Notizen aus dem engliſchen Anfangsunterricht,
Vo
Dr. U. Kadler.
Die von berufenen Männern der Theorie wie der Praxis ſeit langer
Zeit warm befürwortete und auch vielfac „neuen Methode" im fremdſprachlichen Unterrichte, zumal im neuſprach-
lichen, hat auf der gegneriſchen Seite in Wort und Schrift eine Polemik
heraufbeſchworen, die do< das Gute gehabt hat, im Laufe der Zeit durch
Darlegung ruhiger Erwägungen beiden Richtungen die Extreme abzuſchneiden
und ihnen die Erkenntnis abzunötigen, daß man vom Gegner doch auch
manche8 lernen könne, ohne ein pater peccav1 ſtammeln zu müſſen. Viel
zur Widerlegung der übertriebenen, aber weit verbreiteten Anſicht, als
wollten die Herren der „neuen Methode“ aus dem Schüler ſelbſt einen
ſattelfeſten Phonetiker machen und, gemäß ihrer zweiten Forderung, die
Grammatik ganz über Bord werfen, haben namentlich die ſorgſamen
Programmarbeiten von Quiehl, Rambeau und Walter beigetragen, welche
über praktiſ Stand der Frage, welche den neuſprachlichen Unterricht in ſeinen heiligſten
Intereſſen berührt, läßt ſich wohl dahin feſtſtellen, daß man von beiden
Seiten nachgegeben hat und dem Prinzip mehr oder weniger huldigt,
„medio tutissimus 1bis“, was ja auch Schaefer in ſeiner „vermittelnden
Methode“, freilich nach anderer Richtung hin, bereits vor geraumer Zeit
verſochten hat.
Auch die folgenden Zeilen ſollen 8ine 1ra eb studio nur Notizen aus
meinem eigenen Verfahren im engliſchen Anfangs3unterricht der Realunter-
tertia enthalten und zeigen, wieviel ich von den Forderungen der Reformer
betreffend „Phonetik“ und „induktive Methode“ als meinem Unterricht zu-
ſagend anſehe; eine Begründung meines Verfahrens behalte ich mir vor.
Vorausſchien will ich die Bemerkung, daß an unſerex Anſtalt das
„Glementarbuch der Englijc von Dr. I. Schmidt" (1884. 89. 1,60 Mk.) eingeführt iſt und der
Lehrplan des Englijchen die Durc des Sommerſemeſters vorſchreibt. J nehmenden Laute =- oder, richtiger geſagt, Buchſtabenverbindungen, denn
Schmidt geht ja vom Buchſtaben aus -- auf die große Anzahl von Para-
graphen, welche Schmidt dafür verwendet, für durchaus unzwec>mäßig und
laſſe daher die erſten Stunden da8 Lehrbuch ganz beiſeite. Die Klaſſe
umfaßt 23 Schüler von mittelmäßiger Begabung; die 4 Stunden liegen
ſämtlich nachm. von 3--4 Uhr.
1, Stunde, (Freitag, 26. April, nachm. 3--4 Uhr.) Nach einer
kurzen Bemerkung über das Ziel des Unterrichts frage ich nach der Ortlich-
keit, wo die engliſche Sprache geſprochen wird. Daran knüpfe ich die Er-
zählung von dem Manne namens Abel, der während ſeines Aufenthalts in
England, der Ausſprache ſeines Namens nachgebend, denſelben Ebel,
Ibel u. ]. w. ſchreibt, ohne doch ſeinen Zwe> zu erreichen, und weiſe, in
Analogie zum Franzöſiſchen, auf den Unterſchied hin, den wir hier in noch
größerem Maßſtabe zwiſchen Ausſprache und Schrift finden würden. Auch

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