868
ſcheiden und in ihrem natürlichen Zuſammenhange auf-
zufaſſen wiſſen. Man mag ihm hierbei mit Namen
entgegenkommen, ſo viel man will oder ſo viel er de-
ren bedarf und verlangt, weil doh jede einzelne An-
ſchauung ſich gern an Namen knüpft. Er wird die-
ſelben vielleicht bald wieder vergeſſenz aber das Bild
der Gegend bleibt dem Gedächtniſſe eingedrückt, bis
zum Detail, weil ſic< jedes Einzelne als zu einem
Ganzen gehörig darſtellt; noh mehr, der junge Menſch
hat gelernt, wie man eine Gegend anſchauen, wie man
ſie von einem Hauptſtandpuncte aus betrachten und
nach verſchiedenen Richtungen verfolgen ſollz er hat,
mit Einem Worte, gelernt, ſelbſtſtändig zu verfahren
und ſich ſelbſt eine Geographie zu ſchaffen. Iſt der
Lehrer im Stande, und er ſoll es im Stande ſein, auf
einer ſchwarzen Tafel mit Kreide ein Bild des Landes,
der Provinz, des Kreiſes zu entwerfen, ſo giebt er da-
mit ſeinem Zöglinge Gelegenheit, ſich ſelbſt davon
auf Papier ein Kärtchen zu entwerfen.
Ein geographiſches Lehrbuch für Elementarſchulen
ſollte daher nicht: nac) der politiſchen Eintheilung be»
handelt und abgefaßt ſein, ſondern lediglich auf der
Baſis der natürlichen Geſtalt des Landes ruhen und
fich aufbauen. Die Aufgabe iſt freilich ſchwierig, aber
doch zu löſen und iſt in manchen neuern Geographieen
ſchon gelöſt.
Hiernach beantwortet ſich auch die Frage, ob und
in wie fern die Geſchichte in den geographiſchen Unter-
kerricht mit aufgenommen und verflochten werden ſoll.
Zuerſt iſt ein kurzer hiſtoriſcher Abriß nöthig, wie das
Land allmählig an Erweiterung zugenommen oder ſonſt
im Verlaufe der Zeiten verändert worden iſt, bis es
endlich die gegenwärtige Ausdehnung und Geſtalt ge-
wonnen hat. Sodann muß aber auch von jeder hiſto-
riſch wichtigen Gegend oder Stadt u. ſ. w. da, wo ih-
rer Meldung geſchieht, in Beziehung auf Cultur oder
Handel , oder aus ſonſtigen, mit der Geſchichte zuſam:
menhängenden Verhältniſſen, ſo viel geſagt werden, als
eben nothwendig zu ſein ſcheint, um ihre Stellung und
„Bedeutung im Complex der übrigen klar daraus zu
erkennen. Das weitere Detail muß dem Lehrer über-
laſſen bleiben, der, nach der Bedeutſamkeit des Orts für
ſeine Schüler, und nach dem Bedürfniſſe und den
ſonſtigen Bedingungen ſeiner Schule, die richtige Wahl
zu treffen und in der Ausführung ſich zu beſcheiden
wiſſen wird. -
Wir nehmen an, daß vaterländiſche Geſchichte und
Geographie gleichzeitig, d. i. in Einem und demſelben
Curſus der Elementarſchule gelehrt werden. Indem
auf dieſe Art beide Gegenſtände neben einander laufen,
wohl auch, je nach dem Bedürfniß, partieenweiſe ein-
ander voreilen oder nachtreten, ſo kann es wohl nicht
fehlen, daß ſie ſich durch dieſe ihre wechſelſeitigen Zeit-
und Raumbilder überall gehörig ergänzen, aufklären
- Und beleben. Das Bild des Landes, das die vater-
ländiſche Erdbeſchreibung giebt, wird durch geſchicht:
liche Erinnerungen an große und verdienſtvolle Män»
ner, an die Schiſale des Volkes, der Bürger, der
Türſten, gleichſam als durch eine Staffage belebt und
herausgehoben.
Als vorzügliches , unentbehrliches Hilfsmittel zum
geographiſchen Unterrichte muß neben einem Leitfaden
eine Schulkarte genannt werden, eine Karte, der»
gleichen ſonſt die Homann'ſchen, dann die Ritter-
Vaterlands8geographie. ==“ Vaterlandsgeſchichte.
ſchen waren, und jeht die Vogel?ſchen ſind. S. den
Art. „Erdbeſchreibung“".
No< verweiſen wir hier auf einen von H.
Weißgerber zu Halle a. d. S. verfaßten Aufſak, der in
der Allg. Sculztg. 1847 unter der Aufſchrift ge-
geben iſt: „Der Unterriht in der vaterländiſchen
Geſchichte und Geographie, aphoriſtiſch beleuchtet vom
Standpuncte der deutſchen Nationalität“.
Vaterlandsgeſchihte. Dieſer Gegenſtand
hängt mit dem vorhergehenden zuſammen. Cs wird
zwar in dem Artikel „Geſchichte“, wie ihn die P.
R. - E. giebt, auch von der vaterländiſchen Ge:
ſ es Noth thut, dieſen Gegenſtand etwas ausführlicher
zur Sprache zu bringen. |
Wo in einer Land- oder Bürgerſchule der Ge-
ſchic ſic) zum Geſe zu machen, ein zuſammenhängendes
Ganze zu geben, denn ein Stückwerk oder bloße Frage
mente bleiben fruchtlos, Die Vaterlandsgeſchichte
betritt die erſte Stufe, (nachdem die Heimathskunde
vorausgegangen iſt) z; die zweite nimmt die deutſche
Geſchichte ein, und die dritte behauptet in einer
gehobenen Bürgerſchule die allgemeine Welt- und
Völkergeſhichte. Dabei bleibt es freilich auf je:
der Stufe für den Führer oder Lehrer immer ein
Hauptgeſes: „Suche ſo viel als möglich mit der Ge:
ſchichte die Geographie in Verbindung zu bringen.“
Treilich auf der unterſten Stufe iſt an eine ſolche Ver-
knüpfung nicht zu denken , weil dieſer erſt das Terrain
gegeben werden und bekannt ſein mußz deßhalb der
Unterricht in der Geographie dem Unterrichte in der
Geſchichte vorausgeht. In einzelnen Schulgeſeßen un-
ſerer Zeit (z. B. in dem ſächſiſchen) iſt ausdrü>lich ge:
boten , dieſen Theil der Geſchichte nicht unbeachtet zu
laſſen, um das Kind frühzeitig mit den Vorzügen des
Vaterlandes, mit der allmähligen Entwielung derſel:
ben, mit Dem, was es in der neueſten Zeit erfahren
hat, genauer bekannt zu machen und mit Liebe zu dem
Mutterlande zu erfüllen, wo einſt ſeine Wiege ſtand
und ſeine geiſtige EntwiFelung und Bildung frühzeitig
begann und befördert wurde. |
In dieſen und andern Beziehungen iſt es denn
ſehr zwe>mäßig und löblich, wenn uns das Vaterland
die Aufgabe ſtellt, in ſeinen Schulen, auch in der
Lands und allgemeinen Stadtſchule die Vaterlandskunde
Unker die Unkerrichtsgegenſtände aufzunehmen, und auf
der andern Seite iſt es unſre Pflicht, --- die ſchon eine
innere Nothwendigkeit gebietet =“ jene Aufgabe zu er:
füllen.
Wo mögli; muß ſich an die Geſchichte des Vater-
landes die Geſchichte der Deutſchen anſchließenz
oder beide können auch zugleich in eine ſolche enge Vers
bindung gebracht werden, wie ſie der verewigte Denzel
im Sinne hatte, als er in ſeiner „Volksſchule“ (Eß
lingen und Stuttgart 1817) über dieſen Punct alſo
ſchrieb: „Die Vaterlandsgeſchichte iſt und bleibt
ein nicht zu umgehender Gegenſtand des Elementar
unterrichts, wenngleih nicht auf der erſten Stufe.
Unter Vaterlandsgeſchichte verſtehen wir aber duch
aus nicht die Geſchichte eines einzelnen deutſchen
Staates, auch keine Geſchichte des deutſchen Reichs,
ſondern eine Geſchichte der DeutſFen. Sonſt
fangen wir in dex That wieder an, ſchon in den Kin: .

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.