Aufſat verbreitet fich auc über die ebenfalls hierher
gehörigen, ſogenannten Billets (Fleiß- und Sitten»
billets). Stok empfiehlt dieſelben nur für kleinere
Schüler, hält aber die durchgeführte Anwendung von
Billets in obern Claſſen für durchaus verwerflich.
K
-- ſch.
SSiderſeßlichkeit --- YWöäiderſpenſtigkeit.
Vieles, was in dieſen Artikel gehören würde, iſt ſchon
anderwärts, namentli< in den Artikeln: „Cigen-
ſinn“ =- Th. 1. S. 5443; „Gehorſam“ -- Th. 1.
S. 734; „Starrſinn“ -- Th. 11. S. 729, zur
Sprache gekommen. Widerſeklichkeif iſt ein zur That
gewordener (activer) Ungehorſam und ein durc tes Temperament geſteigerter Cigenſinn. Das wirk-
ſamſte Mittel gegen Widerſeklichkeit iſt daher frühe
Gewöhnung zum ſtrengſten Gehorſam.
Die im Artikel „Cigenſinn“ gegen denſelben em-
pfohlenen Mittel ſind auch geeignet, der Widerſeklich-
keit vorzubeugen: denn die lektere iſt ſehr oft erſt eine
Irucht des ungebrochenen ECigenſinnes. Nur mit dem
Rathe können wir uns nicht befreunden, daß der
Erzieher auf den Gegenſtand, durch welchen die
Mißſtimmung. des Kindes hervorgerufen worden iſt,
ſc rackerfehler durch Cinimpfung eines andern heilen zu
wollen. Kinder, die man gewöhnt hat, einen Gegen-
ſtand zu ſchelten, durch den ihre üble Laune hervorge-
rufen worden, oder der die unſchuldige Urſache ihres
Schmerzes iſt, werden in ihrem ganzen Leben geneigt
ſein, die Veranlaſſung ihrer trüben Stimmung und
den Grund ihres Uebelbefindens niemals in ſich ſelbſt,
ſondern nur in andern Menſchen zu ſuchen. ---
Ueber den in Rede ſtehenden Fehler ſpricht ſich
Denzel (Einleitung in die Erziehungs- und Unter-
richtslehre xx. Th. 1. S. 169 f.) alſo aus:
„Gegen Trob, Zorn, Widerſpenſtigkeit und Hals:
ſtarrigkeit ſind durchgreifende Maaßregeln zu nehmen.
Einmal ſu halten, bleibe feſt bei dem einmal Verbotenen oder
Geboteuen, laſſe ſich ja nicht das Mindeſte abtroßen,
nehme auf den Schreier keine. NüEſicht, führe ihn
weg vor die Thür und laſſe ihn, ſo lange es möglich
iſt, nac< Herzensluſt ſchreien. Und ſollte Alles das
nichts helfen, ſo gebrauche man körperliche, doh ja
nicht harte und die ohnedies gereizten Nerven von
Neuem reizende Züchtigungsmittel.
Ein ſolcher Eigenſinn muß gebrochen werden,
und man ſehe ihn ja nicht als etwas Gutes an. Man
kann dem Kinde in ganz andern Dingen ſeinen Wil-
len laſſen und der Entwikelung zur Selbſtſtändigkeit
Raum geben, als da, wo das Kind direct gegen den
beſſern Willen ſeiner Eltern und Erzieher, die freilich
nie ohne (Grund gebieten und verbieten dürfen, an-
kämpft. Sobald jedoch die Kinder wieder ruhig und
gehorſam ſind, ſo ſei man auch wieder gut und freund:
lich, beſonders je jünger die Kinder ſind. Aeltere kann
man ſeinen Unwillen über ihren Ungehorſam länger
nachempfinden laſſen. =- Das ſind aber nur Mittel,
den einzelnen Ausbrüchen des Eigenſinns Widerſtand
zu leiſten. Man muß den Eigenſinn zerſtören,
um ihm ſein Aufkommen unmöglich zu maden, d. h.,
man pflanze Gehorſamz man ſuche die Kinder
überall an ein frohes, williges Thvn deſſen zu gewöh-
ven, was man fordert; man behandle ſie nicht mit
„zu erfüllen.
Widerſeßlichkeit = Widerſpenſtigkeit.
Härte (denn Härte und Despotismus erzeugen nur
Bitterkeit, Widerſpenſtigkeit und etwa eine heuchleri-
ſche Unterwerfung vor Augen), ſondern mit Liebe und
liebevollem Ernſte, ſo wird dyr Eigenſinn von ſelbſt
fallen.“ | -
No< weitläufiger ſpriht Niemeyer (Grundſägße
der Erziehung und des Unterrichts 2. 8. Aufl. Th. 1.
S. 30x f.) über die Behandlungsart eigenſinniger,
troßiger und widerſpenſtiger Zöglinge. Er giebt mit
Recht den Rath, vor Allem nach der Quelle dieſer
Fehler zu forſchen und darnach deren Heilart zu mo»
dificiren. Auc< Niemeyer empfiehlt Gewshnung
zum ſtrengen Gehorſam, ſo wie wohlwollende
Behandlung als die wirkfamſten Mittel gegen das
Aufkommen der Widerſeßlichkeit. Ueberdies ſagt er:
„Ausbrüche des Eigenfinns werden oft am beſten
beſtraft, wenn man gar nicht darauf achtet, gar
nicht zu hören ſcheint, was das Kind durch Cigen-
ſinn ertroßen will. Sobald es den rechten Weg
einſchlägt, zeige man ſich bereitwilliger, ſeine Wünſche
Stört ſein Eigenſinn die Geſellſchaft, ſo
werde es auf der Stelle entfernt. Giebt es nach, ſo
moraliſire man nicht weiter. Die Erfahrung, nichts
durc< Eigenſinn augzurichten , belehrt kräftiger als
Worte.“
„Man dulde kein Grollen, Maulen und Tro»
ßen, am wenigſten bei etwas größern Kindern. Bei
Ueinern achte man es nicht, wenn fie böſe thun.
So geht es am ſchnellſten vorüber. Bei größeren
aber entſteht daraus Erbitterung, wenn es gleich an-
fangs blos Verlegenheit iſt. Man fahre durch , rede
ſie an, bringe ſie zum Geſpräch, und ſie werden bald
ſelbſt froh werden, aus der peinlichen Lage gekommen
zu ſein, aus der fie ſich nur nicht ſelbſt zu helfen
wußten. --- E8 iſt ein kleinlicher Stolz mäncer
Erzieher, daß ſie dem Schuldigen nicht das erſte
Wort gönnen wollen und ſich lieber Tage und Wo-
quälen , -ehe ſie ihn anreden und ſeinem --- anfangs
vielleicht gepreßten, endlich aber gleichgiltig werdenden
= Herzen Luft verſchaffen. Als ob man ſich dadurch
von ſeinem Anſehen etwas vergäbe, wenn man dem
Unverſtändigen den Kopf zurecht ſekt, und als ob eine
erzwungene Abbitte in optima forma irgend einen pä-
dagogiſczen Nußen haben könnte! (Wir halten es ſo-
gar gefährlich, eine Abbitte durch angedrohte oder
zugefügte Strafe zu erzwingen: das muß entweder
heuchleriſche, oder verſto&te Kinder bilden. Und doch
iſes eine Lieblingsmaxime vieler Eltern und Erzie»
her!) -- Wer iſt in ſolchen Fällen der wahre Eigen-
ſinnige und kleinlic) Stolze? Doch wohl der Erzieher!“
„Wenn andere Leidenſchaften im Spiele ſind, ſo
muß die Behandlung zugleich mit auf dieſe gerichtet
ſein. Sind ſie beſiegt, ſo fällt der Cigenſinn von
ſelbſt hinweg. Wer Liebe und Vertrauen gewonnen
hat, wird folgſamere Zöglinge haben. Sind die Be-
griffe über wahre Chre, die oft ſelbſt in Nachge-
ben beſteht, berichtigt, ſo wird mancher kindiſche Eigen-
ſinn wegfallen. Hat der Blöde. nur erſt Muth und
Vertrauen gefaßt, ſo wird er höhſt lenkſam ſein.“ ---
Auf das Verderbliche einer erzwungenen Abbitte
weiſt auc; Jean Paul (Levana Th. 1. S. 229 f.)
hinz auch er iſt der Anſi zarte Weſen zum Widerſpruche zwiſchen Wort und

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.