Wetteifer.
als in den Schulen der Jeſuiten. K. v. Rau»
mer in ſeiner „Geſchichte der Pädagogik vom Wieder-
aufblühen laſſiſcher Studien bis auf unſere Zeit“ ==
Stuttgart 18483, Bd. 1 S. 312 ff. hat ſich darüber
ſehr ausführlich verbreitet. «
„Wahrhaftig, heißt es im Erziehungsplane der
Jeſuiten, wer die Aemulation geſchikt zu reizen
weiß, der hat durch ſie das bewährteſte Hilfsmittel im
Lehramte, und welches beinahe einzig hinreichend iſt,
die Jugend auf's Beſte zu unterrichten. Der Prä-
ceptor ſchäße daher dieſe Waffe hoch und erforſche
fleißig die Wege, auf welchen er ſie erlangen und wie
er dieſelbe am meiſten und angemeſſenſten brauchen
könne.“ = „Cs wet dieſe Aemulation wunderbar
die Wettkämpfe.“ Dieſe Wettkämpfe werden im
Lehrplan ſehr oft erwähnt. Behufs der Kämpfe hält
man es für zuträglich, „jedem Schüler ſeinen Neben-
buhler namentlich beizugeben.“ Das anmuthige
Wechſelverhältniß ſolcher Nebenbuhler .wird öfters bc-
rührt, Beide überbieten und denunciren einander bei
jeder Gelegenheit. Es ſollen z. B. „die einander als
Nebenbuhler gegenüber ſtehen, es notiren, wann (ge-
gen die Urbanität) gefehlt wird 2c.“ =- Aber nicht
blos Nebenbuhler, ſondern alle und jeder Schüler ſind
angewieſen, zu ihrem eigenen Vortheil einander anzu-
geben. Wenn z. B. dem, welcher ſtatt Latein einmal
deutſch ſprach, „ein Zeichen einiger Schmach, überdics
eine Strafe“ auferlegt ward, ſo konnte er Schmadh
und Strafe los werden, indem er Beides einem Con-
difcipel zuwendete, „den er in der Schule oder auf der
Gaſſe ebenfalls die gemeine Sprache reden gehört, oder
den er wenigſtens durch Einen tauglichen Zeugen über-
führen konnte.“ Daß bei einer ſolchen heilloſen Aemu:
lation alle gegenſeitige Liebe unter den Schülern aus:
gerotket wurde, iſt natürlih. Sie ſollten ſich auch
nicht lieben, ſich vielmehr nur als ſubordinirt fühlen,
die ihnen coordinirten Schüler dagegen als natürliche
Feinde anſehen und auf alle Weiſe ſie zu übertrum-
pfen ſuchen. Auf alle Weiſe, auch) durch eine An-
geberei, gegen welche jedes redlihhe Gemüth ſich em“
port, die aber als die trefflichſte Vorſchule für das
höchſt ausgebildete Delationsſyſtem des Ordens diente.
-- Bei einer Aemulation der Schüler nun, welche
das Niedrigſte nicht verſchmähte, wenn es nur zum
Ziele, zur Erhebung über die Genoſſen führte, bei
einer ſolchen methodiſchen Anleitung zum Hochmuth
--“- mit welcher die Forderung eines knechtiſchen Ge»
horſams gegen die Vorgeſekten Hand in Hand ging -=
rühmt der Erziehungsplan wiederholt, wie hoch er die
Demuth des Geiſtes halte! = ---
Der Sculplan giebt noh andere Mittel an,
um = „die Aemulation geſchit zu reizen.“ „Von
großem Gewichte zur Erwe&ung der Aemulation iſt
die Erwählung der Magiſtrate, Prätoren,
Cenſoren, Decurionen in der Schule.“ Solche
Würden creirten auh Trokendorf und Sturm. Jes
ner ſagt, er thue es, damit ſich die Schüler von früh
auf an eine feſte bürgerlihe Ordnung gewöhnten;
Sturm's Decurionen, nach Art der Lancaſterſchen
Monitoren, ſind wahre Schulgehilfen. Die Magiſtrate
der jeſuitiſchen Schulen ſcheinen aber mehr zum An-
ſpornen des Ehrgeizes erfundenz nur die Decurionen
dürften den Sturm'ſchen ähnlich geweſen ſein, die

Cenſoren aber waren förmlich zum Aufpaſſen auf ihre
Mitſchüler angeſtellt. |
(Auf der Fürſtenſchule G. hatte wenigſtens ſonſt
jede Abtheilung ihre beſonderen Decurionen, deren
Gewalt manchen Mißbrauch zuließ, ob ſie gleich nur
Ordnungsaufſeher ſein ſollten. =- Auf einem thüring'-
ſchen Progymnaſium gab es no< im vorigen Jahr»
zehente Cenſoren, die ganz jeſuitiſch zu Aufpaſſern
über ihre Mitſchüler beſtellt waren. Wir wiſſen nicht,
ob jekt dort dieſe Unſitte noch beſteht.)
Weiter wird gelehrt: zur Anreizung des Wetteifers
ſage man den Schülern: „Nichts werde für ehrenhaf»
ter gehalten, als von Jahr zu Jahr ſeines Gleichen
in der Erkenntniß bevorzuthunz hingegen werde nichts
für ſc nes Gleichen übergangen zu werden.“ Beſonders ſoll-
ten die Preisvertheilungen den Ehrgeiz anfeuern.
„Die öffentliche Preisvertheilung, heißt es, wird mit
aller möglichen Zurüſtung und bei volkreicher Ver»
ſammlung gefeiert. Ihr geht auch eine komiſche
Handlung (bd. i. eine dramatiſche Aufführung) vor»
her. =“ Die Namen der Sieger werden nun öffentlich
verkündigt, ſie treten in die Mitte hervor, und dar-
nach werden einem Jeden ſeine Prämien ehrenvoll er-
theilt, niht ohne ein ſehr kurzes, der Sache ſehr an-
gemeſſenes Carmen, welches von dem Präfecten zuvor
geſehen und approbirt ſein muß. Nach jedem Siege
aber, nachdem er von den Herolden ausgerufen und
mit dem Preiſe gekrönt iſt, werden auch die Namen
Derjenigen , welche zunächſt folgen, verleſen."
Ein anderes Mittel, den Ehrgeiz zu ſpornen, iſt:
„daß die Uebrigen geheißen werden, Denjenigen, die
in der Schule an den vordern Pläken ſiken, auh
außer der Schule die vornehmere Seite zu
überlaſſen, und überall ihnen den anſehnlicheren
Platz abzutreten.“ Einige giebt es, heißt es im Er:
ziehungsplane, „welche an gewiſſen öffentlichen Tafeln
ſchriftlic) aufzeichnen laſſen, was von irgend Einem
talentvoll ausgearbeitet, zierlich geſagt, geſchi>t expli-
cirt, fein erfunden worden iſt, damit das Andenken
einer gelungenen Sache zum ewigen Ruhme des
Namens im Reiche der Wiſſenſchaft erhalten
werde, =“ Einige ſtellen in Mitte der Schule oder
in irgend einen Winkel eine Unglü&sbank und be-
nennen ſie mit einem Schmachnamen z. B. die Höl-
lenleiter 1c. Wer an dieſem Plate ſitt, dem ſei die
Note der Schmach eingebrannt und eine literariſche
Strafe auferlegt, doh nichts deſto weniger ihm Geles
genheit ſie zu tilgen gegeben, wenn er entweder durch
Herſagen der Prälection, oder durch eine beſſere Aus-
arbeitung der Scription einen Andern beſiegt
hat.“
Das ſind =- ſo ſchließt v. Raumer dieſe Mitthei-
lung -- die Lehren von Ehre, mit denen ſich dieſe
jeſuitiſchen Pädagogen ſelbſt an den Pranger ſtellen.
Eine Ueberſchäßung der Aemulation iſt hier und
da wohl auch in den Schulen des Philanthropinismus
hervorgetreten.
Auch das einfache Lob kann ſchon zur Erregung
des Wetteifers beitragen. Ein ſehr gediegener Aufſaß:
„Reviſion der Lehre vom Lob aus dem Geſichtspunctt
der Sitten- und Erziehungslehre“ von Pf. Stok in
Jagſthauſen -- findet ſich in den Blättern aus Süd-
deutſchland 2c. 1846. X. 8, S, 195--220. Dieſer

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