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mit ſich. Die Schreibeſchüler ſind gemeiniglich ſo ungleich, daß der
Lehrer mit den Geübtern über dem Säumen und Fragen der Unge-
übtern nur zu oft ermüdet und viele Zeit verliert, während die An-
fänger vor lauter Eile doch nur eine ſehr fehlerhafte Nachſchrift zu
Papier bringen. Hiezu geſellt ſich noch der Umſtand, daß auch die
ſchreibekundigern Schüler oft abſichtlich ſäumen, um auf Veranlaſſung
ihrer unfundigern Mitſchüler vom Lehrer zu erfahren, wie dieſes oder
jenes Wort geſchrieben werde. Dieß begründet daher auch den Uebel-
ſtand, daß dergleichen Schüler ihre eigene Kraft zu wenig verſuchen.
Auch kann der Lehrer, der jedes einigermaßen ſchwierige Wort vor-
buchſtabiren muß , nie ganz beſtimmt wiſſen , welche von ſeinen Schü-
lern dieſer Nachhälfe bedürfen oder nicht, Um dieſer ſtattfindenden
Schwierigkeiten willen diktiren manche Lehrer ihren Kindern nichts
in die Feder, und dennoch iſt das öftere Diktiren oder das Vorſjagen
zum Nachſchreiben höchſt ndthig, um die Jugend daran zu gewöhnen,
auch Aufſäße zu Papier zu bringen, die nicht geſchrieben oder gedruckt
vor den Augen liegen. == Was hat nun der Lehrer hiebei zu beob-
achten ? --- Es iſtFolgendes : 1) Er ſchreite auch hier vom Leichtern
zum Schwerern fort. 2) Er diktire anfangs einſilbige , dann zwei-
und mehrſilbige Wörter, hierauf kurze, ſpäter aber längere Säke
und vollſtändige Erzählungen, Briefe 2c. 3) Er laſſe die diktirten
einzelnen Wörter 2c. von einem geübtern Schüler vorbuchſtabiren,
oder die einzelnen Buchſtaben und Zeichen angeben, mit welchen ſie
geſchrieben werden müſſen, entweder vor oder nach dem Niederſchrei-
ben. Im lektern Falle: müſſen alle Schüler das, was ſie nachgeſchrie-
ben haben, genau nachſehen und die gemachten Schreibefehler verbeſ-
ſern. 4) Der Lehrer ſey immer darauf bedacht, daß er den Kindern
nichts anders in die Feder vorſage, als was für ſie entweder jebt
oder künftig nüßlich iſt. =- So bequem die Methode iſt, Alles, was -
Kinder hinſichtlich der Geſchichte , Erdbeſchreivtung, Naturgeſchichte,
die arithmetiſchen Regeln 26. 2 wiſſen ſollen, zum Nachſchreiben vor-
zuſagen, ſo iſt ſie doch unſtreitig die verkehrteſte von dev Welt. Denn
hiezu iſt kein Lehrer nothwendig, ſondern es genügt an einem guten
Lehrbuche, das den Kindern in die Hände gegeben werden darf.
Nebenbei giebt der Schüler nur zu gern dem Gedanken bei ſich Raum,
daß er Vieles wiſſe, wenn er Vieles nachgeſchrieben hat.
Dinter (Guſtav Friedrich), ward den 29. Febr. zu Borna
geboren , wo ſein Vater Gerichtsdirektor war. Er beſuchte die Für-
ſtenſchule zu Grimma und die Univerſität zu Leipzig , wo er 1785
Magiſter ward. Nachdem er als Pfarrer zu Kitſcher bei Borna
junge Leute zu Landſchullehrern vorbereitet hatte, kam er 1797 als
Direktor des Schullehrerſeminars nach Friedrichsſtadt bei Dresden ,
vertauſchte 1807 dieſe Stelle mit der Pfarrſtelle zu Görnil bei Bor-
na, und ward 1817 königl. preußiſcher Conſiſtorial - und Schulrath
zu Kdnigsberg und Hr. der Theologie. Dinter erwarb ſich um die
Bildung vieler Landſchulen , beſonders im Königreiche Sachſen , unbe-
ſtreitbare Verdienſte, indem er bei unermüdlichem Fleiße die Gabe
einer nicht gemeinen Klarheit und ſtete Berückſichtigung des Prakti-
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