184 Disjunktivfragen,.
lichen Anlagen, Gemüthsarten und Bildungsſtufen in einer Schule
offenbart, um von dem Lehrer bemerkt und beobachtet zu werden , [o
läßt ſich dennoch von Manchem ſagen: er kennt ſeine Kinder nicht ,
oder er giebt ſich keine Mühe, über das rechte Verhalten eines jeden
nachzudenken und ſich es anzueignen. Er fordert von dem , welches
ſchwerer als ein anderes faßt, dasſelbe, von dem geiſtig Langſamen,
was von dem Lebhaften, von dem Verabſäumten, was von dem Ge-
bildeten. und das nicht allein hinſichtlic) des Lernens und des intel-
lektuellen Fortſchreitens, ſondern auch des ſittlichen Betragens, des
willigen Gehorſams und aller Schul - und Kindertugenden überhaupt.
Und ſtehend in dem irrigen Wahne: alle Kinder über Einen Leiſten
ſchlagen, mit einerlei Maaßſtab meſſen zu müſſen, hält er es nicht
einmal für ſo wichtig, jedes Kind gehörig kennen zu lernen. Er iſt
zufrieden damit, daß er mechaniſch erzieht, Ob er einem Kinde
Unrecht thut, das kümmert ihn wenig, er glaubt nun einmal das
Recht zu haben, ſo und nicht anders zu handeln; er hält es nicht
einmal für nödthig, es mit Kindern ſo genau zu nehmen, und macht
ſich ſo nicht allein ihrer Liebe, ſondern auch der edelſten Früchte einer
weiſen wendig, daß der Lehrer Herr und Meiſter in ſeiner Schule, daß er
der Gebietende und Leitende, die Kinder aber die Gehor Folgenden , kurz daß er im edelſten Sinne des Wortes ( Dux gregis)
Führer ſeiner Heerde ſey. Wenn er aber als ſolcher nur ſeine Per?
ſon , nur ſein individuelles Id hervorſtellt : ſo gewinnt ſein Wollen
den Anſtrich der Willkühr und des Dünkels , ſein Regiment wird ſtatt
eines väterlichen ein deſpotiſches. Bei ſolc ſich überall den Weg der Liebe, der Ermahnung 26. , und ſchreitet
nur auf dem der Gewalt einher ; ſein Wille im Gebieten und Verbie-
ten erſcheint als rein diktatoriſch; ,, Ich will es!" Das muß der
Grund alles Gehorchens und alles Handelns ſeyn. Und würde dieß
nur nach feſten Grundſäken, und nicht nach veränderlichen Launen
geſchehen, ſo würde es wenigſtens ein gewißes Anſehen begründen,
welchem auch Kinder am Ende ohne Widerwillen huldigen. Launen-
hafte, deſpotiſche Willkühr aber iſt der Kindes - wie der Menſchen-
natur zuwider und durchaus unfähig, edle Geſinnungen, Tugend einzufldſßen. Mancher , zumal jüngere Lehrer , ſcheint ſich be-
ſonders darin zu gefallen, über eine Anzahl Kinder unumſchränfkt ge-
bieten zu können. Und dieß, wie leicht umſchlägt es in ein eitles
und hochfahrendes Weſen ? --- Darum kann es nicht oft genug ge-
ſagt werden : das rechte Herrſchen iſt ſchwerer, als das Gehorchen ;
nicht die zwingende Gewalt, ſondern die Liebe, wie ſie das Chriſten-
thum verlangt, bildet Menſchen menſchlich und bendem Ernſt die Schulzucht üben und bewahren, Ordnung and Sitt-
lichkeit unter den Schülern erhalten, ſtrafbaren Vergehungen vorbeu-
gen -- das iſt der Höhepunkt geiſtiger Kraft, den der Lehrer zu erſtreben ſucht. --
Disjunktivfragen -- fordern dem Kinde zwiſchen zwei oder
drei Fällen die Auswahl ab, z. B.: Iſt Moſes auf dem Berge Kar-

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