Folgen tc. 355
wodurch einer jeden insbeſondere begegnet werden könnte- Das
aber iſt für die Schule entſchieden am bedenklichſten und für das
Anſehen und die Wirkſamkeit des Lehrers am gefährlichſten, wentt
bei einzelnen Kindern Ausnahmen geſtattet werden, die man bei den
übrigen nicht duldet. Indeſſen laſſen ſich hier Vorſtellungen an?
knüpfen, durch welche derlet Ausnahmen unſchädlich gemacht werden ;
namentlich wenn dieſelben Grund haben, obwohl dieß nicht immer
ſo ganz leicht iſt, wie man es ſich oft glaubend machen will. Bei
einem heftig aufgeregten Kinde z. B. iſt vor Allem ndthig, daß der
Lehrer ſeine ruhige Faſſung nicht verliere, ſchnell und richtig beur-
theile, inwiefern das Kind in dieſer aufgeregten Stimmung Kraft
und Willen habe, ſich ſelbſt zu überwinden, und nun hienach ſein Ver-
halten beſtimme. Erſcheint ihm dieß als pſychologiſch) unmöglich, ſo
wird er bloß zu ſorgen haben , daß das Betragen des Kindes für die
Andern nicht ſtörend werde, dieſe aber ermahnen, daß ſie, wie er
ſelbſt , mit demſelben Nachſicht haben möchten, da es jeßt zu unvet?
mögend ſey, ſein Unrecht einzuſehen, den Eigenſinn zu brechen , dert
ſtärker ſey , als er ſelbſt 26. So wird oft ein Ungehorſam, eine ans*
ſcheinende Booheit 26. eine Ausnahme oder einen Aufſchub von Zwangs
maßregeln geſtatten, ohne dadurch die Sittlichkeit der Uebrigen zu g*
fährden. Nur hüte ſich der Lehrer derlei Aeußerungen geradezu immer
für Bosheit zu halten, vielmehr ſuche er die Motive auf, die denſelben
zum Grunde liegen, und er wird ſich ſogar oft bewogen fühlen, nicht
nur dieſen Motiven Gerechtigkeit wiederfahren zu laſſen , ſondern ſich
ihrer ſelbſt zu bedienen , um das Kind zur Beſinnung und zur Beſſe-
rung zu bringen. Wir führen hier nur ein Beiſpiel an, welches das
Geſagte beleuchten und beſtättigen dürfte. == Der Lehrer hat dem
Kinde einen Verweis gegeben, oder er läßt es eine flüchtig gelieferte
Arbeit zum zweitenmale machen ; darüber wird es ungehalten , wirft
verdrießlich ſeine Sachen hin, oder ſtellt ſich ſonſt ungebärdig. Auf
das achtet nun der Lehrer entweder nicht, oder wenn er darauf achtet,
ſo ſpricht er etwa? „Kinder! warum befremdet ihr euch über das
Benehmen des N.? Sollte es ihm etwa gleichgültig ſeyn, wenn es
Verweiſe bekommt, ſeine Arbeiten leichtſinnig gemacht hat 16. ? Frei-
lich hätteſt du N. dich anders benehmen ſollen, als du es gethan haſt;
doch freut es mich, daß dich meine Unzufriedenheit betrübt, und ich
ſehe darin einen Beweis, daß dir an meiner Zufriedenheit viel ge-
legen iſt 26.““ Nehmen wir nun an, körperliche Züchtigung könne für
den Augenblick den Troß des Kindes brechen, oder vielmehr beſchwich-
tigen, ſo dürfen wir uns doch von jenem ruhig-beſonnenem Verhalten
einen beſſern und dauerndern Erfolg verſprechen. Auch beſorgen wir,
wenn die Nachſicht auf ſolche Weiſe geübt wird, keine Gefahr der Exem-
plification für die übrigen Kinder , da ihnen hier kein Reiz geboten
wird, die Geduld des Lehrers auf ähnliche Art in Anſpruch zu nehmen.
Zudem wird eine ſolche Nachſicht zur rechten Zeit den Vortheil ge-
währen , daß der Lehrer nun auf dem, was er unnachſichtlich fordern
muß, deſto feſter und ſtrenger beſtehen kann. Deſhalb laſſe der Leh-
rer in einem Kinde nie den Gedanken Raum gewinnen 3 er verlange

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