Zeitgeiſt.
der Aufſicht der Kirche, ſowie den Wunſch, auh von
den Schulgemeinden unabhängig zu werden z man war
nicht mehr zufrieden damit, das Schulgeld fixirt zu
ſehen und daſſelbe nicht ſelbſt mehr eintreiben zu müſ-
ſen; man wollte aus Staatscaſſen beſoldet ſein. Man
wollte ſelbſt mitreden im Schulvorſtande, ſowie in der
Ständeverſammlung. =- Der Aſſociationsgeiſt
der Zeit brachte auch die Lehrer einander näher: die
collegialiſchen Schullehrerconferenzen, mit dem Zwecke
der Fortbildung für das eigentliche Berufsleben, dil-
deten ſich immer mehr aus, wurden zu großen Lehrer-
vereinen und gaben zu Feſten und Verſammlungen
Anlaß , die bisweilen über das Gebiet der Schule
hinaus in das des öffentlichen Lebens abſchweiften.
Vorzüglich war es das Verlangen nach Emanci-
pation der Schule, welches viele Köpfe und Federn in
Bewegung geſebt hat: der Kampf iſt nach kurzem
Waffenſtillſtande immer wieder auf's Neue entbrannt.
Wir haben die Hauptpuncte dieſes Streites und die
vorzüglichſten Vorfechter deſſelben ſchon früher nam-
haft gemacht. (Vergl. die Art. „Aufſicht über die
Bolksſchule“ Th. 1. S. 201 ff. „Emancipation“ ---
ib. S. 571.)
Das in unſerer Zeit beſonders vorwaltende Nüs-
lichkeitsprincip hat manchen extremen Richtungen,
die in der Erziehung wie in der Schule zum Vor-
ſchein kamen, gar bald ihr Unpractiſches fühlbar ge-
macht, und es kann nicht fehlen, daß man allmählig
nüchterner und beſonnener wird und die rechte Mitte
auffindet. Man wird immer mehr erkennen, daß Er-
ziehung und Unterricht einander gegenſeitig durc gen müſſen ; Kirhe , Schule und Haus werden ſich
inniger mit einander verbinden, ohne daß das Eine
die Freiheit des Andern beſchränken wollte; der Staat,
als Schukpatron Aller, wird auc) der Schule noh
alle die Zugeſtändniſſe machen, die er ihr machen
kann. „Freiheit und Einigkeit!“ Das iſt's, was al:
lein das Gedeihen der häuslichen und öffentlichen Er-
ziehung fördern kann 3; aber Beides kann hier wie dort
nur in's Leben treten, wenn man ſich einiget in dem
Worte der Schrift: „Wen der Sohn frei macht, der
iſt recht frei.“ Die Freiheit unſerer Zeit hat den
Geiſt der Zwietracht geborenz möge eine ſpätere Zeit
Mutter eines beſſern Geiſtes werden! --
Wir knüpfen hier noch einige literariſche Htachwei:-
ſungen an. .
Allg. Sc e„Meber die befremdenden Richtungen unſirer Zeit. Ein
Wort in Beziehung auf Unterricht und Bildung z aus dem
Geſichtspuncte der Erfahrung betrachtet.“ -
Allg. Sc „Zeitbild.!
Mit etwas grellen Farben aufgetragen. |
S5 ulblatt für die Provinz Brandenburg 1847.
H c Ff Emancipation der Schule vom Prediger
In dieſem Aufſaße findet ſich S. 105 ff. eine Nachwei-
ſung des Entwi>elungsgangcs , den die moderne Pädagogik
und die Volksſchule genommen haben. Dabei wird von der
Anſicht ausgegangen: Die Geſchichte der von Kirche und
Staat emancipirt geborenenen Pädagogik ſei. zum Abſchluß
gekommen , nachdem ſie mit Rouſſeau, Baſedow und Peſta-
lozzi die verſchiedenen Stadien durc ihr nun nichts übrig, als ſich von Kirche , Staat und Wiſſen-
Saft wieder in's Schlepptau nehmen zu laſſen. Der Schule
Ennen die Lebensſäfte Teineswegs aus einem Syſtem des pä-
dagogiſchen Wiſſens zufließen 3 die Pädagogik habe vielmehr

Zeitſchriften. 971
auf dem Boden des kirchlichen , ſtaatlichen und Familienleben»
einen feſten Grund zu ſuchen.
Tiefe Bli>e in den pädagogiſchen Geiſt unſerer Zeit ent-
hält auß Gurtmann's Shrift: „Die Schule und vas
Leben.“ Friedberg. 1842.
Ueber den vormaligen pädag. Zeitgeiſt haben Reſewit
und Schloſſer mancherlei treffende Bemerkungen gemacht.
Zeitſchriften. Wie es in der pädagogiſchen
Welt einen Zeitgeiſt giebt, der ſich mehr oder weniger
unter den Pädagogen geſtaltet, ſo giebt es auch Zeit-
ſchriften, welche mehr oder weniger den pädagogi-
ſchen Zeitgeiſt darzuſtellen ſuchen. Wie aber der pä-
dagogiſche Zeitgeiſt fortwährend wechſelt und entweder
vor: oder rüwärts ſchreitet, ſo auch iſt dies dei den
pädagogiſchen Zeitſchriften der Fall: ſie wechſeln fort:
gehend ihre Form und ihren Geiſt, und tragen nicht
ſelten den Character der Perſon, welche ſie redigirt.
Dies iſt indeß nicht immer recht und gut.
Jedes pädagogiſche Zeitalter hat feine beſonderen
pädagogiſchen Zeitſchriften. Solche , welhe noh vor
einem Jahrzehend und früher no< geltend waren und
zum Theil heute noch in Fortſezungen gelten, hat
Dr. Hergang in ſeinen „Zehn Jahren aus meinem
Schulleben 2c.““ 2. Th. S. 116 f. und in ſeinem
„Handbuche der pädagogiſchen Literatur 2c. (Leipzig,
1840) S- 314 f. aufgezeichnet. Sie noc< einmal
hier aufzuführen, halten wir für unnöthig, weil ein
Theil derſelben zu den Eintagsfliegen gehörte; nur
hinweiſen wollen wir hier auf einige, welche ſchon ſeit
langen Jahren einen guten Fortgang haben, weil ſie
von Zeit zu Zeit dem Pädagogen und Sculmanne
ein edles Metall gaben, das edel benußt werden könnte.
Wir rechnen dahin: Allgemeine Sculzeitung,
begründet von Dr. E. Zimmermänn in Darmſtadt,
und fortgeſezt von deſſen Bruder, in Gemeinſchaft
mit Dr. Vogel in Leipzig. =“ Rheiniſche Blätter
für Erziehung und Unterricht 2x. Herausgegeben von
Dr. W. Dieſterweg in Berlin. -- Pädagog. Revue.
Central:Organ für Pädagogik, Didactik, Culturpoli-
tik 2c. von Dr. Mager. 8. Igg. (1847.) Sul-
blatt für die Provinz Brandenburg. Herausgegeben
von D. Schulz u. A., in monatl. Heften. =“ Jahr:
bücher, neue, für Philologie und Pädagogik 2c. In
Verbindung mit einem Verein von Gelehrten, heraus:
gegeben von Jahn und Kloß. -- Jahrbuch für Leh-
rer, Eltern und Erzieher, herausgegeben von Jgnaz
Jakſch. 14. Igg. 1847. Prag; --- und Andere. Zu
den neuern und neueſten rechnen wir: Euterpe. Ein
muſikaliſches Monatsblatt für Deutſchlands Volks:
ſchullehrer 2. Herausgegeben von E. Henzſchel , Mu-
ſikdir. und Seminarlehrer in Weißenfels. =““ Schul-
Meurs. (1 Thir. 10 Ngr.) --- Pädagogiſche Zeis-
tung 2c. von Dr. Gräfe und Clemen in Caſſel. ---
Jahrbücher, Berliner. Eine Monatsſchrift, redigirt
und herausgegeben von Bloch , Böhm, Breter 1c. in
Heften. --- Zeitſchrift, katholiſche 2. Herausgege:
ben von Th. Rottels 2c. in Heften. -- Sähſ.
Schul-Zeitung, redig. von I. Kell. --- Schulblatt
für die Lehrer an den Bürger - und Landſchulen im
Herzogthume Braunſchweig. Vom Seminar : und
Schuldir. Ludwig in Wolfenbüttel. --- Der Volks:
ſc zunächſt der Provinz Preußen. Fortgeſ. von J. A.
122*

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.