen wir „hier auf eine neulich von
Dieſterweg verfaßte und zur Vorfeier des Peſtalozzi-
ſchen Geburtstages (er ward nämlich am 12. Januar
1746, niht 1745 geboren.) in Berlin erſchienene
Schrift: „Heinri< Peſtalozzi. Cin Wort über ihn
und ſeine unſterblihen Verdienſte für die Kinder und
deren Eltern zu dem erſten Säcularfeſte ſeiner Geburt.
Bon einem ſeiner dankbaren Verehrer. Berlin, 1845.“
Der Inhalt dieſes lehrreichen Scrift folgenden drei StüFßen: 1) Wie waren die Schulen
vor Peſtalozzi beſchaffen ? SZ) Wie ſind ſie durch ihn
und näc< ihm geworden, Dd. h. wie ſind ſie jekt?
3) Wie lebte und wirkte Peſtalozzi ?
Unter ſolchen Vorgängen iſt allmählich ein neues
Leben und eine erhöhete Wirkſamkeit für allgemeine
„Menſchens und Berufsbildung erwacht. Neben den
Hochſchulen und Gymnaſien ſind beſondere Real- oder
Mittelſcchuyzn (höhere Bürgerſchulen, Gewerbs-
ſc litair-, Forſts und Handlungs-Inſtitute ent-
ſtanden. Auch dem niedern Volksſchulweſen wendete
man ſeine Aufmerkſamkeit und Theilnahme zu, indem
man immer mehr und mehr zu der Cinſicht gelangte,
daß in dieſem der Hauptgrundſtein zum Gebäude der
Volkswohlfahrt gelegt werden müſſe. Durch beſondere
Gefeße ſuchte man denſelben eine organiſche Verfaſ-
ſung zu geben, dur; Scullehrerſeminarien tüchtige
Lehrer zu bilden und die Pädagogik zu einer Wiſſen:
ſchaft zu erheben. In dieſer lebteren Rüſicht verdient
vor andern der ware Beneke genannt zu werden.
S. Deſſen Erziehungs: und Unterrichtslehre. 2 Bde.
2. Aufl. 1842. Wir verweiſen hier zugleich auf
Dreßler's „Beiträge zu einer beſſern Geſtaltung der
Pſychologie und Pädagogik“. BWBudiſſin, 1848 und
auf Freimuth's „neueſte Gegenſäße in dex Päda-
dogik“ u. ſ. w. Budiſſin, 1844. Doch dürfen wir
dabei die theuern Namen --- Niemeyer, Denzel,
S ſterweg, Harniſc< und vieler anderer nicht ver-
geſſen.
Cs iſt nicht zu verkennen, daß beſonders ſeit dem
Jahre 1830 ein neuer Geiſt durch die Volksſchule
hindurc den zu ſehr zerſplitterten und zerſplitternden Unterricht
mehr zu vereinfachen und zu concentriren , ſtatt leerer
formaler Uebungen das Denken über die in den Kreis
der Jugend fallenden Verhältniſſe des Lebens zu bes
fördern, *) an die Stelle künſtlicher Methoden ein
Unterrichtsverfahren zu ſeßen, das der ſchlichten Denk-
art und den einfachen Bedürfniſſen des Volkes mehr
entſpricht, yor Allem aber aus den Schulen jene falſche
Aufklärerei in religiöſen Dingen, jene Verachtung des
poſitiven Chriſtenthums zu entfernen.
Eine dankenswerthe Erſcheinung auf dera Gebiete

*) Wir können uns nicht enthalten, hier zwei jüngſt er-
ſchienene intereſſante kurze Abhandlungen zu nennen, welche
über dergl. Punkte belehrend ſprechen :
a) Dr. Stoy: Scule u. Lcbcn. Erſte pädagogiſche Be-
kenntniſſe, Jena, Frommann. 1844. d) Vorſchlag zu
einer Schul - Diätetik. Eine Preigaufgabe. S. Prof.
Kaliſch: Zur Pädagcg'k. Beiträge in zwangloſen Hef-
ten. 1. Hft. S. 32 ff. 1844.
Es iſt keine Lorinſerſche Diätetik, welche hier gegeben wird,
vielmehr eine Prüfung der geiſtigen Nahrungösſtoffe.
Schule.
des Volksſchulweſens iſt in den zwei lebten Jahrzehn:
den die wechſelſeitige Sc Cine Tochter des durch Bell und Lancaſter (geſt.
am 24. October 1838; ſ. auch den Artikel „Beli und
Lancaſter“ in der pädag. Real Encycl.) ausgebildeten
ſogenannten gegenſeitigen Unterrichts, unterſcheidet fie
ſich von dieſem doch weſentlich dadurch, daß ſie den
eigentlichen Unterricht ohne Ausnahme dem Lehter,
und nur die Uebung in dem bereits zur Crkenntniß
der Schüler Gekommenen den ſogenannten Monitoren
oder Gehilfen des Lehrers zuweiſ't. In Dänemart,
namentlich in den Herzogthümern S ſtein ausgebildet und in eine beſtimmte Form gebracht,
hat dieſe Schuleinrichtung ſeit 1822, beſonders abex
ſeit 1831 in Deutſchland viele Freunde und, weni
ſtens dem Weſentlichen nach, in viele Schulen Ein:
gang gefunden, während in England, Frankreich, Jta-
lien, einem Theile der Schweiz und in den meiſten
americaniſc terrimt, wenn auch mit abnehmendem Cifer, gepflegt
wurde, Durch die 1836 vom Dir. Dieſterweg er-
neuerten Streitigkeiten über dieſe Schuleinrichtung
ſcheint ſic) herausgeſtellt zu haben, daß die Jdee der
wechſelſeitigen Sculeinrichtung richtig, daß es aber
bei unſerm Zuſtande des Unterrichts bedenklich iſt, die
beſtimmten Formen, worein man in Eernförde und
anderwärts dieſe Idee gegoſſen hat, als allein heilbrin:
gend, unverändert den Schulen und Lehrern aufzudrin:
gen. Neuerlich hat ſie jedoch der ſcharfſinnige Prof.
Dr. Beneke gegen ſeinen Freund Dieſterweg in be:
ſondern Schuß genommen und ihren mannigfaltigen
Muten darzulegen ſich bemüht. S. „„Erziehungs- und
Unterrichtslehre“ 2. Bd. S. 134 ff.
Die würdige Stellung des deutſchen Volksſchulleh-
rerſtandes hat ſich beſonders in dem lebten Jahrzehend
bedeutend verbeſſert und befeſtigt. Hterzu hat nament:
lich das in ihm erwachte Streben nach Fortbildung,
das in Lehrervereinen und Lehrerconferenzen immer
neue Nahrung findet, weſentlich beigetragen. = Nicht
ganz ohne Cinfluß auf die Wirklichkeit ſind die über
die außere Stellung der Volksſchule geführten Strei:
tigfeiten geblieben. S. (Melde's) „Deutſchlands ze:
ſammtes Volfsſchulweſen nach ſeiner nothwendigen
Reformation und ſeinem künftigen Verhältniſſe , zum
Staate, zur Kirc fiſden Shulmanne. Bauten, bei Schlüſſel. 1843"
und Dobſchall's IJ. G. „die Inſpection der Volks:
ſchule im Sinns der wahren Pädagogik, nebſt einem
Anhange, betreffend die ſogenannte Emancipation der
Volksſchule.“ 8. Liegnis, Kuhlmey. 1843. --- und
beſonters Kirſc< (Oberpfarrer zu Königsbrü> in Sach-
ſen) „Die Aufſicht des Geiſtlichen über die Volksſchule.“
LpzY, Reclam. 184960.
Zwar iſt von einer wirklichen Trennung der Schule
von der Kirche, oder von einer ſogenannten Emancipa“
tion der Schule jeßt weniger die Rede, da auch die
theoretiſche Anſicht ſi mehr und mehr zu Gunſten
einer innigen Verbindung beider ausſpricht, aber die
Verhältniſſe des Lehrerſtandes zu den Geiſtlichen haben
fim würdiger geſtaltet, und man iſt überall zu der
Anſicht gekommen, daß zur Verwaltung des Schul:
weſens auch ſol welche daſſelbe nicht blos nothdürftig durch Bücher, ſon*
dern durc< ernſtere pädag. Studien und durc eigen!

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