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Strenge.
Mille eine ſtrenge Behandlung von ſich weiſ't und
durc< freundliche Behandlung ſich nach der Abſicht des
Erziehers lenken und leiten läßt : das iſt wohl Je-
dem einleuchtend. Wer in Hinſicht der Bebandlung
feinen Unterſchied gelten laſſen wollte, wer alle ſeine
Zöglinge ohne Ausnahme mit Strenge oder Liebe erzie-
hen wollte, würde Nachtheile herbeiführen, an die er
nicht gedacht, oder die er gar nicht erwartet hat.
Dieſer Aufſab ſoll es zeigen, welche Nachtheile uns-
fehlbar entſtehen müſſen, wenn der Erzieher in den
Fehler zu großer Strenge oder zu großer Nachſicht bei
der Erziehung verfällt.
Der Lchrer und Erzieher ſoll = dies iſt eine der
erſten Hauptbedingungen =- ſein Geſchäft mit Liebe
treiben. Liebe ſoll die Triebfeder ſein, die das ganze
Erziehungsgeſchäft in Bewegung ſeßt. Die Liebe iſt
es, welche ihm die Herzen der Kinder zuwendet ; ſie iſt
es, welche ihm das ſchwere Geſchäft erleichtert. Dem
Lehrer ſoll immerdar das Wort des größten Lehrmei-
ſters vor der Seele ſchweben : „Laſſet die Kindlein zu
mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ſolcher iſt
das Reich Gottes.“ Dem Lehrer und Erzieher, dem
die Kinder ein liebevolles Weſen abmerken, den liebcn,
ac firengen hingegen fürchten und haſſen ſie. Der Leh-
rer, der nie vergißt, daß auch die Liebe, welche bei der
Erziehung walten ſoll, ihre Grenzen haben müſſ?, der
Fehler und Vergehungen, aus Liebe zu den Kindern,
niht für fröhliche Ausbrüche jugendlicher Freude,
Munterkeit oder heiteren Temperamentes anſieht, ſon-
dirn zur rechten Zeit den erforderliczen Ernſt eintreten
läßt, wird auch die Nachtheile nicht entſtehen ſchen,
die ehne den weiſen Wechſel von Liebe und Strenge
entſpringen müſſen. Duldet z. B. der Lehrer beim
Eintritt der Kinder in die Schule lärmendes Geräuſch,
ſo wird er auch während des ganzen Unterrichts ver-
gebens mit dieſem Fehler kämpfen, und ſeine Kinder
werden auf dem Wege nach Hauſe toben. Offenbar
würde man es zu große Nachſicht nennen müſſen,
wenn der Lehrer zu ſolchem lärmenden Geräuſche
ſchweigen, wenn er es dulden und keine Notiz davon
nehmen wollte. Das Toben und Lärmen auf der
Straße, zum Acrger der Erwachſenen, iſt der Nach-
theil, den die Duldung dieſes Fehlers erzeugt. Wenn
der Lehrer beim Unterrichte, den er ertheilt, Plaude-
reien oder andere Ungezogenheiten geſtattet, ſo werden
die Kinder im Leben ſich nie daran gewöhnen, ibre
Gedanken auf einen Punct zu heften, ſie werden zu
keinem ernſten Geſchäfte fähig, weil fie immerwährend
zerſtreut ſind. Was kann man aber mit Menſchen
anfangen, die nicht an Aufmerken gewohnt ſind ? Die-
ſer Nachtheil iſt noch größer als der vorige. Iſt er
ferner zu nachſichtig bei der Anfertigung der Aufgaben,
ſieht er gleichgiltig darüber hin, die Kinder mögen ar-
beiten, wie und was ſie wollen, ſo werden ſie an Un-
ordnung gewöhnt, --- ein Fehler, der ſich ſpäter nim-
mer ganz vertilgen läßt. Cben ſo reißt äußere, gleich
auf den erſten Bli>. erkennbare Unordnung unter
ihnen ein, wenn der Lehrer nicht von Zeit zu Zeit
ihren Anzug muſtert, wenn er ihnen geſtattet, vor ihm
zu erſcheinen, wie ſie wollen. Das plumpe, linkiſche
Betragen ſo vieler Erwachſenen , das ſie im Umgange
mit Ändern“ deutlich offenbaren , hat ſeinen Grund =--
wenigſtens bei Vielen = in einer aus dem Auge ge-
>
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laſſenen Anleitung, welche ihnen in der Schule (odder
auch im Hauſe) über dieſen Punct hätte gegeben wer-
den ſollen. Alle dieſe genannten Fehler überſicht der-
jenige Lehrer, welchen die Liebe zu ſeinen Kindern
blind macht. Iſt ein ſolcher Lehrer auch ein gut un-
terrichtender , ſo iſt er doch ausgemacht ein ſchlecht ers
zichender. Läßt er vollends Unwahrheiten, Veruntreu-
ungen u. ſ. w. aus Liebe zu den Kindern ungeahndet
hingehen, ſo kann er bei allem guten Willen die Ur-
ſache werden, daß viele ſeiner Schüler ſpäter auf die
ſchrelichſten Abwege gerathen. Vicle Erwachſene,
die ſich ihrer Schuljahre erinnern, rühmen ihren längſt
im Grabe ſchlummernden Lehrer als einen braven
Mann, ſeßen aber oft hinzu : er war nur zu gelind!
Die reifenden Jünglinge auf den höhern Unterrichts-
anſtalten liefern den ſprechenden Beweis, daß da, wo
die Aufſicht ſchlaff iſt, gewöhnlich Anmaßung einreißt,
die, wie die neueſte Zeitgeſchichte klar darthut, zu au-
ßerordentlichen Maßregeln nöthigt. Es iſt ausge-
macht, zu große Nachſicht iſt weit nachtheiliger, als zu
große Strenge. Daß damit nicht geſagt ſein ſoll, als
wenn wir von dem Erzieher die Anwendung imponi-
render Streng Fhmigien , verſicht ſich von ſelbſt ; denn
auch dieſe “AMMMWPe Nachtheile herbeiführen, wie
is Rich zu beweiſen ſuchen wollen.



den, fliehen den Menſchen und den Ort, von welchem
ſie eine ſolche Behandlung “fürchten. Bei Handha-
bung großer Strenge wird der Zwe> der Erziehung
ebenfalls nicht erreicht. Denn Kinder, welche ſich
immerwährend in dem peinigenden Zuſtande der Furcht
befinden , ken und ſehen oft nicht aus Furcht. Sie
ſind ſich 8 Thuns und Handelns oft gar nicht be-
- wußtz ſie unterlaſſen Vieles, weil ſie fürchten, nichts
recht zu machen. Auch werden ſie verſchloſſen, ſehr
einſylbig, was dann der Erzieher oft fälſchlich für Troß
zu halten geneigt iſt. Sie erlauben ſich keine Frage
an den Lehrer, bleiben daher oft in Ungewißheit, im
Tall der Leiztere nicht ſelbſt helfend zur Seite ſteht.
Bei den Unterredungen, welche mit ihnen gehalten
werden, müht ſich der Lehrer oft vergebens ab, ſie an
Offenheit zu gewöonen, ſie bleiben verſchloſſen. Da-
her kommt er ſelica zu der Ueberzeugung, ob ſie einen
Begriff, den er ihnen faßlich genug vortrug, auch
wohl verſtanden haben. No< uubeholfener benehmen
ſich die Kinder eines zu ſtrengen Lehrers gegen den
Schulinſpector, dem es oft gar nicht gelingen will,
ihnen eine Antwort abzuloken, und der dann natürlich
auf den Gedanken geräth, als ſeien die Kinder ver-
nachläſſigt worden. Doch nicht allein im Bezug auf
ihre Geiſtesbildung erzeugt zu große Strenge die ſoeben
beſprochenen Nachtheile, ſondern die Folgen einer zu
ſtrengen Erziehung offenbaren ſich auch ſpäter im Um-
gange mit andern Menſchen. Streng erzogene Kin-
der behandeln als Erwachſene nicht allein ihre eigenen
Kinder in der Regel ſtreng, ſondern ſie beſtehen. auc>k
in: den Verbindungen mit Andern auf ihr Recht und
laſſen keine Billigkeit und Schonung gelten. Nicht
ſelten werden ſie hartherzig, und taub gegen die Bike
ten und Klagen ihrer Nebenmenſchen, verſchließen ih-
nen ihr Herz, in welchem die Menſchenliebe keine.
Wohnung aufgeſchlagen hat.
(Es iſt nicht leicht, bei der Erziehung immer die

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