12 Aerger == Aeußeves,
deſto größer wird das Kind das Unglück halten , deſto ungebärdiger
ſich ſtellen, und deſto ſchmerzlicher jeden folgenden Unfall empfinden,
Dasſelbe gilt von allen Arten der Kinderkrankheiten und-insbeſondere
auch von den dagegen anzuwendenden Arzneimitteln. Wo die Mutter ſich ängſtlich zeigt, wird es urtheilen,
die bevorſtehenden Schmerzen ſeien unerträglich, die Gefahr entſelz:
lich. Eben ſo unrecht aber iſt es, wenn ihm fälſchlich vorgeſagt wird,
die Arznei ſchmecke gut, und es dann das Gegentheil davon findet.
Durch dieſes und durch vieles Andere wird des Kindes Urtheil irre
geleitet, verkehrt und gehemmt. Da, wo dieſes geſchehen iſt, muß
die Schule nachhelfen und die bei der häuslichen Erziehung begange-
nen Fehler der Art ſorgſam zu verbeſſern ſuchen.
Aergern, die Kinder. Jedes Kind trägt den Himmel in
ſeinem kindlichen Gemüthe. Noch iſt es unberührt von der Sünde
der Welt. Bereitwillig nimmt es Alles an, iſt frei von Falſch und
Mißtrauen, liebt für Liebe , ſieht ſich in der Liebe Anderer am ſchön-
ſten belohnt, giebt ſich ihnen ſo gerne hin und ſchenkt ihnen ſein gan-
zes Vertrauen. Ein ſolc< kindliches Gemüth verderben, Unkrautſja-
men in ſein unbefangenes Herz ſtreuen, und es laſterhaft machen , iſt
gewiß das ſtrafwürdigſte Verbrechen, deſſen man ſich ſchuldig machen
kann, und über einen ſolchen Verderber muß das Wehe ausgeſprochen
werden. Wehe jedem Lehrer und Erzieher, der eines von den ihm
anvertrauten Kindern ärgern, und ſich mit ſol kann. Wehe ihm aber auch, wenn er dabei gleichgültig ijt, daß eines
ſeiner Kinder geärgert wird,
Aeſthetiſches Gefühl (Scönheitsgefühl.) S. Gefühl.
Aeußeres, Es giebt vielfältig Aeltern , welche zu viel auf das
Aeußere und zu wenig auf das Innere ihrer Kinder halten. Wenn
ſie nur äußerlich nicht anſtoßen, oder ihre Thorheiten und Uebelthaten
Andern nicht bekannt werden, oder wenn ſie nur überall den Schein
künſtlich zu retten verſtehen, ſo ſind die Aeltern damit zufrieden
geſtellt, mag auch das Innere ihrer Kinder beſchaffen jeyn , wie es
wolle. Je nach ihrer beſondern Naturanlage , je nach der Beſchaf-
fenheit der Menſchen, mit welchen ſie in Berührung kommen, und
je nach den Anſichten der Aeltern ſelbſt nehmen ſie nun ihre Seelen-
richtung , und werden eine Schale ohne Kern, äußerlich zur Schau
tragend , was ihnen innerlich fremd iſt; ſie werden Heuchler, Lüg-
ner, Scheinheilige , Maulredner, ja, wo ſich Gelegenheit darbietet,
auch wohl. Spötter des Heiligen, gehen über alles, was Religion
heißt, kalt und gleichgültig hinweg, und nehmen Antheil an glänzen
den Laſtern« Und warum ? Man hat von ihnen nur das verlangt,
was in die Sinne fällt, was den Wünſchen ihrer Umgebungen und
den Anforderungen des verkehrten Zeitgeiſtes entſprach, und ſie haben
ſich nur dieſen anzubequemen gelernt; deßhalb wägen ſie alle ihre
Handlungen bloß nach äußern Rückſichten ab, legen Alles unter das
Geſel der Konvenienz oder der Menſchengunſt, und ermangeln in
ihrem Innern alles ſittlichen Anhalts, weil ſie zum Bewußtſeyn eines
unabhängigen Geſees, das Gottes Hand gleichſam mit Flammen-

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