Intereſſant. = Interoſſe.
ven!!! an, ſo finden wi& daß viele ſehr küchtige Lehrer.
daran gewirkt, die tüchktigſten ſie aber immer wieder ver-
faſſen haben, und daß kein einziger großer Mann daraus
dorvorgegangen iſt... * Dies“ wird "leicht begreiflich,
wenn man ſieht, daß:die. meiſten bem Grundſaß huldſs
gen: „Alles Lernen muß ſo leicht al8 nröglich gemacht
werden, und die Kinder ſollen. eigent< nur nach Luſt
und ſpielend lernen.“ Dieſe Lehre ſchmeichptt ebenſo-
ſehr der falſchen Liebe krankhafd zartlicher Eltern (mat
nennt ſie gewöhnlich Affenliebe) , ais der Vergnügungs-
faucht geſunder und lebensluſtiger Kinder, und wird da-
Her immer einige Anhänger, namentlich unter den vont
GlüEe reichlich Bedachten finden. Sie iſt nuch gar
nicht neuz eine Schule, worein die vornehmen Römer
ihre Kinder ſchiten, hieß fudus ( Spiel) und der Lehrex
tudimagister (Spielmeiſter). Einen bezeichnenderen
Namen kann man wohl kaum für die meiſten Lehrer
der philanthropiſchen Inſtitute auffinden. Darin aber
liegt. der Keim des Verderbens, Der Wahlſpruch der
Üchten Pädagogie muß ſein: per aspera ad astra!
Jeder große Mann multa tulit, fecitque puer, zud2-
Fit et alsit! Das Leben iſt für Niemanden ein Spiel,
ſondern inhaltſchwerer Ernſt, und wenn das der Knade
nicht ſchon in der Schule fühlt und lernt, ſondern viele
mehr die Anſicht gewinnt, daß das Leben ſelbſt ein Spiel
ſei, ſo wird er hernach als ein Weichmann aus der
Schule treten, der niht im Stande iſt, die. harten
Stöße der Wirklichkeit zu ertragen ,. und der nie etwas
Großes leiſten wird ,.wenn ihm auch äußere Glü>Fsum-
ftände ſchwere Prüfungen erſparen. Wenn nun aud
in der neueren Zeit einzelne Inſtitute, namentlich die
&akotot'ſchen, dieſem Tadel nicht ausgefest ſind, ſo ſind
doch der Bedingungen, unter denen' eine Privatanſtalt
gedeihen kann, ſo viele, der Mittel, die ihnen zu Ge:
bote ſtehen , verhältniämäßig und auf die Dauer ſo we:
nige, daß Inſtitute, im glüklichſten Fal'e, doch im-
mer nur auf die Theilnahme einer kleinen Anzahl von
Familien aus einer gewiſſen Claſſe der menſchlichen Ge-
fellſchaft werden rechnen können, ohne die Ausſicht zu
baben, ſich jemals des allgemeinen Volksunter-
Fichts zu demächtigen. .
- Antereſſant, alles was Intereſſe bat oder erregt,
d. b. was auf unſer I< Bezug hat, und auf unſer
TJc auch erkannt wird. Eine Neiſebeſchreibung iſt z. B.
für uns intereſſant, wenn wir ſelbſt eine ähnliche Reiſe
gemacht haben, weil die Kenntniß-der in. Rede ſtehen:
den Länder, Völker, Sitten u. f. w. ein Tödeil unſeres
«IH geworden iſt, und die Reiſebeſchreibung vermit-
teltft unſerer Kenntniß -auf unſer Jh Bezug hat. Ob
etwas intereſſant iſt oder nicht, hängt alfo ganz von
der Verſchiedenheit der Cinzelwoſenheiten ab; und es
kann demnach Einzelnen intereſſant ſein ,. was es den
Meiſten nicht iſt. Man macht cine Sache intereſſant, -
wenn man ihren Bezug auf das IJ der Zuhörenden
in ein helles Licht ſebt, und zwar um ſo mehr, je
mehr uns dies gelingt. Cs8 iſt eine beſondere und un-
entbehrliche Lehrgabe, die Lehrgegenſtände den Schü-
fern intereſſant - machen zu können, weil nur auf dieſe
Weiſe die Aufmerkſamkeit wach erhalten wird. (S.
Intereſſe.) | .
- Anterefſſe, das Verhältniß einer Sache zu mei-
nem Ich, nach welchem ſie auf mein Wohl oder Wehe
Einfluß hat oder zu haden ſcheint, und wona:d ich an
ihr ''theilhabe z alſo ein gegenſeitiges Verhältniß.
I< habe an oder bei einer Sache Intereſſe, ich bin
dabei intkereſſirt, wenn ein Theil davon zu dem gs-
hört, was zu meinem I< gehört, d. h. Theil meines
Eigenthums iſt, . und des iſt die urſprüngliche Bec
deutung (hoc interest mea, scilicet re, parte). Das
her nennt mani Zinfen auch Intereſſen, daher ſagt
man bei einem Unternehmen intereſſict ſein. Aber
dieſes Verhältniß kann auf zweitrlei Art blos geiſtig
fein 3 entweder nämlich iſt es blos gedacht, und ich bee
rechne im Geiſte die Vortheile oder Nachtheile, die mir
aus der Verwirklichung- entſtehen können, und auc
dann :kann ich ſchon ſazen, : daß eine Sache für mich
Intereſſe hat, oder aber das Verhältniß beſteht ſchon
koirklich, aber der Gegenſtand des Verhältniſſes iſt
geiſtig, d.h. dasjenige von der mich intereſſirenden
Perſon oder Sache, was ein Theil meines geiſtigen
Ih (pars animae) geworden iſt, iſt ſelbſt etwas Gei-
ſtiges. Ein Freund hat Intereſſe für uns, wir ha:
den Intereſſe an ihm, weil wir ſeine Seele, ſein Gö6c
müth zu unſerem Eigenthum gemacht haben, und er
die unſrige zu ſeinem. Freundſchaft iſt ein geiſtiges,
moraliſches Intereſſe, Theilnahme an einem Geſchäft
iſt ein dingliches, materielles Intereſſe, und wie der
Geiſt höher ſteht als der Leib, ſo die geiſtigen Intereſz
ſen höher als die dinglichen, materiellen. Man umters«
ſcheidet daher das niedere, ſinnliche, gemeine Inc
tereſſe von dem höheren, geiſtigen, edlen Intereſſe.
Endlich werden auch die Gegenſtände des Intereſſe,
des Verhältniſſes, Interefſen genannt. In dieſer
Bedeutung find Intereſſen diejenigen geiſtigen (mora»
liſchen) oder körperlichen (materiellen) Sachen, welche
zu dem Wohl oder Wehe meines zeiſtigen oder leibli-
Verhältniß ſtehen oder ſtehen ſollen. In dieſer Bes
deutung ſpricht man namentlich in. der neueren Zeit
von geiſtigen Intereſſen und von materiellen (ſinnli-
Gewerbfreiheit , Beförderung des Handels durch ſchüc
bende Zölle nac) Außen, durch Freiheit der Bewe-
gung im Junern ſind materielle Intereſſen, weil ſie
zu dem Wohl meines leiblichen I< in einem förderli-
heit, bürgerliche Freiheit ſind geiſtige Intereſſen, weil
ſie zum Wohl meines geiſtigen Ic< in demſelben Vers
hältniſſe jiehen. Die höchſten Intereſſen der Menſch:
heit ſind das Wahre, Gute, Schöne, Rechte, mit
einem Worte: das Göttliche, und dies ſind gei-
ſtige Intereſſen, und weil der Menſch ohne Freiheit
nimmätmehr dazu gelangen kann, ſo iſt eben auch
die Freiheit ein geiſtiges Intereſſe. Wehe dem Lehrer, -
welcher in ſeinen Schülern aus dem angebornen Ge-
fühl dafür nicht eine edle Leidenſchaft, eine Be-
geiſterung für dieſe höchſten Intereſſen zu 'entflam-
men weiß, der ſelbſt kein Gefühl dafür hat, erwird
umſonſt von Glauben, von Religion, von Religioſität
ſchwaßen, ſein Treiben wird Heuchelei und Scheinhei-
ligkeit ſein, und wenn ſich geſündere Naturen nicht
mit Ekel von ihm wenden, wird. er aus ſeinen Schü-
lern Heuchler, Scheinheilige, Kopfhänger und Hypo-
kriten machen. Deshalb hat bie Pädagogik der Hu-
maniſten ſo viel Wahres, weil in den dbefferen Claſſt-
kern ſich mit der reinſten Begeiſterung und inder ſchöne
ſten Form das Gefühl für alles Wahre, Gute, Schöne
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