- AInſtanz. =- Jünſtitut.
die Schule angeben kann. In einem fünften Fache
mögen die Schulverſäumniſſe von einem abgelaufenen
Semeſter oder Schuljahre verzeichnet ſiehen. Andere
Fächer mögen ſich über die Kenntniſſe und Fort-
ſchritte des Schülers, ſteinen Fleiß, ſein ſittliches
Betragen, die Geſchichte ſeines Schullebens
ausſprechen ; und endlich kann noch ein Fach zu beſon-
dern Bemerkungen gemacht werdeu, wozu der eine oder
andere von den Schülern durch “ſeine Judividualitat
Veranlaſſung gibt. Sollen ſolche Verzeichniſſe genau
fein, wodurch fie einzig Werth erlangen können, ſo
ſeen ſie genaue Monatszeugniſſe oder Monatscenſuren
voraus; worin die Fortſchritte und der Fleiß des Schü-
ſers in jedem Fach, ſein Cifer im Schulbeſuch , ſein
Betragen fortwährend gewiſſenhaft bemerkt, überwacht
und ſeinen Angehörigen mitgetheilt werden müſſen.
Auf den Grund ſolher Zeugniſſe werden dann nach
Abläuf einer Schulperiode die Inſcriptionsbücher aus-
gearbeitet, Sie find ein nothwendiges Hilfsmittel
einer geſchiten Schulverwaltung und tüchtigen Schul-
disciplin, und dürfen als ſolches keineswegs vernach-
käſſigt werden. Auch dem Schüler: dienen ſie zur Auf-
munterung, wenn er ſieht, daß ſie mit Genauigkeit
und gerechtem Sinne geführt werden. .
Infſtartz. Eine vereinſelte Erfahrung, welche
niht aus andern ſich erklären läßt, daher einer aus
mehren andern Erfahrungen abgeleiteten Wahrheit wi-
derſprechen kannz in lehterem Falle iſt eine Inſtanz
eine Art .von Objektion oder Einwurf. .
+“ Fnſtitut (im Franzöſiſchen verlangen die Gram
matiken, daß inztitution gebraucht wird, jedoch hört
man öfter institut). Dies Wort wird in doppeltem
Sinne gebraucht, wenn wir von einem polytechni-
ſchen Inſtitut, einem kameraliſtiſchen Inſtitut,
dann wieder von dem Peſtalobi'ſchen Inſtitut,
einen: Töchterinſtitut u. d. reden. In erſterem
Sinne iſt es eine höhere Unterrichtsanſtalt, welche die
Aufgabe hat dem Unterrichte eines einzigen Faches aus-
ſchließend, umfaſſend und in möglichſter Vollkommen-
heit ſich zu widmen, z. B. der Forſtwiſſenſchaft, dem
Bergbau, während eine Univerſität eine allgemeine An-
ſtalt iſt. Jn lekterem Sinne iſt ein Inſtitut eine An-
ſtalt, welche für das geiſtige und leibliche Wohl ihrer
Zöglinge ſorgt, die Vortheile der häuslichen Erziehung
mit denen des öffentlichen Schulunterrichts zu vereini-
gen ſucht, und ebendeßhalb auch nur von Privatperſo-
nen unternommen werden kann. Cs ſind alſo Privat«-
erziehungsanſtalten, was jedoch nicht ausſchließt, daß
der Staat durch Unterſtübung daran theilnimmt, enn
es dem Staatsintereſſe angemeſſen iſt. In dieſer Er-
klärung liegt auch der Unterſchied der Inſtitute von den
öffentlichen Unterrichtsanſtalten. Die lebteren ſind
Staatsanſtalten und ihr Hauptzwek iſt Unterricht.
Der Grundgedanke liegt allerdings ſchon in den
Kloſterſchulen und Stiftsſchulen der katholiſchen Kirche,
allein Unterricht und Erziehung verfolgten darin den
einſeitigen Zwe&, Geiſtliche zu bilden, und wenn dies
auch nicht geradezu ausgeſprochen war, wie in.den An-
ſtalten des Benediktinerordens, ſo lag es do in der
Mangelhaftigkeit der Bildung der Mönche und Non-
nen, daß ihre Anſtalten ſich nicht von Einſeitigkeit los-
machen konnten. Von dieſen Feſſeln wurde die Ju-
gend dur< die Reformation befreit, welche an die
Stelle des mönchiſchen Unterri Pv
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ſebte. Indeſſen war dadurc& unmittelbar doch nur .
der Unterricht reformirt, was beſonders in den aus den
Kloſterſchulen entſtandenen Fürſtenſ bemerklich wurde (Pforta, Grimma, Meißen) , worin
neben beſſerem Unterrichte nicht auch eine beſſere Erziee
hung, ſondern die alte, vielleicht nur ſchlaffere Kloſter«
zucht ſichtbar wurde. Als daher die Jeſuiten auftras
ten, um den Proteſtantiemus durch Moderniſirung des
Katholicismus zu vernichten, war es ein ſehr erleuch«
teter Gedanke von ihnen, ein pädagogiſches Syſtem
aufzuſtellen , nach welchem nicht blos der Unterricht rts
formirt erſchiene, ſondern die Kloſterzucht in eine wahre
Erziehung umgewandelt würde. Den Stiftern des Jos
ſuitiösmus war es jedenfalls Ernſt um eine Verbeſſee
rung der Jugendbildung, aber der Geiſteszwang der
katholiſchen Kirche machte ihnen die vollſtändige Erreis«
es unmöglich. Sie nahmen zwar
der äußeren Form nach das Unterrichtsſyſtem der Rec
formatoren an, und gründeten ſc richt auf dit Klaſſicität, im Grunde genommen blieb
es aber der alte Geiſteszwang der katholiſchen Kirche,
nur moderniſirk und neu angeſtrichen. Freiere. Hand
hatten ſie in Bezug auf Erziehung, namentlich körpers
liche Pflege, Gymmaſtik u. d. und darin haben ſie auch
etwas Ausgezeichnetes geleiſtet (vgl. Jeſuiten). Dit
Jeſuiten ſtifteten alſo, was wir Inſtitute nennen,
nur daß ihre Anſtalten die einſeitige Geiſtesrictung der
katholiſchen Kirche mit einer eiſernen Conſequenz, aber
weltlicher Geſchmeidigkeit verfolgen. Wer nicht in
das Innere der Sache eingeht, wird zwiſchen.den
Penſionaten oder Erziehungsanſtalten der Jeſuiten zu
Sryburg in der Schweiz und den übrigen Schweizer»
Inſtituten äußerlich nicht rur keinen Unterſchied fin»
den, ſondern ſogar zugeſtehen müſſen, daß nur wenig
d.7gleichen Anſtalten es mit denen der Jeſuiten in Be»
zug auf Reichthum der Mittel, elegente, freundliche und
moderne Ausſtattung, in Bezug auf Ordnung, blühen»
des Ausſehen und anſtändiges Benehmen der Zöglinge
aufnehmen können. Wer nun vollends Auswendigler«
nen von Geboten und Dogmen, Gewöhnung an Hins
knieen, Beichten und regelmäßiges Meſſegehen für Ros
kigion hält, und dieſe religiöſe Grundlage in nichtjeſuitie
ſchen Anſtalten entweder vermißt oder doch wenigſtens
nicht gehörig berüſichtigt wähnt, der muß natürlich
den Jeſuitenanſtalten vor allen andern den Vorzug gos
ben, woraus ſich der Zulauf erklärt, den von jeher dis
Jeſuiten gehabt haben und noh haben. Die Jeſuiten
erhielten durch ihre Inſtitute auch offenbar eine Zeitlang
die Oberhand über die proteſtantiſche Pädagogik. Ste
machten zu Anfang des 17. Jahrhunderts reißende Forts
ſchritte. Sie machten , wie heutzutage die Dunkelmän«
ner und Jeſuiten, den reformirten Sc Mangel an Religiou, ja wohl gar Jrreligioſis
tat zum Vorwurf, was bei dem gemeinen Mann, der
Religion an Sprüchen und Cerimonien erkennt, nur zu
leicht Anklang findet. Der Dünkel und die Eitelkeit
des Wiſſens mochten allerdings auf proteſtantiſcher
Seite nicht größer ſein, aber offener und ſchärfer hero
vortreten und die nichtwiſſende Maſſe reizen und vere
leben, was die ſäclauen Jeſuiten vermieden, und dage»
gen mit den Waffen des Spottes und Zelotigmus dis
Blöße der Gegner benußten. Die proteſtantiſchen Lehs
rer wurden entweder als irreligios verdächtigt, anges
ſchwärzt, verleunadet, oder als Pedanten - als verknt«

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