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ſeine treue Lebensgefährtin und die Mutter ſeiner ſie:
ben Kinder. Heimathsſehnſucht ergriff ſein Herz, und
nachdem die Gnade ſeines Königs ihm no< den rothen
Ädlerorden 3. Claſſe verliehen hatte, zog er im IJ.
1834 nach Stuttgart. Sein leßtes Wirken war dem
Baterlande gewidmet: die Anſtalt in Lichtenſtein ver:
dankt ihm die erſte Begründung und Belebung; ſie
verdankt ihm ein Gebäude im Werthe von 1100 Fl.
als Geſchenk 3 ſie verdankt ihm fortwährende Fürſorge
und Fürſpra genöthigt, zog Zeller endlich) im Herbſt 1837 nach
Stuttgart zurück.
Cin vielbewegtes Leben kam zu ſeinem Ziel, als er
vor Kurzem (zu. Anfang des J. 1847) von dannen
ging, ein Leben, das nicht raſten konnte, das ruhigcren
Pulſen oft als unruhiges Jagen erſcheinen mochtez
ein Leben, das ohne äußere Anerkennung zu verſchma-
hen, doh in treuer Pflichterfüllung ſich ſelbſt gar oft
vergaß, das willig ſeine Kraft lieh, wo es galt, irgend
etwas Heilſames zu erwirken, und beſonders den Klei:
nen und Armen im Volke eine Erleichterung darzubieten.
Nicht um Begonnenes mit langſam zwingender und
Überwindender Geduld und Stetigkeit zu tragen und
weiter zu führen, nicht dazu war dieſe Eigenthümlich-
keit geſchaffen ; es war, wie der Vollendete ſich ſelber
ausdrückte , ſeine Lebengeigenthümlichkeit, aber auch die
Aufgabe ſeiner Lebensführung, ein „Mauerbrecher“ in
ſeinem Berufe zu ſeinz ſeines Thuns war es, auf wü:
ſtem und ödem Grunde ein Gebäude aufzuführen , die
Meublirung aber Andern zu Überlaſſen. Schäßbare,
namentlich für junge Theologen anregende Winke,
welche noch lange nicht gehörig gewürdigt ſind , hat er
in der Schrift: „Thomas? oder Johannes und Pau-
lus ?“' (Bonn, Markus. 1833) niedergelegt. Seines
Lebens Wollen und Wirken iſt bewußt und unbewußt
in das Leben der Schule übergegangen (ſo hat z. B.
mit ihm die Geſangscultur in unſern Schulen begon:
nen)z er hat thatkräftig niht nuc das Empfangene
verbreitend, ſondern auch das Vorhandene mit ſelbſt-
ſtändigem Geiſte ſichtend und geiſtig weiter bildend in
die Entwikelung der Pädagogik eingegriffen. Sein
Mame wird in ihrer Geſchichte unverlierbar bleiben.
. die Rede in der Generalverſammlung des Koönigs-
berger Dintervereins, gehalten vom Diaconus Dr.
Henkel , in Fatſche>s Vierteljahrſchrift für das Erzie:
hungs- und Schulweſen. 1845. Hft. 1. S. 61. --
Der jekige Standpunct des geſammten preußiſchen
Volksſchulweſens von Dr. Harniſch. S. 9. Wir
nennen hier noch die bekannteſten Arbeiten ſeiner päda-
gögiſchen Feder, wie ſie Vergang's „Handbuch der
pädagogiſchen Literatur“ aufführt.
Seller, Dr. &. A., die Sd leitung zur Schulerziehung nach dem Muſtcr der Kinder-
Rettungsanſtalt. 4. zu dieſem Zwe>e bearbcitete Aufl.
9. Gr. Leipzig, Hinrichs'ſche Buchhandlg. 1839.
Der verewigte K.-R. S< warz führt dieſe Schrift in
ſeiner „Die Schulen „' als eine treffliche an. [. S. 247. ---
1-Der Verf, , ſagt Zeller in der Vorrede , hat in der Schule
ſeines Lebens Viel erfahren. Er hat wohl mehr als 1000
Volksſchuten geſchen, deutſche , franzöſiſche , polniſche , und
litthauiſche, und im Laufe von 32 Jahren begriffen, was ihr.cn
Noth thut.“ --- Nach einer erzählenden Einleitung über Menſ<,
Erziehung u. ſ. w. handelt der erſte Abſchnitt von den Außen-
verhältniſſen der Volksſchule, der zweite von dem innern
eben der Volksſchule; dann folgt der Anhang.
nftructiv und in Frage und Antwort geſtellt.

Alles iſt
Inſonder-
Zeller. == Zergliedern.
Heit Lehrer und Lehrerinnen an Kinderbewahranſtalten und
Kleinkinderſchulen ſollten dieſe Schrift fleißig ſtudiren. ==
S. Rhein. Bl. 24. Bds. 3. Hft. 1841. |
Derſelbe, die Elementarſ< und ihre Verfaſſung. Königsberg. 1815. (16 gGr.)
Derſelbe, das Evangelium von Jeſu Chriſto oder
ſein Charackerbild , wie ſolches, nicht dern na monie der Evangelien hervortritt. Stuttgart , Literat.«
Compt. 1839. (14 zGSr.)
Au unter dem Titel :
Lernmittel für den wechſelſeitigen Unterricht in der
Volksſchule.
Eine im äußern Preiſe zu hoch ſtehende , aber im innern
Werthe zu ſchäkende und zu empfehlende Shrift. S. Allg.
Sculztg. 1841. Nr. 179. “
Derſelbe, kleine Raumlehre (Geometrie) für Volkg-
ſchulen. 3. Bd (24 gSr.) Auch unter dem Titel: Lernmittel für den
wechſelſeitigen Unterricht. 1. Hft.: Sinnliche Anſchau-
ungen räumlicher Verhältniſſe, Benennungen und Berech»
nungen. 2. Hft.: Geiſtige Anſc hältniſſe, Lehrſäße und deren Beweiſe. 3. Hft. : Aufgaben,
deren Löſungen und Beweiſe.
Dieſterweg in den Rhein. Bl. 24. Bdz. 3. Hft. 1841
ſagt von dicſer Schrift: mDie Gabe des Verf. iſt dankengs-
werth 3 er beſißt die elementariſche Darſtellungskunft, das
Vorgetragene iſt klar, beſtimmt , nur iſt die Vertzyeilung des
Stoffes nicht gut.“ In den „Bidättern aus Süddeutſchland“
ſind Zellers Lernmittel ausfährlich dargeſtellt. (4. Ig3g. 1840
. Hft.)
Derſclbe, klein: Geſanglehre für Volksſchulcn.
dem Titel: Lernmittel für den wechſelſeitizen Unterricht.
« 8 Bdhen. Stuttgart, Liter. -Compt. 1839, (14 gGr.)
Cinige biographiſche Notizen von dem Verſtorbe:
nen finden fich in der „pädagogiſchen Zeitung“ von
Gräfe und Clemen (3. Igg. 1. Bd. 7. Hft. 1847),
aus dem Schwäbiſchen Merkur entlehnt. Auch hat
FV. S. (Fr. Schäfer, Waiſenhauslehrer zu Frankfurt
a. M.) eine vollſtändigere Characteriſtik des trefflichen
Zeller in der Allg. Schulztg. Igg. 1847 Nr. 52--54
geliefert. Wir machen auf dieſe beſonders aufmerkſam.
Au< unter
Zergliedern, catechetiſches. Das Zergliedern
iſt ein Geſchäft, welches dem Gatecheten hinſichtlich
des vorliegenden Textes zukommt. Es beſteht darin,
daß man „einen gegebenen Saß in ſeine Be:
ſtandtheile zerlegt, und dur< Fragen den
Schüler anleitet, dieſe Veſtandtheile einzeln
anzugeben.“ Die Zergliederung hat nur den Zwe,
die Aufmerkſamkeit der Schüler auf den gegebenen Saß
hinzulenken und die Gegenſtände hervorzuheben, die wei-
terhin erklärt werden ſollen. |
Ueber die Wichtigkeit und den Nugen derſelben
ſagt Dinter: „Wenn man ehemals darin fehlte,
daß man die bloß wörtlich zergliedernde Cateciſation
für das einzige oder doch für das Hauptgeſchäft des
Catecheten anſahe , ſo fehlt man jeht eben ſo ſehr,
wenn man es faſt ganz vernachläſſigt. Site ſoll die
Kinder beim Leſen zum Aufmerken gewöhnen, zum
Nachdenken erwe>en; Säße in ihre Beſtandtheile zer-
legen und aus ihren Beſtandtheilen wieder zuſammen-
ſeen laſſen, und ſo zur Ordnung und Klarheit im
Denken anleiten. Sie iſt daher deſto nöthiger, je
ſchwächer die Kinder ſind, je öfter ſie noMZm ohne Ver-
ſtand leſen oder doch einzelne Theile der Sätze über-
ſehen. Je verſtändiger die Kinder werden, je aufmerk:
ſamer ſie leſen, deſto mehr muß ſich dieſe dann lang-
weilig werdende Kleinlichkeit vermindern. Aber ganz
wegfallen darf ſie nie. Selbſt die kiügern Kinder be:

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