Faßlich« 325
Allen pflege er den Geiſt einer erleuchteten, thatkräftigen Frömmig-
keit durc übungen , die das trefflichſte Mittel zur wahren Verehrung Gottes
ſind, und in einer ſollten. Denn leicht geht es der Familie eines Schullehrers wie den
Bewohnern einer Mühle , die ſtets das Geräuſch der Mühlräder und
das Geplätſcher der Wellen hören. Wie dieſe gleichgültig werden
gegen das Geplätſcher der Räder und ruhig dabei einſchlafen, ſo
kann es ſich auch leicht ereignen, daß die Genoſſen einer Schullehrer
familie bei dem ſteten Anhören derſelben religidſen Dinge gleichgültig
gegen das Heilige werden und es nicht mehr zu Herzen nehmen, weil
ſie es täglich hören. Grade deßhalb aber müſſen ſie doppelte Aufmerk»
keit auf ſich ſelbſt, auf ihren eigenen Seelenzuſtand verwenden, damit
ſie in keinen geiſtigen und ſittlichen Schlaf verſinken. Wie die Bie-
nen, wenn der Himmel ſich träbt, nach ihrem Stocke eilen und dann
im Innern desſelben den eingeſammelten Staub und Blüthenſaft
verarbeiten; ſo ſollte auch) der Schullehrer mit ſeinen Hausgenoſſett
oft Stunden des ſtillen Nachdenkens feiern, wo ſie nicht der Welt,
ſondern Gott und ihrem Seelenheile leben. Iſt es möglid) , ſo vert-
ſammle er ſie täglich zum gemeinſamen Gebete, und Zu einer kurzen
aber erbaulichen Betrachtung des göttlichen Wortes. *) Geſtatten die
Verhältniſſe eine ſolche Andacht am Morgen oder am Abende der Werk-
tage nicht, ſo ſoll doch wenigſtens an Sonn - und Feiertagen eitte
Stunde der gemeinſchaftlichen Hausandacht gewidmet werden. Da-
durch wird nicht nur allein die eigene Religioſität des Schullehrers
befördert , indem ſie wie Himmelsthau das lechzende Blumenbeet,
ſeine Seele durch himmliſche Nahrung erquickt , und mit fſammender
Liebe zu Gott und zur treuen Uebung der Pflichten exfällt, ſondern
ſie weihet und heiliget auch den ganzen häuslichen Kreis und trägt
dazu bei, daß auch in andern Familien der entflohene Geiſt der Fröms
migkeit wieder zurückkehrt , und bei manchem Haugvater ſich der Ent?
ſchluß regt, ebenfalls in häuslicher Stille mit den Seinen Gott zu
verehren und um Kraft und Gnade zu flehen, und mit ſeinen Anges
hörigen auf dem Pfade der Tugend und des Heiles ſtandhaft fortzu-
wandeln, |
Faßlich. (Was ſich leicht begreifen , einſehen und verſtehen
läßt.) Faßlich iſt alſo den Kindern das, was ihrer Faſſungskraft und
Vorkenntniß jedesmal angemeſſen iſt. Unfaßlich iſt das Gegentheil
*) Hiefür empfehlen ſich für katholiſche Scullehrer beſonders Th. A, De-
reſer's Erbauungsbuch auf alle Tage des Kir der Leben vom hl. Franzi8cus von Sales, Dagegen für proteſt. Schullehrer :
Stunden der Andacht. Ein Erbauungsbuch von Dr. A. Tholud,
9 B. Dann G. H, Neuhofer's Morgen : und Abendbektra auf alle Tage des Jahres. 4 Bde- Vorzüglich können wir auch hiefür für
Schullehrer jeder oder das Buch der Andacht und Gottesverehrung, Augsb. bei I, A. Sc 1839 und 4840 mit Freude empfehlen,

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