richtig, wenn man ſie nur mit richtigen Begriffen ver-
ſieht. Man ſorge alſo für das Einſammeln richtiger
Vorſtellungen.
Das Ergebniß der ganzen Unterſuchung iſt:
„Der ganz veſtimmte Zwe> der Erziehung iſt:
Brauchbarkeit der Sinnlichkeit, des Verſtan-
des und der theoretiſchen und practiſchen
Vernunft.
Man ſieht leit, daß Braubach's Princip der Er-
ziehung: „Erziehe den Menſchen zu ſeinem eigenen
Erzieher!“ = viel höher ſteht. Eine Kritik dieſes
Braubacſchen Principes findet ſich in Dr. W. I. G.
Curtmann'*s trefflicher Preisſchrift: „Die Schule
und das Leben“ (Friedberg. 1842) S. 94. --- Curt-
mann ſagt darüber: „So beſtehend dies klingt, ſo
halte iM dom unſere Zeit noch gar nicht für reif, ſo
vieldeutige Principien mit Nuten anzuwenden. Man
predige unſerer Jugend nur auf dieſe Weiſe die Frei-
heit und die Selbſtſtändigkeit, und fie wird uns bald
über den Kopf gewachſen ſein. --- Ohne ein hiſtori-
ſches Element in unſern Erziehungsgrundſäßen beſorge
ich Frühreife und Larxheit.“ Curtmann ſtellt daher als
Grundſatz der Erziehung auf: „Strebet aus allen
Kräften na< Erhaltung und Förderung der
Hriſtlichen Civiliſation.“
Die neueſte, dieſen Gegenſtand betreffende Schrift:
F- W. Ebeling, die Erziehung nach ihren verſchiedenen
3we&ken, Grundſäten, Mitteln und Methoden hiſtoriſch
und kritiſch) dargeſtelt. Leipzig. 1844. (3 Thir.)
ſch.
Zwingli (Ulri<). Dieſer mit Luthern gleichzei-
tig wirkende Reformator wurde zu Wildhaus in der
ſchweizeriſchen Grafſchaft Toggenburg am 1. Januar
des IJ. 1484 als der dritte von a Amtmanns geboren *). Schon als Knabe durch Ta-
lent ausgezeihnet, ward er von ſeinem Vater zum
geiſtlihen Stande beſtimmt. In ſeinem zehnten
Jahre ſchi&te ihn derſelbe zuerſt naz Baſel, um den
Grund zu ſeiner künftigen Gelehrſamkeit zu legen,
dann nac< Bern, wo er beſonders unter der Anleitung
des in der damaligen Zeit als Dichter und Gelehrter
berühmten Heinrich Lupulus (Wölflein) die alten Claſ-
ſiker ſtudirte. Die Dominikaner, welche zu Bern in
großem Anſehen ſtanden und talentvolle Jünglinge in
ihren Orden zu ziehen ſuchten, warben um Zwingliz
allein ſein Vater, der dieſes nicht wollte, nahm ihn
da weg und ſchite ihn nach Wien. Hier ſtudirte er
Philoſophie. Nad) zwei Jahren verließ er dieſe Uni-
verſität, ging, damals 18 Jahre alt, nach Baſel und
widmete ſich der Theologie, ward hier Magiſter und
lehrte die alten Sprachen. Er las für ſich mehre grie:
hier durch ſein muſikaliſches Talent unterſtübt. Im
I. 1506 wurde er Pfarrer in Glarus und empfing
die Prieſterweihe. Hier that er, was Luther im
Auguſtinerkloſter zu Erfurt that, er las fleißig die hei-
lige Schrif. Die Briefe Pauli ſchrieb er in der
Grundſprache ab und lernte ſie aus8wendig, was ihm
nachher bei ſeinen Disputationen guke Dienſte that.
Er erregte in Glarus durch den bibliſchen Gehalt ſei-
ner Predigten und durch ſeine Freimüthigkeit zehn
Jahre lang den wahren Geiſt der Reformation , ohne
der Kirche abtrünnig und ohne von ihr verfolgt zu
"3 Sein Vater war nic Zwe der Erziehung. == Zwingli.
werden, ja er erhielt ſogar vom Papſre , Adrian Yl.
Gunſtbezeigungen.
Als der Freiherr von Geroldse> die Abtei Einfie-
deln, deren Vorſteher er war, zu einem Vorſamm:-
lungsorte von Gelehrten machen wollte, berief ex auch
Zwingli als Prediger dorthin. Hier ſeßte derfelbe
ſeine Studien fort und predigte mit noch größerer
GTreimüthigkeit wider die in der Kirche eingeriſſenen
und für ſie ſelbſt in moraliſcher Hinficht ſo verderbli-
gen ihn entſtanden. Indeſſen behielt er die Gunſt der
geiſtlichen Obern und des Papſtesz ſein Nuf verbreitete
ſich, und er kam in Briefwechſel mit den bedeutend-
ſten Gelehrten, mit Erasmus, Oekolampadius, Capnio
Beatus Rhenanus 2c53 beſonders wurde Myconius
Lehrer der alten Sprachen zu Zürich ,*) ſein Freund,
der ihn auch zum Prediger dorthin zog, mit dem An-
fange des Jahres 1519.
Jekt begann ſein Kampf und Sieg als Reforma-:
tor und zwar unabhängig von Luther; do< das müſ-
ſen wir hier übergehen. Seine Thätigkeit wirkte mehr
von Innen, und er bat ſelbſt den Biſchof zu Conſtanz,
ſich an die Spike einer vorſichtigen Kirchen - Reforma-
tion zu ſtellen, da er das Unheil des gewaitſamen Um-
ſturzes fürchtete. Doh ging er im Kampfe gegen die
Bilder zu weit, und wenn er gleich nur die damaligen
AbgeſchmaEtheiten abſchaffen und durch einen muſika-
liſchen Geſang den Gottesdienſt erhöhen und verſchö-
nern wollte, ſo veranlaßte er doch eine Trennung der
ſchönen Kunſt von dem Gottesdienſte. Dafür war er
deſto mehr durc< ſeine kräftige Beredtſamkeit in ſeinen
Predigten zur Bildung aller Volksclaſſen wirkſam.
Unter ſeinem Einfluſſe wurden auch die Schulen ſei:
ner Vaterſtadt beſſer eingerichtet, wie denn von ihm
und mehren Männern, die ſich an ihn anſchloſſen,
ſich der neue Geiſt in der Schweiz verbreitete: Er
hakte ſich in frühern Jahren als Feldprediger auch im
Kriege herzhaft bewieſen , jeht rief: ihn ſeine Bürger-
pflicht in das Gefecht der Züricher gegen die kleinen
Cantone. Kaum war er angekommen, ſo fiel er un-
ter tödtlichen Streichen, als Kriegs= und Glaubens-
held zugleich z es war im J. 1531 am 11. Octbr. --
Der Leichnam des Edlen ward von den Feinden ---
ſeinen Landsleuten! = verbrannt und die Aſche in
alle Winde zerſtreut 3 =- ein ſchändlicher Religionshaß.
- Zwingli hat in einem kurzen Leben, eigenklich
nur in den zwölf leßten Jahren deſſelben, beſchäftigt
mit ſeinem kir der ſtudirenden Jugend, und mit den unaufhörlichen
Sorgen für den Fortgang der- Reformation in ver-
ſchiedenen Gegenden, auch in: Verbindung mit vielen
gleichgeſinnten Männern, durch die er wirkte, gleich:
wohl ſo viel , und darunter ſo manches Gute und
Brauchbare, geſchrieben, daß man billig nicht nur den
") Sein Leben hat in neucfter Zeit der vormalige ſächſ.
Superintendent Lommaßſ O3wald Myconius hieß eigentlih Geißhüsler, zu Luzern
geboren , bezog die Gelehrtenſchule zu Baſel 15190, eit
1516 fölate er dem Rufe an die Stiftſchule zu Zürich, wo cr
in Freundſchaft mit Zwingli lebte , und die Reformation för-
dern half. Von da ging er zu Ende des J. 1519 an die
Stiftsſchule nac< Luzern, wurde von da vertrieben , und ließ
ſich 1523 zum zweiten Mal in Zürich nieder, wo er ſein Ta-
lent als Schulmann entwickelte. Im I. 1337 ward er Pfear-
rer zu Baſel und ſtarb daſelbſt 1555. ' -

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.