Verwahrloſete Kinder. --- Vierthaler.
B. Außerhalb Europa ſind nur die Beſtrebungen Nord-
amerika's nennenswerth, wo die Regierungen der Staaten
Maſſachuſetts, New - York und Penſylvanien Rettungshäuſer
begründet haben, und die Wells'ſche Schule bei Boſton für
dieſen ZweE Ireffliches leiſtet.
S. Iulius Nordamerika's fittlihe Zuſtände. Leipzig
4839. (Bd. 2. Abth. 4.)
Auf die Sorge für verwahrloſ'te Kinder , insbeſondere
auf Rettungshäuſer beziehen ſich noch folgende Schriften und
Auſjäte : . .
Sc ſittlich verwahrloſ'ter und verlaſſener Kinder. Eisleben
1833. -- IJ. B. Riſtelhüber, über die Nothwendigkeit
der Errichtung von Arbeits - und Erzichungsanſtalten für
ſittlich verwahrloſ'te Kinder , nebſt Anleitung , wie derglei-
gart und Tübingen 1828. --- Deſſelben Wcgweiſer zur Li-
teratur der Waiſenpflege, des Volkserziehlingsweſens , der
Armenfürſorge, des Bettlerweſcn3 und der Gefängnißkunde.
Cöln 1831. --- Dr. Julius, Jahrbücher der Straf - und
Veſſerungsanſtalten , Erziehungshäuſer , Armenfürſorge
und anderer Werke Weiß, über Beurtheilung und Behandlung verwahrloſ'ter
Kinder. Halle 1837. -- Job. Sc und Rettungsanſtalten für ſittlich verwahrloſte Kinder,
als das vorzuglic<ſte Mittel zur Verminderung der Armuth
und Verbrechen. Friedberg 1840. --- Die jungen Ver?
brehHer und ihre Beziehung auf Schulbeſuch , Neligions-
unterricht und erſte Communion. Von Einem Schulfreunde.
Gödln und Aacgen 1828. --- Converſations-Lexicon
der Gegenwart. Leipzig 1840. Bd. IV. Abth. 1. S.
559 ff. Art. : „Rettungshäuſer“. =“ K. Preusker, über
Erziehungs - und Unterrichtsanſtalten, beſonders Volks-,
hdhere Bürger = und Realſchulen , Kinder - Bewahr -, Be-
ſ gendbildung) Leipzig 1839. S. 134 ff. = Graf v. So-
den, Staats - Nationalbildung. Aarau 1821. -- Dus-
JHatel und Naville, das Armenweſen na Nichtungen als Staatsanſtalt und als Privatwerk , und
ſeine dermalige Geſtaltung in den civiliſirten Staaten in
'ad“ außer Europa. Weimar 1837. (Au38 dem Franzd-
ſiſchen.) = de Gerando, über die öffentlihe Armen-
pflege 3 überſeßt von Dr. Buß. Stuttgart 1841--45. --
Dob ſchall, I. G., über ſittlih verwahrloſ'te Kindcr.
Breslau 1837. -- Allg. S 105. S. 838 ff. Vereine zur ſitklihen Verbeſſerung der
niedern Volksklaſſen. -- 1d. 1835. S. 1559. --- Kobik,
preuß. Volksſ und. Beſſerung ſittlich verwahrloſ'ter Kinder' -=-- von
S hältniſſe zu Gefängniſſen und Armeneinrichtungen verachtet.
ſch.
Verweiſe ſ. Tadel.
Verwöhnung ſ. Gewöhnung.
Vierthaler (Franz Michael) war Königl. Kai:
ſerl. Regierungsrath und Waiſenhaus - Director in
Wien. Er wurde am 25. Septbr. 1758 zu Mauer:
kirhen, einem Marktfleken im Innviertel, geboren.
Unter ſorgſamer Aufſicht redlicher Eltern wuchs der
Knabe fröhlich heran, und nachdem er vom ſiebenten
Jahre an die Ortsſchule fleißig beſucht hatte, ward er,
im elften Jahre ſtehend , in das Benedictinerſtift Mi-
lateiniſchen Sprache unterwieſen. Seine weiteren
Studien vollendete er zu Salzburg am Gymnaſium
und dann zu Burghauſen in Baiern. Mit beſonderer
Vorliebe lag er dem Studium der griechiſchen Claſſi-
ker ob und ward bald als Lehrer angeſtellt. Als ſol-
der Menſchen und Völker“, und zeichnete ſich als
Pädagog und Gelehrter äus. Er gewann bald einen
entſchiedenen Einfluß auf das 'Schulweſen des Salz»
burger Landes, ſeitdem ihn der Fürſt - Erzbiſchof Hie-
«
885
ronymus . im Jahr 1790 zum Direckor des neuerrich:
teten Schullehrerſeminars und zum Vorſteher der
deutſchen Schulen ernannk hatte. Dieſen ehrenvollen
Beruf füllte er auf das Vollſtändigſte aus, und ſeine
Zöglinge wurden theoretiſch und practiſch zu Schul:
männern in ſeinem Inſtitute und unter ſeiner Mit:
wirkung gebildet. Um denſelben bei ihrem Austritte
aus dem Seminar zugleich ein Lehrbuch in die Hände
zu geben, das ſie als Wegweiſer auf ihrer künftigen
Laufbahn benußen könnten, ſchrieb er ſeine „Ele-
mente der Pädagogik“ (1790).
Man war darauf bedacht, ſehr wohlfeile und
zwe&mäßige Sul = und Kinderſchriften augarbeiten
und druFen zu laſſen. Vierthaler wurde damit be-
auftragt Und gab in kurzer Zeit mehre kleine wohlge-
rathene Schriften heraus. Zu dieſen gehören: „Gol-
dener Spiegel , ein Geſchenk für Mädchen, welche in
Dienſte treten wollen“ (1791); „das Kinderbuch , ein
Geſchenk für die erſten Anfänger“ (1792); „Franz
Traugott, eine lehrreiche Kinder - Geſchichte“ (1792);
„der kleine A-B-C- Schüler“ (1793); „der kleine
Schreib» und Leſeſchüler für Kinder, welche in kurzer
Zeit zu ſchreiben und das Geſchriebene zu verſtehen
wünſchen“ (14793)3 „Anleitung zur Rechnenkunſt.
2 Thle. (1795)3 „Geographie von Salzburg“ (1796);
„Beiträge zur Geographie und Geſchichte Salzburgs.“
2 Bde. (1798), u. m. a. Vierthaler, dem auch die
Bildung der Geiſtlichen am Herzen lag, widmete den
Alumnen des Glericalſeminars nicht nur katechetiſche
und pädagogiſche Vorleſungen, ſondern auch ſeinen
„Geiſt der Sokratik“4Würzburg 1810. 10 gGr.),
der von ſeinem gründlichen Studium Platos zeugte
und ein treffliches Buch ſeiner Zeit wurde. Im Jahre
1792 ward er zum Profeſſor an der Hochſchule in
Salzburg ernannt und gab nachher ſeinen „Entwurf
der Schulerziehungskunde“ heraus (Salzburg
94. 6gGr.) Vierthaler ward einer der geprieſenſten
Lehrer an Salzburgs hoher Schule,
Im Jahre 1803 erhielt 'er unter der Regierung
des Erzherzogs und Kurfürſten Ferdinand die Stelle
eines wirklichen Hofbibliothekarsz3 zugleich wurde ihm
die Leitung und Aufſicht ſämmtlicher Bürger - und
Landſchulen im ganzen Herzogthume übertragen. Neue
Verdienſte erwarb er ſich als Waiſenhaus - Inſpector.
An ihm fanden Eltern und Zöglinge, Bürger und
Lehrer einen geſprächigen, leutſeligen, zuvorkommenden,
dienſtwilligen und liebenswürdigen Mann , der oft als
deutſcher Sokrates geſchildert wurde. Er ſchenkte den
Beſuchenden ſeine koſtbare Muße mit einer Gutmü-
thigkeit, als ob ſeine vielen Geſchäfte keiner Ruhe be-
dürften. Man belehrte ſich in ſeinem Umgange und
erheiterte ſich zugläi<. Wie ſein edles Betragen über:
haupt Achtung und Zuneigung einflößte, ſo hat er ſich
insbeſondere in den Herzen ſeiner Zöglinge cin Denkma
unverlierbarer Anhänglichkeit und Verehrung geſekt.
Als das Land Salzburg im Jahre 1806 an Oe-
ſterreich kam, wurde Vierthaler als Direetor des gro-
ßen Waiſenhauſes nach Wien berufen und erhielt da-
mit einen Wirkungskreis, dergleichen er ſchon früher
in Salzburg am dortigen Waiſenhauſe bekleidet hatte.
Au hier zeigte er auf's Neue, was er als Menſchen:
freund und Pädagog war. * |
Ein Sclagfluß endete. ſeine ſegenreiche Laufbahn
am 3, ODctbr. 1827. Er ſchied mit der Ruhe des
*%

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.