Verſinnlichen. -=- Verſtand.
Zerrenner ſtellt die mannigfaltigen Mittel zum
Verſinnlichen unter folgenden Hauptclaſſen dar: |
1L Wirkliche ſinnlihe Anſc „Dies Mittel dient beſonders zur Verſinnlichung der
Begriffe von äußern Gegenſtänden, und es gilt als
Regel, ſo oft und ſo weit man es kann und es irgend
nöthig iſt, die äußeren ſinnlichen Gegenſtände zur
wirklichen Anſchauung des äußern Sinnes zu bringen.
Demnach rechnet Zerrenner hierher auch die un-
mittelbare Anſchauung des beſprochenen Gegenſtan-
des ſelbſt. Das iſt aber ein Vorzeigen und kein
Verſinnlichen. Zur Anſc anſchaulichen iſt, unſers Bedünkens, nicht gleichbedeu-
tend: bei jenem handelt ſich's um unmittelbares, bei
dieſem um mittelbares Anſchauenz; dort die Sache
ſelbſt, hier nur ein entſprechendes Bild derſelben.
IL Das Hervorrufen ſolcher Anſ gen, die der Schüler ſchon gehabt hat.
I. Das Bewirken einer geiſtigen Ans»
ſhauung ohne ſinnliche Anſc;zauung des Ges-
genſtandes.
„Dieſe geſchieht durH<; Beſchreibung und Sils»
derung. Bei der Beſchreibung gebe ich ſo viele
Merkmale an, als nöthig ſind, eine klare Anſchauung
zu bewirken, alſo Jemanden in den Stand zu ſeßen,
den beſchriebenen Gegenſtand von andern zu unter
ſcheiden. Mehr erfordert die Schilderung. Bei ihr
müſſen ſo viele Merkmale angegeben werden , daß ein
vollſtändiges Bild des Gegenſtandes zur geiſtigen An»
ſhauung kommt. Jemehr dieſes Bild der ſinnlichen
Anſchauung an Nichtigkeit, Vollſtändigkeit und Le»
bendigkeit nahe kommt, deſto vollkommener iſt die
Schilderung (Schilderei für Gemälde). Es leuchtet
ein, daß ich bei der Beſchreibung und Schilderung
nur ſolche Merkmale mit Erfolg benußen kann, von
denen die Schüler ſchon eine Anſchauung gehabt ha-
ben. Daher iſt es ſchwer, kleinen, an Anſchauungen
armen Kindern durch Schilderung etwas gehörig zu
verſinnlicem und deutlich zu machen.“
IV. Begriffe von Gegenſtänden des inneren
Sinnes (Gefühle, Begierden, Gedanken) werden ver-
anſchaulicht:
1) Dadur<, daß man dem Schüler die Gegen-
ſtände ſelbſt vor den innern Sinn führt.
„34 will z. B. den Begriff des Mitleids veran-
ſchaulihen , und errege zu dem Ende durch eine Er-
zählung wirklich Mitleid in ihm, und mache ihn dann
aufmerkſam auf das , was er fühlt.“
Beiſpiele dieſer Art der Verſinnlichung finden ſich
beſonders in Campe's kleiner Seelenlehre. Dieſe Art
der Verſinnlichung erfordert jedoch große Vorſicht,
wenn ſie natürlich ſein und nicht als etwas Gemach-
kes, zu Künſtliches erſcheinen ſoll.
2) Dadurc<, daß man den Gegenſtand in Erzah»
lungen ſchildert.
3) Dadurch , daß man den Schüler an ehemalige
Anſchaungen erinnert.
4) Dur< Erinnerung an ehemalige Anſchauung
ähnlicher Gegenſtände. -
„So verſinnliche ich z. B. das Gefühl der Dank-
barkeit gegen Gott, indem ich an das Gefühl der
Dankbarkeit gegen Aeltern erinnere.“
V. Begriffe von nicht ſinnlichen Gegenſtänden
STI
und allgemeinen Säßen , die ſolche Begriffe enthalten
können verſinnlicht werden : |
3) Dur Beiſpiele. Dieſe find entweder a)
Hinleitungsbeiſpiele, wenn ſie angeführt werden,
um dadurch das Entſtehen eines deutlichen Begriffs
oder Urtheils zu defördern z oder b) Erläuterungs-
beiſpiele, welche eine Wahrheit oder einen Begriff
blos erläuternz oder ec) Beſtätigungs beiſpiele,
die nur zur Beſtätigung deſſelben dienen.
(Ueber Beiſpiele ſ. d. Art. „Beiſpiel“ und ,„Bei-
ſpiele, katechetiſc 2) Dur< Vergleichungen. Sie ſind Ver-
gleichungen im engern Sinne, wenn die Gegen»
|Fände , die mit einander verglichen werden, einerlei-
artig ſindz Gleichniſſe aber heißen ſie, wenn unz
gleichartige Gegenſtände zuſammengeſtellt werden,
(Val. Th. 1. S. 807 den Art, „Gleichniß.')
Unter Verhältnißvergleichungen verſteht man
die Nebeneinanderſtellung von Verhältniſſen, um eins +
durch das andere zu verdeutlichen.
Zu den Vergleichungen gehören auch die Inſtan-
zen. Unter Inſtanz verſteht man „die Art, eine
unrichtige Behauptung dadurF; zu entkräften, daß
man ein Exempel oder ſonſt einen widerlegenden Saß
anführt, der ihn als falſch ſo darſtellt, daß die Falſch-
heit auffällt; im weitern Sinne: jedes zur Widerle-
gung aufgeſtellte Beiſpiel, oder jede zur Widerlegung
aufgeſtellte Vergleichung.“ 7
(Im weiteſten Sinne verſteht man unter Inſtan-
zen alle Beiſpiele, die nicht blos zur Widerle-
gung, ſondern auch zum Beweiſe eines all-
gemeinen Saßzes angeführt werden.)
3) Dur< Erzählungen.
(Ueber dieſe ſ. d. Art. „Erzählungen“ =- Th. 1.
S. 612.)
Dieſe Zerrenner'ſche Darſtellung läßt, nament-
lic hinſichtlic) der logiſchen Anordnung, Vieles zu
wünſchen übrig. .
Als Verſinnlichungsmittel , die von Zerrenner gar
nicht beachtet und doh für den Pädagogen ebenfalls
wichtig ſind, haben wir auch die Symbole und das
Individualiſiren zu betrachten. Ueber Symheole
und ſymboliſche Lehrart haben wir uns Th-11. S. 754
bereits ausgeſprochen.
Unter JIndividualiſiren verſteht man „das
Darſtellen allgemeiner Begriffe und Gegenſtände in
einzelnen Beziehungen und Verhältniſſen.“
Allgemeine Begriffe können nur dadurch zum
Eigenthume des kindlichen Geiſtes werden, wenn es
der Lehrer verſteht, dieſelben auf beſondere, dem Er--
fahrungs- und Lebenskreiſe des Kindes entnommene
Fälle anzuwenden. Der Unterricht wird dadurch deuts
licher, eindringlicher, intereſſanter, ,
Manches hierher Gehörige enthalten auch die Ar-
tikel „Anſchauung“, „Anſ Sprechübungen“ (Th. 1. S. 89 ff.), „Abſtract“,
„„Abſtractionsproceß“ (Th. 1 S. 24 ff.), „All»
gemein“ (Th. U. S. 60), „Analogie“ (Th. L
S. 65), „Begriff“ (Th. 1. S. 237) u. a.
Kſch.
Veröslehre ſ. Metrik. >
Verſäumnißtabelle ſ. Abſentenliſte.
Verſtand iſt, im engern Sinne des Wortes,
die Geſammtheit der Begriffsangelegtheiten, die Je:

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