Extenſive Bildung -- Fabel. 813
Extenſive Bildung (Entgegen der intenſiven). Man nennt
eine ſolche Bildung diejenige, welche den Umfang, die Ausdehnung,
Erweiterung und die Vermehrung der Kenntniſſe bezweckt. Wir
haben jedoch ſchon an einem andern Orte davon zu reden Verans-
laſſung gehabt, und dürfen uns um ſo mehr auf das dort Geſagte
berufen,
F iſt ein Conſonant oder Mitlauter und der ſechste Buchſtabe
im deutſchen Alphabet, ex wird 1) wie in andern Sprachen mit
einem Blaslaut hervorgebracht, z. B. Briefe, Prüfung, Hafen,
Schwefel; 2) oft verdoppelt und zugleich hart ausgeſprochen, z. B.
griff, ſc z. B, open, ſchlapen, Peiper, anſtatt offen, ſchlafen, Pfeifer. Aud
wird er heut zu Tage oft gegen das griechiſche ph vertauſcht, z. B.
Joſef, Elefant, Adolf, Rudolf (ſ. Ph). Am Ende einiger fremder
Wörter ſchreibt man richtiger ſtatt des f ein v, z. B. affirmativ,
poſitiv, negativ, Perſpectiv 2c.
Fabel, Mährc mehr durch Fabeln und Mährc Hier ſind die Erzieher mitunter bedenklich, Einige wie Rouſſeau,
Funke, Villaume, Campe 2c., wollen von Fabeln und Mährchen für
Kinder nichts wiſſen, und verwerfen ſie geradezu, Andere dagegen
wollen ſie nur beſchränkt wiſſen, und empfehlen dabei große Vor-
ſicht und eine weiſe Auswahl. Herder ſagt: „„Das Mährchen kann
ein ungeheures Mittel zur Bildung oder Mißbildung meuſchlicher
Gemüther ſeyn.“ Auch Platon betrachtet die Mährc in der Erziehung der Kinder bis zum ſechsten Jahre als einen
Theil der Muſenkunſt, ſeßt aber hinzu : wir dürfen es nicht zulaſſen,
daß die Kinder zufällig ſic) darbietende Mährchen von den erſten
beſten Verfaſſern höre, und ſo Vorſtellungen in ihre Seele aufs
nehmen , die denjenigen entgegengeſeßt ſind, welche ſie nach unſerer
Einſicht als Erwachſene haben ſollen. Wäre dieſer heidniſche Weiſe
ein Chriſt geweſen, ſo würde er ſich hierüber auch im Sinne erklärt und ausgeſprochen haben. Es iſt auf alle Art dafür
zu ſorgen, daß das, was die Kinder zuerſt vernehmen, zur Beförde:
rung der Unſchuld , Frömmigkeit und Tugend gedichtet ſey. --
Niemeyer, den wir auch hier vernehmen wollen, will der Jugend
nicht alle Fabeln und Mährchen entzogen wiſſen, obwohl er bemerkt,
daß eine ſtrenge Auswahl dabei nicht fehlen dürfe. Denn, ſagt er,
1) „ſind die Menſchen, wie Herder bemerkt hat, einmal ſo organi»
ſirt, daß wir die Dichtung nicht entbehren können. Unſere Vers
nunft bildet ſich nur durch Fictionen, wir können nie ganz ohne
Dichtung ſeyn, Ein Kind fühlt ſich nie glücklicher, als wenn es -
imaginirt und ſich ſogar in fremde Situationen und Perſonen hinein»
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