Vaterlandsgeſchichte. =- Vincent von Beauvais.
herzen jene verderbliche Trennung vorzubereiten, welche
die Sclaverei und die Unterdrükung des echten deutſchen
Geiſtes in der jüngſt vergangenen Zeit nach ſich zdg.
Nein, eine Geſchichte der Deutſchen gehört in unſere
Elementarſchulen, wobei dann dem Lehrer unbenommen
bleibt, die ſpecielle Geſchichte des Landes, und
das um ſo mehr einzuſchieben, weil damit der Unterricht
über die Einrichtungen und Geſetze des Vaterlandes
durchaus verbunden werden kann. Au hier hat ſich
der Lehrer an - das Leben ausgezeichneter Männer des
Vaterlandes zu halten, und beſonders ihr Thun und
Wirken zur Erhaltung, Beförderung und Verbreitung
des Guten und Nüklichen im Vaterlande darzuſtellen.
Mas vaterländiſcher Kunſtfleiß hervorgebracht hat,
iſt Gegenſtand des Unterrichts auf der höchſten Ele-
mentarſtufe.
Wer möchte dieſer Darſtellung von einer Verknü-
pfung der vaterländiſchen mit der deutſchen Geſchichte
überhaupt =- ſeine Zuſtimmung verſagen? Freilich,
ob ſich der Lehrer bei der ſpeciellen Geſchichte vorzüg»
li< an das Leben ausgezeichneter Männer zu halten
habe, dürfte von mehr als einer Seite Widerſpruch
erhalten.
Betreffend den Unterricht in der Geſchichte und
Geographie des Vaterlandes verdient geleſen zu werden,
was Wilhelm Prange, Seminarlehrer zu Weißenfels,
in einer mit Meiſterhand ausgearbeiteten Abhandlung -
jüngſt dargelegt hat. Dieſe Abhandlung befindet ſich in
K. Na>ke's Pädagogiſchem Jahresbericht 2c. (1846)
S. 451 unter der Aufſchrift: „Der geſchichtliche
und geographiſche Unterricht in Volksſchu-
len“. Daſelbſt iſt zugleich die neueſte und beſte Lite:
ratur aufgeführt.
Vaterlandslicbe ſ. Patriotismus.
Vaterländiſche SHhulfeſte. S. den Artikel
„Feſte“ in der Pädagogiſchen Real- Encycl. Außer
der daſelbſt über dieſen Gegenſtand aufgeführten Lite:
ratur möchten wir hier noF namhaft machen, was
Krummacher in ſeiner „ (1823) unter der Rubrik „Vaterländiſche Schulfeſte“
S. 174 ff. eben ſo wahr als gemüthlicz dargelegt hat.
Vincent von Beauvais iſt einer der wichtig:
ſten, gewiſſermaßen der vollſtändigſten pädagogiſchen
Schriftſteller des Mittelalters. Er blühete gegen die
Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, unter dem Könige
Ludwig XX. und deſſen Tochter Margaretha. Er ward
im Walliſerland geboren, und zwar im Jahre 1199,
als ein armer Hirtenknabe, „ſollte aber d*. Schriften
lehren“, um einmal Prieſter zu werden. :Vor ihm hatte
Hugo von St. Victor (+ 1141) den Grund zu
einer beſſern Pädagogik gelegtz ihr folgte Vincent von
Beauvais in ſeinem Buche ,„über die Erziehung
königlicher Kinder“. Es war der Königin Mar-
garekha von Frankreich zum Gebrauch bei der Erziehung
ihrer Kinder zugeeignet. Daher ſpricht er unter An-
derm im 43. Capitel: „Deine Tochter Paula muß
die weltlichen Lieder nicht lernen, ſie muß von ſchlüpf-
rigen Dingen nichts erfahren; ihre Zunge lerne ſchon in
der frühen Iugend Pſalmen ſingen und muthwillige
Knaben müſſen fern von ihr bleiben.
Buchsbaum oder Elfenbein Buchſtaben machen,
Ue damit ſpielen, damit auch Spiel Belehrung ſäz
ßieb ihr beim Lernen Geſpielen u. ſ. w.“ Das
43, ſpricht gegen die Pubſucht und führt aus deu
Laß ihr von.
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Kirchenvätern Ausſprüche gegen das Bemalen des Ge-
ſichts an, als gegen einen Betrug, „womit man Got-
tes Gemälde vertilge.'
Die reine Seele, lehrt Vincent, nimmt, ſobald
ſie in den Leib des Kindes tritt, vom Körper her Fin-
ſterniß und Unwiſſenheit in Bezug auf das Erkennt-
nißvermögen und ſinnliche Begehrlichkeit in Abſicht
auf das Begehrungsvermögen an, und es heißt mit
Recht von ihr, ſie ſei von Geburt an träge zum Den=-
ken und zum Rechthandeln. Wegen dieſer doppelten
Unfähigkeit, fährt er bald darauf fort, muß ſie dop-
pelte Lehre erhaltenz nämlich Unterricht zur Erleuch-
tung des Verſtandes und Zucht zur Leitung des Be-
gehrungsvermögens, damit ſie wieder in ihren alten
geſunden Zuſtand komme, und demgemäß ſpricht er
nun im Verlaufe ſeiner Pädagogik zuerſt von der
Verſtandesbildung und dann von der Bildung
des Herzens. Er ſct jenem Haupttheile einige
Vorbemerkungen über die Wahl des Lehrmeiſters
(Hauptſt. 2. 3.) voran, handelt dann vom Lernen,
und zwar zuerſt von den Hinderniſſen (Hauptſt. 4.),
ſodann von den Haupterforderniſſen: der Anlage, Ue-
bung und Zucht (Hauptſt. 5.), hierauf von den fünf
Hilfsmitteln: der Demuth, der Liebe zur Wahrheit,
einem ruhigen Leben, dem ſtillen Forſchen und dem
Aufenthalt in einem fremden Lande (Hauptſt. 6.), ſo
wie von der Nothwendigkeit der Unterordnung der Ler-
nenden unter die Lehrenden (Hauptſt. 7.). Dur
dieſe Augeinanderſeßbung wird er auf die Aufmerkſam»
keit beim Vortrage (Hauptſt. 8.), auf die Gelehrigkeit,
das Gehörte zu verſtehen (Hauptſt. 9.) und auf das
Behalten des Erlernten geführt (Hauptſt. 9.). Hieran
ſchließt ſich ohne einen nothwendigen Zuſammenhang
die Darlegung der Ordnung, worin die Lehrgegenſtände
auf einander folgen ſollen (Hauptſt. 11.), ſodann eine
Expoſition über den Eifer des Lernenden für die Wiſ-
ſenſchaften (Hauptſt. 12.) und über den Zwe> der
Anſtrengung des Schülers (Hauptſt. 13.), endlich über
die weitere Ausbildung und zwar zunä<ſt durch eige-
nes Leſen (HauptſtüuE 14. 16.), durd) eigenes Nach-
denken (Hauptſt. 17.), dur< Uebungen im Schreiben
über fremde und eigene Gedanken (Hauptſt. 18. 19.),
dur< Uebungen im Disputiren (Hauptſt. 20. 21. 22.),
Mitten in dieſe Darlegungen iſt (Hauptſt. 15.) eine
Ausgeinanderſeßung über die Beziehung alles Wiſſens
auf Gottesgelahrtheit d. h. auf die Kenntniß des gött-
lichen Weſens eingeſchaltet. So wenig die einzelnen
Hauptſtü>e des erſten Haupttheils innerlich verbunden
ſind, eben ſo wenig kann eine ſol zweiten Haupttheile , wo von der Bildung des Herzens
geredet wird, nachgewieſen werden (Hauptſt. 28.).
Von der Erziehung des Knaben zum guten Wandel
(Hauptſt. 24.). Von dem günſtigen Verhältniſſe des
jugendlichen Alters zur Bildung. (Hauptſt. 25.) Ueber
Zucht und Strafe. (Hauptſt. 26.) Ueber die Mäßi-
gung der Strenge bei Zucht und Strafe. (Hauptſt.
27.) Von der willigen Unterwerfung unter Zucht und
Strafe. (Hauptſt. 28.) Warum man Kinder über
kindlichen Gehorſam unterrichten muß. (Hauptſt. 29.)
Wem man Gehorſam ſchuldig ſei. (Hauptſt. 30.)
Ueber die ſieben Grade des Gehorſams. (Hauptſt. 31.)
Ueber die moraliſche Haltung des Characters. (Hauptſt.
32.) Ueber geſelliges Leben und die Wahl der Geſell:
ſchaft. (Hauptſt. 83.) Von der Eintracht der Genoſ-

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