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Berlin, auf folgende Weiſe geäußert, was auch außer
Preußen die Aufmerkſamkeit der Volksſchullehrer und
ihrer Behörden verdient, zumal da es die Zeit und ſtei-
gende Bolkszahl nothwendig macht, die Intereſſen der
Landwirthſchaft immer allgemeiner und ſchärfer in's
Auge zu faſſen.
„Eine Mitwirkung der Elementarſchule und ihrer
Lehrer für landwirthſchaftliche Intereſſen iſt ſchon ſeit
einiger Zeit öfters zur Sprache gebracht, und in dieſer
Beziehung namentlich gewünſcht worden, daß die Ele-
mentarſchule in ihrem Unterrichte überhaupt landwirth-
ſchaftliche Bildung berüFſichtigez daß ferner die Scul-
lehrer in ihrer Stellung zu den Gemeinden landwirth-
ſchaftliche Intereſſen fördern möchten, und daß zur
Erreichung beider Zweke bei der Vorbildung der Schul-
lehrer in den Seminarien RüFſicht auf deren Unter-
weiſung in landwirthſchaftlichen Kenntniſſen und Fer-
tigkeiten genommen werde.
„Was den letzten Punct betrifft, ſo wird ſchon ſeit
längerer Zeit in allen Seminarien der Monarchie Un-
terricht in der Obſtbaumzucht , in den meiſten auch im
Garten- und Gemüſebau ertheilt. Wenn es weiter
nur für zwe&mäßig und wünſchenswerth gehalten wer-
den kann, daß die Seminarien für künſtige Landſchul-
lehrer auf dem Lande befindlich und mit einer zur Füh-
rung eines eigenen Haushaltes ausreichenden Landdota-
tion verſchen ſeien, ſo ſtehen doh leicht erſichtlich einer
ſofortigen und durchgreifenden Cinrichtung dieſer Art
nicht zu beſeitigende Hinderniſſe entgegen. Wo ſich in-
deß ſolche Seminarien errichten laſſen und ihre Oeco-
nomie einem tüchtigen Landwirthe , womöglich unter
Fürſorge eines benachbarten landwirthſchaftlichen Ver-
eins, übertragen werden kann, läßt ſich erwarten, daß
die künftigen Schullehrer mitten in einem ländlich
eingerichteten Hausweſen ſtehend und an die leichten
Arbeiten des AFerbaues ſelbſt mit Hand anlegend,
nicht nur dem landwirthſchaftlichen Leben ſich nicht
entfremden , ſondern durch die veredelte Form, in wel-
genelgt gemacht werden, in ihrem ſpätern Berufsleben
daſſelbe dur< Unterricht und Beiſpiel fördern zu helfen.
In einer ſolchen dem Scminar zugehörigen Landwirth-
ſchaft wird ſich auch eine ſchikliche Gelegenheit darbic-
ten, durch den ſich an die eigenen practiſchen Erfah-
rungen anlehnenden Unterricht die Zöglinge zu einer
klaren Einſicht in die rationelle A>erwirthſchaft zu füh»
ren und ſie zu befähigen , deren Reſultate ſpäter in ih-
rer Umgebung zu einem Gemeingute des Bauernſtan-
des zu machen.
„Was den zweiten Punct betrifft, daß die Sculleh-
rer in ihrer Stellung zu den Gemeinden landwirth-
ſchaftliche Intereſſen fördern möchten, ſo iſt in dieſer
Beziehung zu wünſchen, wie auch in den Entwürfen
zu den neuen Schulordnungen vorgeſehen iſt, daß die
Schullehrerſtellen mit angemeſſener Landdotation ver-
ſehen ſeien. Wird auf dieſe Weiſe der Lehrer in ſei-
nem eigenen Intereſſe genöthigt, ſich den Beziehungen
des ländlichen Lebens nicht zu entfremden, ſo wird es
ihm auch leicht werden, zu ſeiner Gemeinde die Stel-
lung einzunehmen, welche es ſeiner größern Intelligenz
möglich macht , die Reſultate einer rationellen Agricul-
tur für das bäuerliche Leben zu vermitteln, beſonders
aber ein wirkſames Organ der landwirthſchaftlichen
Vereine für die Gemeinden. zu werden. Wird-dazu
Wirthſchaft. =- Wiſſenstrieb.
ſeine weiter unten zu erwähnende Betheiligung ar
Abend- oder Sonntagsſchulen für die erwachſenery
Jugend gerechnet, ſo dürfte ein Mehres nach der gam
zen Stellung des Schullehrers nicht zu fordern ſein
Indeſſen hängt eine derartige wünſchenswerthe Wirk.
ſamkeit der Schullehrer nicht blos von ihrer Tüchtigkeit
und Bereitwilligkeit, ſondern namentlich auch von det
Theilnahme und Mitwirkung der landwirthſchaftlichen
Vereine und der Ortsbehörden ab, wie denn z. B. die
Kenntniſſe der Schullehrer in der Obſtbaumzucht ohny
Erfolg bleiben, wenn ihnen nicht das nöthige Land zu
Anlegung von Baumſchulen angewieſen, ſo wie deren
Verwaltung und der Abſab der veredelten Bäume von
den Ortsbehörden regulirt wird.
„Wenn aber von der Elementarſchule verlangk wird
daß in ihr entweder eigentlicher Unterricht in der Land:
wirthſchaft, Anleitung zur Kenntniß, Benutßung und
Verbeſſerung der verſchiedenen Bodenarten, der
Dungmaterialien, der AFerbauwerkzeuge 2c. ertheilt
werde; oder ſie in ihrem Untericht eine landwirthſchaft-
liche Richtung verfolge, und alſo z. B. die Unterrichts:
fächer des Rechnens , der Naturgeſchichte, Geographie
Uu. ſ. w. in ausſchließlichhe Beziehung zur Landwirth»
ſchaft ſee, ſo ſteht dieſem Verlangen zunächſt entgegen,
daß die Clementarſchule nicht die Aufgabe verfolgen
kann, eine ſpecifiſche Berufsbildung, ſondern die allge:
meine Bildung zu ſchaffen, welche zur weitern Berufs:
bildung den Grund legt. Dieſes Verlangen ſcheint
aber auch darum keinen Anſpruch auf Berückſichtigung
zu verdienen, weil ein guter elementariſcher Unterricht
im Rechnen oder iu ähnlihen Fächern eben ſo zur Lö-
ſung der in der Landwirthſchaft vorkommenden, wie der
übrigen das gewöhnliche Leben berührenden Aufgaben
befähigt. == Eine ſolche Richtung der Elementarſchulen
iſt aber auch um deswillen unausführbar, weil ſie in
ihrer Durchführung eine Vernachläſſigung der die
Schule beſucgenden Mädchen und aller derjenigen Kna-«
ben mit ſich führen würde, welche zu ihrem Lebensbe-
rufe nicht die Landwirthſchaft erwählen, oder aber eine
allgemeine Scheidung der Elementarſchulen in ſolche
für Mädchen und Knaben und der lektern wieder in
verſchiedene Berufsſchulen nöthig machen würde. End»
lich muß ein theoretiſcher Unterricht in der Landwirth:
ſchaft für Clementarſchüler mit RüFſicht auf deren
Alter und geiſtige Entwi&elung für unwirkſam erachtet
werden 3 die Anleitung zu den practiſchen Manipulatio«
nen des AFerbaucs wird aber erfahrungsmäßig mit
beſſerm Erfolge dem Haus und dem Leben zu überlaſ-
ſen, als der Schule zu überweiſen ſein.
„Dagegen kann es nur für wünſchenswerth erachtet
werden, daß die Einrichtung von Sonntags oder
Abendſchulen für die erwachſene Jugend befördert . in
dieſen auch die landwirthſchaftliche Bildung des Volkes
berüFſichtige und die Schullehrer zur erfolgreichen
Theilnahme an dieſen Schulen in den Stand geſebt
werden.
Wiſſen ſ. Erkennen.
WiſſensStrieb. Dieſer Trieb iſt eben ſo wenig
ein beſonderer angeborener, als etwa der Spieltried,
. der Ehrtrieb, der Geldtrieb und andere, ſondern erſt
ein Product der entwielten Urtriebe , d. h. der Urver-
mögen, die ſtrebender oder treibender Natur von Hauſe
aus ſind. . Soll er entſtehen, dieſer Wiſſens= oder Lern-
trieb, ſo kann dies nur dadurch. geſchehen, daß dit

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