Warum iſt die Einheitsſchule eine ſoziale, nationale
und pädagogiſche Notwendigkeit ?
Vortrag, gehalten auf der 4. Generalverſammlung des LandeSsvereins Preußiſcher
Volksſchullehrexinnen
von
Maria Liſchnewska,
1.
Hochgeehrte Verſammlung! Liebe Kolleginnen!
Da der Vorſtand ſich biSher bei Aufſtellung der Tagesordnung ſtets
von dem Gedanken leiten ließ, daß nur neue, das Leben der Gegenwart
beherrſchende Fragen zur Verhandlung kommen ſollen, ſo muß ich zunächſt
die Berechtigung und Notwendigkeit meines Themas nachweiſen. Seit faſt
300 Jahren, ſeit den Tagen des Comenius, hat der Gedanke der Einheit8-
ſchule das Heimatsrecht in der pädagogiſchen Welt. Neu iſt er niht. Aber
wie es mit großen reformatoriſchen Jdeen, die man richtiger revolutionäre
nennen müßte, zu ergehen pflegt, jo iſt es auch hier ergangen. In mühe-
voller, jahrhundertelanger Arbeit hat ſich der Gedanke der Einheitsſchule
erweitert, vertieft, durc volle, flutende Leben der praktiſch-thätigen Menſchen hinein. Da und dort,
in Bayern, der Schweiz, Norwegen, iſt ihm ein realer Boden bereitet.
Der volle Sieg iſt ihm bis8her nirgend8 geworden. Große und nicht miß-
zuverſtehende Anzeichen aber deuten darauf hin, daß wir uns in den lekten
Stadien der Entwickelung der Frage beſinden, daß die nächſten Jahrzehnte
ihre Verwirklichung bringen müſſen und zwar auf deutſchem Boden.
Darum iſt es notwendig, daß die Volksſchullehrerſchaft zu dem Gedanken
Stellung nimmt in dieſer neuen Zeit und ihre Pflicht in den Kämpfen,
die uns bevorſtehen, klar erkennt.
I< habe von bedeutſamen Anzeichen geſprochen, die uns zeigen, wir
ſchreiten dem Ziele zu. E3 können das nicht Tageserſcheinungen ſein, denn
die Ginheitöichule bedeutet eine Revolution unſeres Denkens auf ſozialem,
nationalem und pädagogiſchem Gebiete, und Revolutionen bauen ſich auf
flüchtigen Tageserſc Bewegungen handeln, die langjam, aber ſtetig wachſend allein imſtande
ſind, die ſolche Revolutionen zu tragen und aus ihrem Schoße zu gebären.
Und ſo iſt es auch der SozialiSmus, der Nationalizmus und die von
Fachleuten und Laien getragene pädagogiſche Bewegung ſind die drei großen
Faktoren, welche uns den Sieg bringen müſſen; denn die Einheitsſchule iſt
ja in gleichem Maße die einzig ſichere Grundlage, welche Soziali3mys,
NationaliSmus und pädagogiſche Wiſſenſchaft anſtreben müſſen, wenn ſie
nicht in den Wolken wandeln, ſondern auf geſundem und unerſchütterlichem
Boden ſtehen wollen. Welche Gewalt dieſe drei geiſtigen Strömungen ſchon
heute haben, bedarf keines Beweiſes. Unſer wirtſchaftliches, geiſtiges, künſt-
leriſches und politiſches Leben wird in entſcheidender Weiſe von ihnen be-
herrſcht. Der ſtärkſte im Bunde iſt der NationalisSmus, weil er in den
gebildeten, geiſtig führenden Klaſſen die bedeutendſte Stüße hat und weil
Die Lehrerin. XVIII. Jahrgang. Heft 21. 61

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