176 Diebſtahl in der Schule« = Dienen 2.
ſtehlen einander nicht; aber in Beziehung auf fremdes Eigenthum
ſcheint es an allem Gewiſſen zu fehlen. Das Kind mag geſtohlene
Sachen nach Hauſe bringen, es wird deßhalb nicht getadelt, jondern
gelobt, auch wohl zur Fortſezung ermuntert. So ſtreuen dergleichen
gewiſſenloſe Eltern den Saamen des zeitlichen und ewigen Verderbens
in die Herzen ihrer Kinder. Glücklich iſt die Schule, und dreimal
glücklich der Lehrer zu nennen, wenn er durch ſeine Bemühung dieſes
Unkraut aus dem Ac>ker des jugendlichen Herzens auszureuten oder
dasſelbe wenigſtens doch zu mindern vermag. Erreicht er an der
Hand der Religion das Ziel nicht, ſo wird er es ſchwer oder
nie erreichen.
Diebſtahl in der Schule, (Verhalten des Lehrers dabei),
Wenn Diebſtähle im Kreiſe der Schule vorkommen , ſo beachte der
Lehrer Folgendes: a) Er hüte ſich, gegen irgend Jemand es merken
zu laſſen , daß man einen Schüler wegen eines Diebſtahls für ver-
dächtig halte; b) er ſtelle ſeine Nachforſchungen auf eine kluge und
ernſte Weiſe an, bis er ſeiner Sache gewiß iſt; c) iſt der entdeckte
Diebſtahl der erſte, den man von einem Schüler erfährt, ſo ſorge
der Lehrer dafür, daß er, wenn anders möglich, den Schülern nicht
bekannt werde, warne aber den jungen Dieb unter vier Augen und
wende alles an, um jedes Fänklein von Begierde nach ungerechtem
Gute in ſeinem Herzen zu verlöſchen; d) er zeige das Vergehen des
Kindes Eltern, jedoch theilnehmend an, und ſchone überhaupt auf
mögliche Weiſe die Ehre desſelben ; ec) er ſey auch bei Kleinigkeiten
ſtreng, und behandle ſolche, wie wir ſchon oben bei Diebereien be-
merkt haben , mit allem Ernſte als Diebſtahl, tf) er bewundere nie
die Schlauheit des jungen Diebes, und mache ihn auch nicht darauf
aufmerkſam , wie , und wodurch er ſich verrathen hat: endlich &g) be-
ſtehe der Lehrer darauf, daß das Entwendete zurückgegeben , und der
Schaden vollkommen erſeßt werde. Bei kleinen , leichtſinnigen, noch
wenig unterrichteten Schülern ſind oft körperliche Züchtigungen, welche
die Eltern vollziehen mögen, nothwendig.
Dienen (der Lehrer den Kindern, nicht umgekehrt.) Der
Lehrer laſſe die Kinder überall ſehen , daß er für ſie und ihr Beſtes
arbeite und thätig ſey, und nicht ſie für ihn. Nicht ſelten iſt bei
Kindern der Gedänke vorherrſchend, als ob ſie das, was ſie zu thun
und zu leiſten haben, nicht für ſich ſelbſt, ſondern für den Lehrer thun
und leiſten. Etwas zu thun, weil es der Lehrer ſo haben will, iſt aller-
dings ganz in der Ordnung , aber zu nahe liegt auch die Verwechſe-
lung, daß es für den Lehrer geſchehe , zumal ſie noch nicht einzuſehen
im Stande ſind, welchen Gewinn das Lernen und Arbeiten ihnen
ſelbſt gewährt. Es hält immerhin ſchwer, Kinder zu dieſer Einſicht
zu bringen, beſonders wenn, was nicht ſelten der Fall iſt, ungebildete
Eltern kein Bedenken tragen, vor den Kindern laut auszuſprechen,
daß der Lehrer für ſeine Mühe bezahlt werde, und daß das Lehren
und Schulhalten ſeine Schuldigkeit ſey. So macht man ihn, den
Mann im h. Amte, öfters zu einem bloßen Lohndiener und ?rſtit,
obgleich unbewußt in den Herzen der Kinder das Gefühl dev Liebe

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