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und durch eigene Erfahrung in ſic aufnimmt, und
kann durch keinen Unterricht mitgetheilt werden, wenn
keine Empfänglichkeit dafür vorhanden iſtz allein ſie
muß deſſenungeachtet als das höchſte Ziel für den Er-
ziehungsunterricht aufgeſtellt werden, gegen welches
die Mittheilung materieller Kenntniſſe , welche an und
fur ſic) immerhin wichtig ſind, nur eine verſchwin-
dende Bedeutſamkeit hat.“
Noc< fügen wir hier bei, wie Dobſchall den
wahren Unterricht unten:
„Das Weſen einer guten Unterrichtsmethode beſteht
im Allgemeinen darin, daß ſie die in der Schule herr-
ſchende äußere Ordnung nicht verlebt, daß ſie in der
Mittheilung der Unterrichtsſtoffe das rechte Maaß zu
treffen weiß , daß ſie diefen die fruchtbarſte Seite abge-
winnt, daß ſie dieſelben mit Gründlichkeit behandelt,
daß ſie die Kinder zu ernſthafter Thätigkeit anleitet,
daß ſie ihnen das Lerngeſchäft erleichtert und ſie dahin
führt, ſich demſelben mit Luſt und Freudigkeit hin-
zugeben, mit Einem Worte, daß ſie im Stande iſt,
den Bildungsgang der Kinder zu leiten und zu beherr-
ſchen.“ -
D. unterwirft auch die verſchiedenen Unterrichts8ge-
genſtände einer näheren Betrachtung, nicht nur, um
ihren Einfluß auf die Bildung darzuſtellen, ſondern
auc< und vorzüglich , um Bemerkungen über deren
Behantlungsweiſe anzuknüpfen. =-- Aus Allem athmet
ein echt pädagogiſcher Geiſt!
Nach den bisher aufgeſtellten Grundſäßen Über
Methode bleibt denn als Reſultatz „das Ganze des
Unterrichts und der Erziehung iſt dergeſtalt in Har-
monie zu bringen, daß man unterrichtend erzieht
und erziehend unterrichtet. Der iſt daher ein
guter, eigentlicher Lehrer, der ſolches thut, und dar-
nach iſt ein Lehrer zu prüfen. Eine gute Schule aber
iſt diejenige , welcher man die Aufſchrift geben kann:
„Hier wird unterrichtend erzogen und erzie-
hend unterrichtet.“ Leider! wird no< manches
Jahrzehnd vergehen, ehe man ſolches nur von vielen
Schulen wird rühmen können.
Die meiſten Schulen unſrer Zeit ſtehen immer
nod auf der niedern Stufe der Bildung, daß ſie das,
was man Schulzuht, S züglich dur; Geſeße und dur; Züchtigungsmit-
tel handhaben, und ſie wollen den Schüler allein durch
Legalität zur Moralität führen. Der Artikel Stra-
fen und Belohnungen gehört daher bei ihnen zur
Tages8ordnung. Möchten ſie aber doch recht ernſtlich
bedenken, wie eine gute Doctrin das beſte Mittel zu
einer guten DisSciplin iſt, indem ſie Fehler und Unord-
nungen verhütet und die Strafanſtalten immer entbehr-
licher macht. Und dahin hat der Lehrer durch den
Geiſt, der in ſeiner Schule von ihm und ſeinem Unter-
richte ausgeht, vorzüglich zu wirken. Cs war daher
in der gewöhnlichen Disciplin eine ſehr wichtige Frage,
welche einſt der K.:R. und Ritter Dr. Stephani in
ſeinem „Schulfreunde für die deutſchen Bundesſtaaten,''
(Bd. 5 S. 26) aufſtellte und beantwortete: „Wer iſt
oft ſtraffälliger , der Lehrer, welcher die Strafe ertheilt,
oder der Schüler , welcher ſie von ihm empfängt 2“
Ignaß Demeter in ſeinem „vollſtändigen Handbuche
zur Bildung angehender Schullehrer“ u. f. w. (1821)
failt im 8, 127 folgendes Urtheil: „Es verräth einen
Sculbdisciplin.
ſchlehten Schulmann, der oft ſtrafen muß. Offenbar
liegt die Schuld an ihm ſelbſt, weil er die Veranlaſ-
ſungen zu Beſtrafungen nicht zu verhindern weiß.“
Hierbei erwähne ich. no<, was der gemütbvolle Dr.
Krummadher in ſeiner „ unter dem Artikel „Strafen und Belohnungen“ S. 97 ff.
ſagt: „Alle körperlicgen Züchtigungen gehören nicht
in die Schule, ſondern müſſen daraus verbannt wer:
denz; aus keinem andern Grunde, als weil ſie mit
dem Weſen, der Würde und Beſtimmung der Bolk3-
ſchule, als Vorhofe der Kirche, ſtreiten und im Wider:
ſpruch ſtehen. Wo nicht gegeſſen noch getrunken wird,
no< auc< Speiſen zur Belohnung gereicht werden
da dürfen auch keine Schläge oder körperliche Strafen
Statt finden. So wie der Kirche nur das Schwert
des Geiſtes, das Wort Gottes, als einzige. Waffe zu-
ſteht, ſo ſcll auch in der Schule nur das Wört geltend
gemacht werden. Wo es nicht zureicht, wie wenn
etwa in eine junge Judasſeele der Satan führe, ſo
werde ſolcher, wie Judas, ausgeſchieden, oder wenn
körperliche Strafe nothwendig, ſo geſchehe ſie außer
der Schule.“ |--
S. 101 ff. derſelben Shrift ſage Krummacher:
„Die Sünden und Vergehungen der Schulkinder ſind
hauptſächlich folgende: Trägheit, Unaufmerkſamkeit,
Leichtſinn , Unreinlichkeit , Ungehorſam und Widerſpen:
ſtigkeit, Lüge und Diebereien. Die Keime aller dieſer
Unarten liegen in jedem Menſchenherzen , deſſen Dich-
ten von Jugend auf böſe iſt, jedoch werden ſie in eini:
gen dur; Gewöhnung , dur< Fleiſch und Blut, durh
Verziehung und Verführung mehr genährt und geför:
dert, als in andern. Aber dieſe Teufel , wenn ſie auch
ſchon herangewachſen ſind , werden nicht mit Gewalt
ausgetrieben , ſondern durc) Wachen und Beten des Leb-
rers, wie des Kindes. Der Grund und Boden, worauf
dieſes Unkraut wächſt , muß verändert, gereinigt, rajolt
und umgegraben werden. Schimpfreden, Entehrungen,
Schläge ſind hier nicht Pflug, Egge und Spaten,
ſondern ganz andere Züchtigungen und Heilmittel, aus
welchen die Liebe eben ſo hell hervorleuchtet, als der
Ernſt und die Geduld.“
Ja, ihr lieben Lehrer, hängt Geißel und Schwert
in euern Lehrzimmern auf, wenn ihr wollet, und ge
brauchet ſie, wenn ihr könnt, auch ſtellet eine große,
kunſtvoll geſchriebene Geſebtafel in eurer Schule auf,
das wird nichts fruchten, wenn ihr nicht dur weiſung den Willen der Jugend zu we>ken, zu leiten
und zu regieren wiſſet!
- Waßs hiernächſt den Artikel „Belohnungen“ betrifft,
der im Gebiete der gewöhnlichen Sculdisciplin man-
nigfaltige Darſtellungen erfährt, ſo ſei hier nur darauf
hingewieſen, daß die Sittlichkeit ſich ſelbſt belohnen
und der Zögling lernen muß, wie ſie ſich ſelbſt belohne
und keines weitern Flitterſtaats bedürfe. Auch belohnt
ſie ſich von ſelbſt an ihmz der ſittlichſte, fleißigſte-
geſchikteſte "Schüler iſt der geachtetſte , beliebteſte und
beglaubigtſte bei ſeinem Lehrer und bei feinen Schw“
gefährten.
Doch genug hiervon. Wir verweiſen hier auf den
in der pädag. Real-Encycl. befindlichen Art.: „Be“
ſtrafungen und Belohnungen“ und auf Beneke's
„Erziehungs: und Unterrichtslehre“ (2. Aufl.) 2. Bds.
S. 672 |f. Doch iſt dieſer Gegenſtand auch von an“
dern Pädagogikern älterer und neuerer Zeit in verſchie

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