324 Familienvater.
durch mildes Wort und lebendige That die Bildung und Erziehung
ihrer Kinder fördert und hoffend und liebend den Samen für die
Ewigkeit in das empfängliche Gemüth der Kleinen ſtreut. In ihr
iſt ihm des Lebens höchſter Schaß geworden. „,Darum prüfe, ſagt
Stamm, wer ſich ewig bindet, ob ſich das Herz zum Herzen fin-
det. Der Wahn iſt kurz, die Reue --- lang.“ =-- Wer aber in
der Wahl einer Lebensgefährtin minder glücklich war, wer den Tem-
pel veredelter Häuslichkeit für ſich verſchloſſen ſicht, der trage mit
Würde ſein Lebensloos, ohne dur< unmännliche Klagen die herzloſe
Menge zu Vertrauten ſeines Kummers zu machen, und prüfe ſich
mit Ernſt, ob er nicht durch eigene Schuld, durch Eigenſinn, Recht-
haberei und mürriſche Laune ein Herz, das vielleicht Anfangs warm
und liebevoll für ihn geſchlagen, von ſich entfernte, und ſo ſelbſt
den Grund zum häuslichen Mißverhältniſſe legte. Oft kant! die
verwelkte Blüthe des häuslichen Glücks durch Nachgiebigkeit von
beiden Seiten, durc verſöhnende , freundliche Worte , durch Zeichen
einer aufrichtigen Reue neu aufgefriſcht und wieder hergeſtellt wer-
den. =“- Iſt dem Schullehrer eine fromme , verſtändige, treue und
edle Hausfrau zu Theil geworden, die dur) ein Herz voll Liebe
ſeine Tage zu verſchönern, und ſeine Bürden zu erleichtern ſucht, ſo
preiſe er Gott für dieſe köſtliche Gabe des irdiſchen Lebens, und bes
handle ſie mit der gebührenden Achtung und Schonung. Fern halte
er diejenigen, welche ſo gerne den Samen der Zwietracht und des
Mißtrauens in glücklichen Ehen ausſtreuen, und führe den Tempel
veredelter Häuslichkeit auf den nimmer watikenden Grundpfeilern
des Vertrauens, der Liebe, der Eintracht und der erleuchteten Fröms»
migkeit in ewiger Dauer und Schönheit auf. --- Wird des Leh-
» ters Ehe mit Kindern geſegnet, ſo beſtrebe er ſich in ihrem Kreiſe
ein weiſe erziehender Vater zu ſeyn, und theile ſeine Zeit wohl ein,
damit er die ihm vergönnten Nebenſtunden ganz der ſorgſamen Bil
dung ſeiner eigenen Kinder widmen könne. Denn es würde ihm,
da er Andern als Erzieher vorleuchten ſell, weit mehr als andern
Vätern zum Vorwurfe gereichen, wenn er ſeine eigenen Kinder ver?
wahrloſete., Welche ſchönere Ausſtattung könnte auc) ein Scul-
lehrer ſeinen Kindern geben, als eine wahrhaft edle und Bildung des Geiſtes und Herzens? Darum widme ein jeder Lehrer
dem Unterrichte und der Erziehung ſeiner eigenen Kinder vorzüge-
lichen Fleiß, ohne die übrigen Schüler darüber zu verſäumen. --
Bei der Wahl eines Berufes für die heranwachſenden Söhne wird
der Schullehrer wohl thun , wenn er die talentvollſten für den Bes
ruf, den er ſelbſt gewählt, beſtimmt , inſofern des Sohnes Neigung
hiemit übereinſtimmt , die übrigen aber zur Erlernung nüßlicher
Handwerke und Künſte anhält. =- Der aber auch, wenn er nebenbei nod Anverwandte oder Dienſtboten
zu Hausgenoſſen hat, ſeine väterliche Aufſicht und geiſtige Pflege
über dieſelben verdreiten, und ſie ebenfalls durch Lehre, Beiſpiel und
Gewöhnung zu edlen Menſchen und Chriſten zu bilden ſuchen , daß
ſie ihn und ſein Haus no< in ſpätern Jahren ſegnen mögen, Bei

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