114 Bildung,
bildungen , die ihnen hie und da begegnen, zu merken, ihren Sinn
und ihre Bedeutung wiſſen zu wollen: ſo iſt es Zeit, ihnen dieſe
angenehme und lehrreiche Unterhaltung zu verſchaffen. Soll ſie
aber bildend und lehrreich für ſie werden, ſo gebe man anfangs
nur die Abbildung eines Gegenſtandes, z. B. eines Vogels, einer
Blume , eines Baumes 2c., und unterhalte ſich mit ihnen darüber.
Bei ganzen Bilderbüchern iſt ſorgfältige Auswahl ſehr nöthig; man
vermeide für dieſes Alter die Darſtellung überſinnlicher Gegenſtände,
achte beſonders auf Treue und Wahrheit in der Abbildung, ſehe dar-
auf , daß nicht zu viele und ganz heterogene Bilder auf einem Blatte
ſich häufen , und wähle nur ſolche Gegenſtände, die innerhalb der
Sphäre kindlicher Anſchauung und Empfindung liegen, und durch
ihre Fruchtbarkeit mannigfaltiges Intereſſe haben. Dieß wird ſich
bei ſchon geübten Kindern ſteigern durch zuſammenhängende hiſtori-
ſche Darſtellungen und Bilderbücher, welche Fabeln, lehrreiche Dicht-
ungen 26. enthalten
Bildung. Wenn wir zunächſt fragen, was Bildung über-
haupt ſey ? ſo genügt es für's Erſte, wenn wir ſie auffaſſen als die
Entwickelung , Uebung und Regelung vorhandener Kräfte, oder zu
Kräften ſich entfalteter Anlagen und Fähigkeiten. In dem Reich-
thume der geiſtigen und körperlichen Anlagen des Menſchen, welche
zum Theile unwillkärlich und aus eigenem Triebe ſich entwickeln,
durch das Leben, durch die unabweisbare Befriedigung urſprüng“
licher und anerzogener Bedürfniſſe, ſowie dur< den Umgang mit
andern Menſchen geübt, aber allein durch beſondere Leitung und
Unterordnung unter weſentliche Geſeße geregelt werden, liegt jene
umfaſſende Bildungsfähigkeit, welche den Menſchen vor allen Ge-
ſchöpfen auf Erden auszeichnet. Wir dürfen aber vorausſekßen, daß
in der Natur alles, was bildungsfähig iſt, auch gebildet werden
ſoll; denn wie nichts zufällig , nichts ohne nothwendigen Grund,
nichts ohne höchſt weiſe Abſicht des Schöpfers , nichts überflüſſig,
nichts ohne irgend eine Thätigkeit iſt, ſo hat auch alles ſeine mehr
oder minder offenbare , naturgemäße Beſtimmung, die aber nur
durch Bildung erreicht werden kann. Erkennen wir in allem Leben-
digen, wie es nur aus der ewigen Lebensquelle entſprungen ſeyn
kann , alſo auch in dem Wunderbaue des menſchlichen Weſens, eine,
in allen Theilen , wie in dem Ganzen , durchaus zweckmäßige Ver-
anſtaltung des höchſten Meiſters, darum die weiſeſte Abſicht , die
wohlthätigſte Beſtimmung , und kann dieſe nur durch Entwickelung
der urſprünglichen Anlagen und Kräfte verwirklichet werden ; ſo iſt
gewiß jede Anlage und Kraft des Menſchen dem Willen Gottes ge-
mäß, in ihrer Eigenthämlichkeit , zugleich aber nach dem Geſeke
ihrer innigen Verbindung mit andern Anlagen und Kräften , auszu-
bilden. Die Bildungsfähigkeit ſelbſt enthält alſo auch das Gebot
der Bildung. Wer nun die Bildung des Menſchen zurückhalten,
beſchränken oder verſagen wollte, der würde den Schöpfer meiſtern,
dem Geſeke und der Ordnung Gottes widerſtreben und verweigern,
was er, der unendlich Weiſe, gewährt, alſo das Element ſelbſt in

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