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Eigenſinn.
- Der Eigenſinn iſt eine ſehr böſe Krankheit. Wer
dieſe hat, wird niemals froh, Es iſt ihm alles nicht
kecht. Kinder, die davon befallen werden , weinen,
und man weiß nicht, warum ? Sie werden dadurd)
ſo unangenehm , daß alles von ihnen weicht. Jhre
Eltern entfernen ſie aus der Stube, und ihre Ge-
ſchwiſter wollen nicht mit ihnen ſpielen. Wenn ich
ſo etwas an meinen Kindern merke, ſo laſſe ich ſie
weder an dem FrühſtüFe no< an andern Vergnü-
gungen Theil nehmen, bis dieſe Krankheit ſich gelegt
hat. Denn ic und Vergnügungen ſich ihr Zuſtand immer mehr ver-
ſchlimmert. ſ. Salzmanns Unterhaltungen für Kin-
der und Kinderfreunde, 3. Bändchen. Leipz, bei Cru-
ſius 1780, |
Eigenſinn iſt vorhanden, wenn man dem, was
die Umſtände , oder was Andere wollen, widerſtrebt, .
ohne irgend einen vernünftigen Grund dazu anführen
zu können. Weil alſo derjenige , der des Eigenſinns
beſchuldiget wird, ſchon im Stand ſeyn muß, wenig»
ſtens einigermaſſen vernünftig zu denken und zu han-
deln: ſo folgt, daß man von Kindern unter zwei
bis dritthalb Jahren, ſo lange ſie nämlich theils nom
nicht reden können, theils was man zu ihnen ſagt,
erſt verſtehen lernen müſſen, und alſo oft noh miß-
deuten werden, nie mit Gewißheit behaupten kann,
daß ſie eigenknnig ſind. Es kann ein ſehr dringendes
Geiſtes - oder Körperbedürfniß , oder ein Mißverſtand
ſeyn, was die Kinder antreibt, anders zu handeln, als
es die Erwachſenen wollen, die mik den Kindern um-
gehen. = Es iſt hier die Rede von Kindern, welche,
und in ſo feen ſie verſtehen , was ihnen votgeſchris-

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