„Impfen. == Induſtrieſchulen. .
als eine objective Zuſammenſtellung deſſen, was das
N. T. Über Jeſus enthält und lehrt. Erkennen wir
mit den Reformatoren die Offenbarungsurkunde als
die einzige Quelle und Norm des ſo müſſen wir, um vorwärts zu ſchreiten, zu ihr zu-
rüdkehren. Keine Zeit beweiſ?*t wohl ſo überzeugend
als die unſrige, daß wir uns um deſto weiter vom
Chriſtenthume entfernen, je weiter wir vom N.T. ab-
weichen, obwohl das nämliche dur< die ganze Kirc geſchichte beſtätigt wird. Cs gibt alſo nur das Di-
lemma, entweder das Chriſtenthum aufzugeben, oder
feſtzuhalten am N. T. Zu dieſem Zweke dient nun
am beſten eine von ſubjectiven Anſichten möglichſt freie
Darſtellung der neuteſtamentlichen Dogmatik und Mo-
ral, welche zwar auf Schwierigkeiten ſtößt, aber durch
gründliche und unbefangene Forſchung ihrem Ziele ſehr
nahe gebracht worden iſt. Wird ein treues Feſthalten
an der Lehre der Offenbarungskunde dem evangeliſchen
Prediger wichtige Dienſte leiſten, ſo iſt es noch viel noth-
wendiger dem Katecheten und Lehrer, weshalb wir die
vorſtehende rein neuteſtamentliche Chriſtologie als den
pädagogiſchen Zween angemeſſener, denn alle übrigen
uns bekannten, hier vollſtändig mitgetheilt haben. *.
Impfen (Impfung, Impfſchein). Eigentlich
ein mundartlicher AusdruE aus der Baumzucht für
pfropfen (einſeßen, einpflanzen) 3 in der Arzneikunde
eine Menſchen gewöhnlich ein kleiner Schnitt in die Haut
gemacht wird, um das Gift von Kuhpo&en hinein zu
thun. Die daräus entſtehenden Kuhpo>en zerſtören,
wenn die Kur gelingt, den im Menſchen liegenden
Krankheitsſtoff der bösartigen Blattern , und ſchüben
alſo vor dieſer verderblichen, peſtartigen Krankheit. In
den meiſten europäiſchen Staaten iſt die Impfung
obrigkeitlich angeordnet, und in einigen, namentlich in
Baiern, wird ſogar ein obrigkeitlich ausgeſtellter Im-
pfungsſc Scule zur Bedingung gemacht 3 indeſſen herrſcht in
manchen Gegenden bei den niedern Claſſen ein Vor-
Urtheil dagegen , weil bei Vernachläſſigung der durch
Impfung entſtandenen Kuhpo>ken die Kur nic manchmal ganz fehlſchlägt , ſondern auch zuweilen die
Kinder in Siechthum verfallen. In ſolc es Pflicht , auch der Lehrer , Eltern mit dem Weſen
der ſogenannten ſchwarzen Blattern und der Kuhpo>en
bekannt zu machen , und ſie über die Vortheile der
Impfung , ſowie über die Nachtheile der Vernac gung bei der Kur zu belehren. =- Der Erfinder des
Impfens iſt ein engliſcher Arzt, Dr. Cduard Jenner.
Er gab die erſte Schrift darüber im J. 1798 herausz
am 14. Mai 1796 nahm er die erſte Impfung vor.
Eine zweite Schrift erſchien von ihm 4799, worauf
ſich die Entde&ung mit reißender Schnelligkeit in allen
eiviliſirten Staaten diſſeits und jenſeits des atlantiſchen
Oceans verbreitete. Jenner ſtarb den 26. Jan. 1823..
Nach einer amtlichen Angabe hat der Scullehrer
Plett zu Stoendorf bei Kiel, den Nuten der Kuh-.
po>en gekannt, und 4794 zu Haſſelburg. mit Erfolg.
die Impfung an drei Kindern vorgenommen. Die
meiſten Urheber großer EntdeFXungen haben Neben--
buhler.
Präaſervativ- gegen die Blattern bekannt geweſen ſind.
| *
Indeſſen finden ſic) Spuren, daß unter dem.
Landvolk“: hier und da die Kuhpo>ken ſchon lange als-
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Individualität. Die ganze Art eines Indi-
vidnums oder Cinzelweſens zu ſein. Die Menſchen
ſind geiſtig ebenſo verſchieden, als ſie es körperlich ſind.
Eine der erſten Aufgaben eines Lehrers muß daher ſein,
die Art eines jeden ſeiner Schüler zu erforſchen , und
die Behandlung deſſelben danach zu richten 3; er muß
aber auch darauf ſehen, daß die Einzelartigkeit ſich nicht
einſeitig ausbildet, wodur<;g Sonderlinge entſtehen,
ſondern vielmehr dahin trachten, daß jeder Schüler von
ſeiner Eigenthümlichkeit ſo viel aufgiebt , als zur harz
moniſchen Uebereinſtimmung mit der Mehrbeit der
menſchlichen Geſellſchaft nothwendig iſt. Cs ijt cin
Nachtheil der Privaterziehung , daß ſie das Weſen des
Einzelnen zu ſehr gewähren läßt und laſſen muß , und
dagegen ein Vortheil der öffentlichen Schulen , daß
Individualität darin abgeſchliffen und zum ſecialen
Verkehr vorbereitet wird. Auch muß ſich der Lehrer
hüten , den Schülern nicht zu ſehr ſeine eigene Indi-
vidualität mittheilen zu wollen. .
Induction. Vorführung jedes einzelnen Fal-
les, von welchem eine Wahrheit gilt, um daraus cine
allgemeine Wahrheit abzuleiten. Wenn cs blos darauf
ankommt , die klare Crkenntniß einer Wahrheit zu
erwe&en, ohne den ſtrengen logiſchen Beweis davon zu
liefern , reicht es hin , nur einige einzelne Falle aufzu-
führen , von denen das Beabſichtigte abſtrahirt werden
kann. Wenn z. B. der Lehrer klar machen wollte,
daß nicht Jeder befugt iſt, über Staatsangelegenheiten
zu ſprechen, ſondern nur derjenige, welcher Staatskunſt
oder Politik ſtudirt hat, =- könnte er auf folgende
Weiſe verfahren : Kann Jeder Schuhe machen 2 --“+
Nein! --- Wer kann es2 --- Der s gelernt hat. --
Kann Zeder Kleider machen? --- Nein, auc der ?8 gelernt hat. =- Alſo wird man wohl überhaupt
Alles , was ſo ſchwer iſt, als Schuhe und Kleider
machen, oder noch ſchwerer, erſt lernen müſſen, bevor
man's machen kann? -- Natürlich! =- Was iſt ſchwe-
rer, Schuhe machen oder über Staatsangelegenbeiten
urtheilen ? --- Das Lektere, =“-“ Was folgt alſo dar-
aus ? =- Daß man lernen muß, über Staatsangelegen-
heiten zu reden, bevor mamw's thut. =- .„
Induſtrieſchulen. Induſtrie iſt die Thätig-
Feit, welche Kenntniſſe anwendet und Geſchilichkeiten
ausübt, um Gegenſtände des- eigentlichen Handels her-
vorzubringen und in Umlauf zu ſeen. JInduſtriells
heißen diejenigen, die irgend einen Zweig der Induſtrie
betreiben, hauptſächlich Kaufleute, Fabrikantenz Land» -
wirthe werden nicht dazu gerechnet , auc< Handwerker
gewöhnlich nicht, weil ſie ihre Arbeiten nicht in Handel
geben, ſondern unmittelbar verkaufen. Schulen, worin
diejenigen Kenntniſſe gelehrt werden, welche der
Induſtrielle nöthig hat, heißen Induſtrieſchulen.
Neuere Sprachen und Naturwiſſenſchaften (Phyſik,
Chemie) gehören zu den Hauptbeſtandtheilen des Unter:
richts in Handelsſhulen.. Früher: nannte: man auch
Schulen ſo, worin arme Kinder außer dem: gewöhnli-
auch wohl ſchon während der Schulzeit augsüben ſollen,
um ſie an Arbeit“ und Gelderwerb zu. gewöhnen z ſolche
Anſtalten werden jebt gewöhnlich Armenſchulen oder
Erwerbſchulen genannt... Harniſc Scriften viel Beherzigenswerthes. über dergleichen Inz
ſtitute, welche zur Armenpflege gehören, und deshalb
auch an. manchen Orten von Staatswegen- gegründet.

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