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bunden. In Krankheitsfällen tritt unentgeltliche Ver-
pflegung und ärztliche Behandlung hinzu. Auf die
bei einem Seminar befindlichen Stipentien und Frei:
tiſche können nur ſolche Zöglinge Anſpruch) machen,
welche ihre Hilfsbedürftigkeit nachgewieſen und durch
Fleiß und gutes Betragen ſich der Berüſichtigung
würdig gemacht haben. (S. die proviſoriſche Schul-
lehrer -Seminarien- Ordnung v. 13. Mai 1840 68. 7
bis 9.)
Für die Unkerſtüßbung der Schulamtszöglinge
ſcheint in Würtemberg am meiſten gethan zu ſein.
Dort ſind auc: die Beſtimmungen Über“Vertheilung
der Stipendien am ausführlichſten und geordnetſten.
Vergl. d. Erlaß d. ev. Conſiſtoriums, betr. die Erfor-
derniſſe zur Aufnahme in das ev. Scullehrer-Semi-
nar (zu Eßlingen) v. 12. Juli 1825 und Beſtim-
mungen für die Vertheilung der Stipendien am
Schullehrer - Seminar zu Eßlingen in Folge Miniſt.-
Erlaſſes v. 17/19 Januar 1825 --- mitgetheilt in
M. Th. Eiſenlohr's Sammlung d. Würtemb. Schul-
geſeße. Tübingen 1839. Abth. 1. S. 476. --- Dort
werden 32 Zöglinge unterſtüßt, von welchen die 10
Bedürftigſten 3 Jahre lang ein Stipendium von je
50 Fl. jährlich erhalten 3 die 10 nächſtfolgenden 2 I.
lang, nämlich je im 2. oder 3. Jähre ihres Aufent-
halts jährl. ein Stipendium v. 30 Fl., und von den
12 leßten im 3. Jahre ihres Aufenthal:s 10 je ein
Stipendium v. 50 Fl. und 2 je ein Stipendium v.
40 Fl. -- Ueberdies werden 3 Hohenloher Zöglinge,
jeder mit 100 Fl. unterſtüßt, und ein Bürgersſo9n
der Stadt Hall ebenfalls mit 100 Fl. -- Für jüdiſche
Zöglinge beſtehen 3 Stipendien, jedes jährl. zu 80 Fl.
-- Ein Zögling, wel nach derſelben vor Erfüllung einer Sjährigen Dienſt-
zeit als Schulmeiſter willkürlich ſeinen Beruf verläßt
oder dem vaterländiſchen Schuldienſte ſich entzieht, oder
wegen Unwürdigkeit zum Schulamte für unfähig er-
klärt wird, hat den Werth der genoſſenen Un-
terſtüßungen zu erſetzen. (Geſeß v. 29. Septbr.
1836. Art. 45.) -
Den Stipendien gieich zu achten ſind die Prä-
mien, welche an ſol werden, die ſich auf irgend eine Art ausgezeichnet
haben. Eine derartige Stiftung iſt z. B. die von
Ammon?ſ Stiftungsurkunde man abgedrut findet in
Dr. Chr. Fr. de Ammon Instituti de Ammoniani theo-
Jogici et paedagogici Civium bene sibi faventium mu-
nißcentia annuis brabeis ornati Fundationem Regia au-
doritate confirmatam indicit etc. Dresd. 1836. (pag.
15 3qq.)
Bon den 80 Thalern, welche aus dieſer Stiftung
jährlich vertheilt werden, wird die Hälfte zu Prämien
für vier gelungene Ausarbeitungen im Gebiete des Lehr-
fachs verwendet. Doch ſind zu den Bewerbungen um
die Prämien für die pädagogiſchen Ausarbeicungen le-
diglich Zöglinge des zu Friedrichſtadt-Dresden beſteben-
den Schullehrer - Seminars berufen.
Ueber Mißbrauch der Sulſtipendien ſpricht ſich
Dr. A. H. Niemeyer (Grundſätße d. Erziehung u. d.
Unterr. 27c. Th. UU. S. 748 ff.) aus:
„Indeß das unbemerkte, ſchüchterne, einer einfluß-
reihen Empfehlung ermangelnde Talent kümmerlich
ſein Brot ſucht, und vielleicht der Wiſſenſchaft verlo-
ren geht, wendet die planloſe, einſeitige, parteiiſche
Stipendien, --- Streithorſt. -- Strenge.
Vertheilung ſie (die Stipendien) vielleicht denen zu
die ſie eben ſo wenig verdienen, als ihrer bedürfen.
Orzer die bloße Armuth reicht zur Cmpfehlung hin,
und es wird gar nicht bedacht, daß die verſtändigen
Stifter ſolcher Stipendien nicht ſowohl die Zahl
der Studirenden vermehren, als vielmehr die aller eig:
nen Hilfsmittel entblößten . fähigen Köpfe durch ſie
aufmuntern und zu ihrer Ausbildung mitwirken woll-
ten.“ -- „Bei Vertheilung der Schulſtipendien follte
billig eine gewiſſenhafte Commiſſion darüber beſtim-
men, wer ſich durch Fähigkeit, Fleiß und Sitten der
Beförderung ſeines Studirens würdig mache. Eine
eben ſo gewiſſenhafte Obrigkeit müßte den Vermögens-
zuſtand der Aeltern unterſuchen. Die Stipendienver-
theilung müßte endlich unbeſchränkte Publicität be-
kommen. Che dies nicht allgemeine Regel wird , ſo
werden ferner, wie- bisher, eine Menge unwürdiger
Menſchen, die einflußreiche Väter oder vornehme Gön:
ner und Gönnerinnen haben, in dem Beſike der Sti-
pendien und Beneficien bleiben.“
Beachtenswerch ijt auc<, was Schleiermacher
in der Schrift über Univerſitäten (S,. 91) darüber
ſagt. (S. Nicmeyer a. a. O.)
| . K--ſ<.
Strafen ſ. Belohnungen.
Streithorſt (Joh. Werner), Königl, Preuß.
C.-N. und Oberdomprediger zu Halberſtadt 3 er ward
am 18. Mai 1746 zu Wernigerode geboren und ſtarb
am 17. Februar 1800 zu Halberſtadt. Str. hat ſich
um die Lantſchulen des Halberſtädtiſchen Domcapitels
große Verdienſte erworben. Von entſchieden wohlthä-
tigem Cinfluſſe auf das von dem Domcapitel 4776
geſtifrete Lantſchullehrerſeminar war die von ihm im
3. 1786 unternommene Reiſe zu dem Domherrn von
Rochow auf Rekan und nach Deſſau:
Unter ſeinen Schriften ſind auch jeßt noch beach:
tenswerth ſeine „Pſychologiſchen Vorleſungen“ vom IJ.
1787 und ſeine Volksſchrift : „David Claus, welche
zu ihrer Zeit faſt in allen guten Häuſern zu finden
war und von Jungen und Alten mit Vergnügen gze-
leſen ward. Halberſtadt, 1798. 2. Aufl. -- Eine
ausführliche Biographie des verdienten Mannes befin:
det ſich in Schlichtegrolls Nekrolog auf das I. 1800
Bd. 1. mit einem Nachtrage: „Himly Über Streits
horſt.
Strenge. Wenn von Liebe und Strenge
bei der Erziehung ein weiſer Gebrauch gemacht werden
ſoll, ſo ſcheinen ſich deide als unvereinbarliche Gegen“
ſäße darzuſtellen und ſich gegenſeitig auszuſchließen.
Man ſollte nämlich meinen, daß da, wo Strenge ge?
handhabt wird, niht auch Liebe walten könne.
Gleichwohl fordert eine gute Erziehung eine weiſe An“
wendung Beider, wenn der Zwe> erreicht werden ſoll.
Wir ſtoßen bei der Erziehung auf Kinder , die ſich,
vermöge ihres ſtörrigen, hartnä>igen und unbiegſamen
Willens, der ſich durch Troß, Widerſpenſtigkeit, Un“
folgſamkeit hinlänglich "zu erkennen giebt, Allem ent“
gegenſeßen, was Lehrer und Erzieher von ihnen for“
dern, während der Wille Anderer lenks und leicht bieg:*
ſam erſcheint. Daß beide Arten von Kindern nach
den verſchiedenen Willen8äußerungen behandelt werden
müſſen , daß dem ſtörrigen, hartnä>igen und unbieg*
ſamen Willen Ernſt und nach Ermeſſen Strenge eni“
gegengeſeßt werden müſſe, während der leicht biegſam?

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