Beſinnen =- Beſinnungövermögen. 87
daß ſie andere in Betreſſ ihrer Pflichterfüllung beauffichtet , dieter
Pflichten ſelbt deſto lebhafter bewußt, und zur Erfüllung derſelben
geneigt. Außerdem wird dadurch nicht nur ein ſehr wohlthätiger
Gemeingeiſt begründet, der aus ſich ſelbſt herausgeht, um auch für
andere, und für das Gedeihen des Ganzen zu wirken , ſondern es
wird auch ein Sinn fär geordnete Thätigkeit erzeugt, der in das
ganze kommende Leben mit hinüber geht. „Die Trägen und Sc zur Nacheiferung anſpornen, wenn er etwa ſagt : Ich wollte dich)
gerne auch einmal zum Aufſcher machen, aber du biſt noch zu weit
zurück , machſt noch zu viele Fehler 2c. ; bemühe dic) nur, daß du
den andern nac Die Schulen des wechſelſeitigen Unterrichts ſiud hierinfalls treſſ-
liche Muſter, und man ſollte fich daraus in unſern gewöhnlichen
Schulen aneignen, was uur irgend möglich iſt. (S. hierüber Mit-
theilungen und Winke der Einführung der wechſelſeitigen Schulein-
richtung von Zerrenner,.) Uebrigens muß der Lehrer jede Gelegen-
heit benüßen , ja ſelbſt unvermerkt Gelegenheiten ſchaffen, um ſo-
wohl träge, als flatterhafte Kinder in Thätigkeit zu ſeen , und bei
dem, was ſie ſelbſt thun können, darf er ihnen weder helfen nod)
helfen laſſen.
Beſinnen. (S. Gedächtniß.)
Beſinnungsvermödgen. Der Lehrer darf es bei verab-
ſaumten Kindern nicht vergeſſen, daß das Gedächtniß nicht allein
Erinnerungs -, ſondern auc) Beſtunungsvermödgen iſt, Im erſtern
Falle iſt es mehr etwas Unwillkührliches, wobei eine beſondere Selbſt-
thätigkeit der Willenskraft nicht als nothwendig erſcheint; im leßtern
aber iſt es Sache des Willens und der Geiſtesanſtrengung , wie jeder
an ſich ſelbſt erfährt, der ſich auf etwas beſinnt, Dieſes Beſinnen
iſt eigentlich die Seele des Erinnerns, und insbeſondere in Anſehung
der Unterrichtsgegenſtände unerläßlich. Denn bei jeder Wiederholung
iſt bald ein höherer, bald ein minderer Grad des Beſinnens ndöthig,
je nachdem das Gedächtniß mehr oder weniger treu iſt z und bei dieſen
Auſtrengungen muß der Lehrer mehr , als bei den einen Verſtandes-
übungen zu Hülfe kommen ; jedoch , wo möglich , immer mehr auf
indirektem, als auf direktem Wege. Der Lehrer übe die Kinder im
Beſinnen, wo ſich nur immer Gelegenheit dazu darbietet. Dieß gilt
beſonders von jeder angeſtellten Wiederholung. Gewöhnlich wird
dabei das, was früher behandelt oder mitgetheilt worden iſt,
den Kindern abgefragt, und zwar dur) ſolche Fragen, welche
dem Beſinnen mächtig zur Hülfe kommen, und faſt gar keinen
freien Spielraum übrig laſſen. Jede Wiederholung ſollte eigent-
lich eine Beſinnungsübung ſeyn, und dieß bei einem jeden -
Gegenſtande des Unterrichts. Erſt da, wo das Beſinnen der Kin-
der fruchtlos iſt , hilft der Lehrer nach; jedoch ſo, daß jenem Be-
ſinnen noch ein weiter Spielraum offen bleibt. Geſchieht dieß nicht,
ſo gewöhnen ſich die Kinder an das Einflüſtern oder Einhelfen, ver-
laſſen ſich darquf, ynd werden in ihrer geiſtigen Trägheit beſtärkt.

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