3522 Familienleben in der Schule,
waffnen, und dasſelbe durch edle Beiſpiele zu kräftigen ſich beſtreben,
Und ſo wird er kein Mittel unverſucht laſſen, ſeine Kinder, die als
verabſäumt oder vom elterlichen Sauerteige durchdrungen ſeine
Schule beſuchen , wieder, ſo viel möglich, auf die Bahn des Lichtes
Hinzuleiten, und auf derſelben zu erhalten, damit ſie nie in Gemein»
ſchaft mit denen kommen, die ſie zu frühen Schlachtopfern des La-
ſters und des ſchnell nacheilenden Todes einweihen könnten.
- Familienleben in der Schule. Daß der Grund zu
einem wahrhaft ſittlich guten Charakter bei den Kindern gelegt wer-
den müſſe, haben wir früher ſchon nachgewieſen und gezeigt, daß er
der Eine große Zweck der Erziehung ſey, da dieſer doch) immer die
höchſte Blüthe und Frucht, die Krone derſelben bleibt. Darauf muß
es alſo auch die Schule anlegen, und ſie darf dazu keine Gelegenheit
verſäumen. Freilich tritt ihr auch hier das gewöhnliche Leben und
Treiben hindernd entgegen und reißt oft nieder, was ſie mühſam
gebaut hatz aber ihr ſtehen auch wieder herrliche Mittel zu Gebote,
die das Leben der Außenwelt ihr nicht ſtreitig machen kann, und
deren Wirkſamkeit grade durch das Zuſammenſeyn der verſchiedenſten
Naturanlagen, Temperamente, Bildungsſtufen und Erziehungsfrüchte
nicht wenig gefördert wird. QDier reiben ſid) die ſcharfen E>en an
einander ab. Hier bildet ſic) das Eine durch das Andere, Hier
findet Liebe und theilnehmendes Wohlwollen eben ſo einen allge?
meinen Uebungsplaß, wie die Freundſchaft gleichgeſtimmter Gemü-
ther ihren ſpecielleren Vereinigungöpunkt. Dier lernt das Schwächere
an dem Stärkern, das Blöde an dem Beherzten, das Verſchloſſene
an dem Freimüthigen, das Ungezogene an dem Wohlerzogenen, das
Rohe an dem Gebildeten, das Liebloſe an dem Wohlwollenden, das
Träge an dem Fleißigen ſich emporheben. Hier lernt umgekehrt das
Geſittete neben dem Ungeſitteten, das Aufrichtige neben dem Lügen-
haften, das Fleißige neben dein Trägen , das Stille und Aufmerk:
ſame neben dem Leichtſinnigen und Plaudernden, das von dem Leh-
rer: Geſchälßte neben dem Getadelten, das Gefällige neben dem Un-
gefälligen , das Gutwillige neben dem Widerſpenſtigen ſeinen Werth
deſto lebhafter fühlen. Hier finden die Kinder ein rechtes Famei-
lienleben, wo ſie als Brüder und Schweſtern unter ſich ein
Ganzes bilden, und unter Einem Familienvater ſtehen, wo einerlei
Geſelz ſie bindet, wo ſie gleiche Rechte und gleiche Pflichten haben,
wo das, was gelehrt und getrieben wird, ihnen Allen gemeinſchaft-
lich gilt, wo die religids - ſittlichen Belehrungen, die vereint mit der
ganzen Schulordnung den Grund zu ihrer Charakterbildung legen
ſollen, über allen verſchiedenen Naturarten, Bildungsſtufen und
Standesverhältniſſen erhaben ſtehen und ſie Alle umfaſſen. Hier
fühlt ſich das Niedere gehoben, das Höhere zur Demuth und zur
Anerkennung des wahren Menſchenwerths beſtimmt, weil der ge-
wiſſenhafte und einſichtsvolle Lehrer jedes Einzelne nur nach dieſen
Werthe beurtheilt und ſchäßt, Im Allgemeinen aber wird er es
auch recht gefliſſentlich darauf anlegen, daß alle jene Gefühle, Ueber-
legungen und Gegeneinanderſtellungen in den Seelen der Kinder

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