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Familienvater, 293
wie von ſelbſt entſtehen und für ihre Geſinnung und Charakterbil:
dung wirkſam werden.
Familienvater (der Lehrer.) Das häusliche und eheliche
Verhältniß hat auf die Amtswirkſamkeit und Zufriedenheit des Leh-
vers einen ſehr bedeutenden Einfluß- Der unverehlicht lebende
Schullehrer ſteht ſelten in dem Grade von Anſehen und Vertrauen
bei der Gemeinde, welches man dem in muſterhafter Ehe lebenden
Schulmanne ſo gerne zollt, und giebt leicht durch ſeine unordentliche
Hauswirthſchaft Anſtoß. Daher iſt dem Schullehrer nicht zu ra-
then, im eheloſen Stande zu verharren. Bei der Wahl ſeiner Le-
bensgefährtin iſt ihm aber große Behutſamkeit und Vorſicht zu em?
pfehlen. Es bleibt immer ſehr bedenklich, der erſten flüchtigen Lei-
denſchaft zu folgen, ſchon vor einer beſtimmten Anſtellung das Band
der Liebe zu knüpfen, und ein voreiliges Eheverſprechen einzugehen,
weil es da gewöhnlich noch an der Reife des Urtheils, an Kenntniß
und Erfahrung fehlt, und man nicht gewiß verſichert iſt, ob die
Gewählte in die Verhältniſſe paſſe, in welche man durch den Ein-
tritt in das Amt verſeßt wird. Ueberdieß iſt mit der erſten Anz
ſtellung ein ſo geringes Einkommen verbunden, daß der junge Leh-
rer wohlthut , wenn er vorerſt noch eine Zeitlang ledig bleibt, um
ſich für den Anfang ſeiner Haushaltung etwas zu erſparen, und die
nöthigſten literariſchen Hülfsmittel anzuſchaffen. Auch lehrt die Er?
fahrung, daß ſolche voreilig geſchloſſene Verbindungen gewöhnlich in
der Folge unglücklich ausfallen. =- Bei der Wahl einer Gattin ſehe
der junge Schulmann nicht ſowohl auf die vergängliche Schönheit der
Geſtalt oder ein nicht allein glücklich machendes bedeutendes Vertnögen,
als vielmehr darauf, daß die zu wählende Lebensgefährtin jic) aus-
zeichne dur< Unſchuld, Fleiß und Herzensgüte , durch Reintichkeit
und Häuslichkeit. Sie wird, ſagt Dinter, zwar nicht glänzen in
den Jahrbüchern der Menſc im Buche der Edelſten vor Gott. Sie wird verbinden der Männ-
lichkeit denkenden Ernſt mit der Weiblichkeit himmliſcher Milde.
Ihr Haus wird umſchirmt ſeyn vom Oelbaume des Friedens. In
ihrem Gärtlein wird ſie ziehen der himmliſchen Weisheit verborgene
Frucht. Ihre Religion wird nicht ſeyn, wie die Fledermaus, die
lichtſcheu, unſteten Flugs nur in die Dämmerung ſich wagt , au)
nicht wie der Schmetterling, der umherfliegt, ſuchend ohne Zweck
und Nukenz ſondern ſie wird ſeyn, wie der Adler, deſſen Auge der
Sonnenſtrahl ſchaut , der das klopfende Herz ihm erwärtnt. Sie
wird in ihrem Dörfchen ein Licht ſeyn, das freundlich und helle
leuchtet zum Segen für Viele. -- Ja, das beſcheidene, ſtillfromme
Walten einer verſtändigen und geſitteten Schulfrau iſt von großem
Segen für die Volksſchule und die ganze Gemeinde, Wohl deim
Lehrer, der in ſeiner Gattin eine verſtändige Rathgeberin, eine
muthige Freundin, eine edle geräuſchlos thätige Hausfrau beſitzt, die
durch Zärtlichkeit und treuliche Zuſprache den Mißmuth von ſeiner
Stirne zu verſcheuchen weiß, mit Umſicht und regſamer Hand den
Frieden, die Ehre und den Wohlſtand des Hauſes zu erhalten ſtrebt,

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