72 Informator. == Inſcripticnsbücher
und unterſtüßt worden ſmd. (Vgl. Landwirthſchaft:
liche Armenerziehungsanſtalten.) *
Informator, Hauslehrer, Hofmeiſter, Privat-
lehrer ſind keine gleicke. Ein Hof-
meiſter, gouverneur, gibf nicht blos Unterricht, ſon-
dern iſt hauptſächlich Erzieher. Cin Hausleh-
rer iſt ein Lehrer, der ins Haus genommen wor-
den iſt, um im Haufe Unterricht zu ertheilen , und
um ſich lediglih dem Unterricht der Kinder im
Hauſe zu widmen (inastitüteur). Cin Privatlehrer
(maitre) iſt ein Lehrer, der Privatperſonen in einer
Privatwohnung Unterricht ertheilt. Informator iſt
ein veralteter Ausdru> und heißt ſo viel als Hausleh-
rer. Er beſchäftigt ſic) mit Unterricht und Aufſicht
der Kinder des Hauſes, in welches er aufgenommen
worden iſt, die Erziehung wird aker hauptſächlich
von Eltern, Anverwandten und Vormündern beſorgt.
Hauslehrerſtellen werden gewöhnlich von Candidaten
der Theologie verſehen, und haben für dieſelben nicht
nur den Vortheil einer Verſorgung, ſondern auch den
Nuten, daß ſie ſim in der Katechetik üben und mit
der Pädagogik bekannt machen können , was für jeden
Seelſorger unerläßlich it. Der Beruf eines Hausleh»
rerxrs hat freilich mit dem eines öffentlichen Lehrers
vieles gemein, doch hat derſelbe auch manches Eigen:
thümliche, welches aus der Steilung des Hauslehrers
und der Verſchiedenheit des Privatunterrichts und 6f-
fentlichen Unterrichts hervorgeht. Er iſt nicht blos
Lehrer, ſondern eine Art von Familienmitglied, man
erwartet von ſeiner Bildung und feinen Talenten nicht
blos Nübliches, ſondern auch Unterhaltendes. Ohne
angenehmes Aeußere, geſeliſchaftliches Talent, Lebens-
art und guten Ton wird weder ein Hauslehrer noch
Hofmeiſter großes Glü& machen, und es iſt daher un-
ſern jungen proteſtantiſchen Theologen um ſo mehr zu
rathen, auch die Außenſeite zu cultiviren, als die jun-
gen katholiſchen Geiſtlichen meiſtens recht angenehm
und würdevoll ſich zn repräſentiren verſtehen. Nichts
empfiehlt mehr als muſikaliſche Geſchiklichkeiten 3 Tanz
trägt nicht blos zur Unterhaltung bei, ſondern gibt
dem Körper Haltung und den Bewegungen Anmuth;z
an der Aufführung eines kleinen Dramas theilzuneh-
men, übt nicht blos das Gedächtniß, ſondern leitet
auch auf nothwendige Geſchilichkeiten beim öffentii-
Hen und mündlichen Vortrag, iſt alſo eine ſchr gute
Vorſchule für Prediger, wie die berühmteſten Kanzel-
redner anerkannt haben. Das Aeußere allein macht's
freilich nicht; dies erhält erſt Werth und tritt erſt an-
genehm hervor durch innere Tugenden. Offenheit und
Veſcheidenheit, doch ohne Grobheit und Demüthigkeit,
Sanftmuth und Verträglichkeit ohne Unterwürfigkeit
„und Unterthänigkeit, cin edles Selbſtbewußtſein und
getroſter Muth, aber ohne Anmaßlichkeit und Uebermuth,
Fleiß und Thätigkeit ohne Stubenho>erei und Ueber-
maß im Studiren, Gewiſſenhaftigkeit und Treue ohne
Pedanterie und ſclaviſche Hingebung zieren jeden Men-
ſchen, ſind aber dem Hauslehrer unerläßlich. Das Kind,
welches in eine öffentliche Schule geht, ſieht und hört
verſchiedene Lehrer , und hat die Auswahl von jedem
das Beſte nachzuahmenz; beim häuslichen Unterrichte
iſt aber der Dauslehrer das einzige Muſter, und um
ſo wichtiger ijt es, daß er auch in jeder Hinſicht mu-
ſterhaft ſich benimmt. Der jüngere Plinius , deſſen
ehrenwerther Character in jeder Zeile Zervorleuchtet,
ſchreibt an eine römiſche Dame, welche ihn wegen ihres
Sohnes um Nath fragt: ,,Jc< bin in Zweifel, oh ich
Deinen Vater als den würdevollſten Mann und einen
wahren Heiligen mehr hochgeachtet als geliebt habez ich
bin Dir als Freund theils wegen ſeines Andenkens
theils auch aus Achtung vor Dir innig ergeben, und es
muß mir alfo daran liegen, und ich werde auch, ſoweit
es in meincn Kräften ſteht, zu bewirken ſtreben, daß
Dein Sohn ſeinem Großvater gleich wird. == =
Das iſt aber nur dann möglich, wenn cr mit den edeln
Wiſſenſchaften durch und durch vertraut gemacht wird,
bei welchen es am meiſten darauf ankommt, von wem
am liebſten er darin Unterricht erhält. == =“-“ I< glaube
Dir den Juiius Genitor als Lehrer empfehlen zu“ ken-
nen. Er iſt ein tadelloſer und würdiger Mann, viel-
leicht ſelbjt etwas zu ſchroff und ſtreng für die Unge-
bundenheit des jeßigen Welttons. Was er als Red-
ner leiſtet, darin kannſt Du der öffentlichen Stim-
me vollkommen Glauben ſchenken. (Aber) das Leben
eines Menſchen hat viele dunkle Stellen und geheime
Tiefenz in dieſer Beziehung verbürge ich mich für Ge-
nitor. Von dieſem Manne wird Dein Schn nichts
hören (und ſehen) als Nüßlichesz er wird nichts von
ihm lernen, was ihm nicht nicht beſſer unbekannt ge:
blieben wäre. = Vertraue ihn alſo, unter dem Bei-
ſtand göttlicher Gnade, einem Lehrer an, von welchem
er vor allen Dingen zu einem ſittlich - reinen Menſchen,
ſodann zu einem guten Redner herangebildet wird, was
ohn? Moralität nicht wohl möglich iſt.““ =- Dieſe
Stelle (Plinü Epp. 111, 3.) ſcheint uns viel Belehrei-
des ſowohl für Eltern, als für angehende Hauglehrer
zu enthalten und zeigt zugleich, daß der beſie Weg eine
gute Hauslehrerſtelie zu erlangen, die Empfehlung
eines ſittlich -reinen, geachteten Mannes iſt. -- In
Bezug auf Unterricht in einzelnen Fächern wird ein
Hauslehrer meiſt dieſelben Regeln zu befolzen haben,
die auch in öffentlihen Schulen angewendet werden,
jedod) hat der Privatuntericht manches Eigenthüm-
liche, weshalb wir auf dieſen Artikel verweiſen. E38
iſt ein älteres Werk hierüber vorhanden: „Dr. Anton
Friedrich Büſchings Unterricht für Informa-
toren und Hofmeiſter. Ausg. 2. Hamburg, 1794.“
welches zwar in vieler Beziehung veraitet iſt, aber doch
no< manche ſehr gute Winke enthält, und auf jeden
Fall mit Nußen von angehenden Hauslehrern geleſen
werden wird. Cine neuere Bearbeitung dieſes Gec
genſtandes ware ſehr zu wünſchen. -
Inſcriptionsbücher (Einſchreibebücher). Bür-
die periodiſch erneuert werden müſſen bei Abgang von
Schülern und bei Aufnahme neuer, und bei Verſekung
aus einer Claſſe in die andere. Ein ſolc niß wird am beſten nach den Schulclaſſen geführt z
in jeder Schulclaſſe werden die Schüler nach der Ord»
nung aufgeführt, welche ſie nach einer Hauptprüfung
erhalten haben. Um bei Inſpectionen und öffentlichen
Prüfungen Vorgeſesten und Eltern zur Ueberſicht und
zum Anhaltepunct für ein zu bildendes Urtheil zu
dienen, kann das Verzeichniß in Fächer eingetheilt wer:
den, wovon das erſte die Namen der Schüler genau
und vollſtändig mit fortlaufender Nummer, das zweite
den Namen, Stand, Wohnort der Eltern, das dritte
auf den Grund beizubringender Tanfzeugniſſe den Ge-
baurtstag des Schülers, das vierte ſeine Aufnahme? in
4". B 24.0. 22 dA. an 4m am 20

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