Beſſerung =- Beſtechung. 89
künftig dem ganzen Leben und Streben der Kinder zur Grundlage
dienen ſoll, nämlich mit der Religion in unmittelbare Verbindung
ſche. „Was hälfe es dem Menſchen, wenn et die ganze Welt
gewänne , aber an ſeiner Seele Schaden litte ?'““ Matth. 16, 20.
Dieß ijt das große Thema, das der Lehrer nicht einleuchtend genu
zum Bewußtſeyn der Kinder bringen mag; denn gewinnr der Trieb
nach äußerem Beſilz die Oberherrſchaft über den Menſchen , daun
verliert dieſer ſeine wahre Bettimmung immer mehr aus dem Auge.
Ev hört nun auf, den Geiſt zu veredeln, Weisheit zu ſammeln, an
guten Geſinnungen zu wachſen , jede höhere Kraft für die Tugend
zu üben, und Gott ähnlich zu werden. Gefährliche Begierden ver:
giften ſein Herz. Er hat nur für den irdiſchen Mammon Sinn und
Gefühl; er denkt, wirkt und lebt nur für dieſen. Wohl daher dem-
jenigen, der noch einen andern, als irdiſchen Reichthum kennt und
beſit. Wer an der Hand det Tugend wandelt, und Gott durch)
eine reine , innige Licbe verehrt, der iſt reich hei Brod und Waſſer,
ehrwürdig unter der Hüte und dem Strohdache- Er hat ſich Chäke
für den Himmel geſammelt, und ii einer endloſen Seligkeit fähig.
Wer dagegen dieſe höhern Schäke nicht beſit, muß darüber bei
vollen Schüſſeln und Bechern, und in prachtvollen Paläſten dürftig
leben. Er läßt im Tode ſeine Reichthümer zurück , und das Herz,
das ſich nur an dieſelben feſſelte , ſchmachtet in der andern Welt
fern von den Quellen der Seligkeir.
Der Lehrer muß daher den Kindern an ihnen ſelber zeigen,
wie ſie nur immer gern nehmen und empfangen wollen, aber dieſen
Trieb nach den Geboten Gottes einzuſchränken und zu beherrſchen
haben 3; wie der gute Menſch lieber mit Wenigem zufrieden iſt, und
jeine Seele rein bewahrt , als daß er nach fretidem Gute greift,
und ſich einen zeitlichen Gewiun verſchafft , aber ſcine Secle beflec>t
und ſchändet, die Ruhe ſeines Gewiſſens verkauft, und ſich vor Gott
ſtrafbar macht. Der Lehrer muß den Kindern zeigen, wie der Dieb
und Betrüger das Geſtohlene nur ſelten wieder erſeßen kann, und
daher vor Gott und ſeinem Gewiſſen immerfort ein Verbrecher bleibt;
. muß ihnen zeigen, wie der Menſcl) das. was er von Gott empfangen
hat, und wäre es auch noch ſo wenig, dankbar ſchäßen , weivlich
anwenden, ſparſam damit umgehen, und 0 zufrieden ſeyn müſſe, ohne
jemals nach dem zu verlangen, was Gott Andern gab, und was fie
alſo auch nach Gottes Willen als ihr wahres Eigenthum beſißen ſollen.
Beſſerung, Zwe>k aller Strafen. (S. Belohnung
und Beſtrafung.) .
Beſtechung durc nie zu leicht dur< Thränen der Kinder beſtechen , wie dieß nur zu
oft der Fall bei zärtlichen Mäuttern iſt. Weichmüthige Kinder ſind
zum Weinen geneigt; achtet der Lehrer zu ſehr darauf, und wendet
er Alles an, um die Thränenquellen verſiegen zu laſſen , ſo macht ert
dieſelben nur noch weichmüthiger, oder fldßr ihnen den Gedanken
ein, daß ſie durc) Thränen am ſicherſten ihre Wünſche erreichen
können. Solche Kinder lernen ſich frühzeitig verſtellen , zur Errei-

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