24 Angeben == Angewöhnuttg.
ihnen. Es iſt ihm ein heiliges Geſchäft, die Keime des Guten in
ihnen umſichtsvoll zu pflegen, und ſie zu Gott, ihrem himmliſchen
Vater, zu führen. Ey iſt ernſilich darauf bedacht, dem Triebe ihrer
Thätigkeit und ihrer Wißbegierde eine geſunde und angemeſſene Nah-
rung zu geben. Er ſucht ſie beſonders hiedurch für die Schule zu
gewinnen, ſo wie für die ernſte Thätigkeit in derſelben. Nie läßt er
ſie deßhalb aus dem Auge, zumal er es weiß, daß gerade der erſte
Unterricht von der größten Wichtigkeit für die ganze jugendliche Aus-
bildung ijt. .
Angeben, (Angeberei.) Es giebt unter den Schülern manche,
welche die üble Gewohnheit haben, unaufgefordert alles, was ſie an
ihren Mitſchülern wahrnehmen, ſelbſt die unbedeutendſten Dinge,
dem Lehrer anzuzeigen. Sie thun dieß, entweder um ſich bei dem
Lehrer einzuſchmeicheln, oder um Andern zu ſchaden. Zuweilen kann
jedoch auch hie und da einer, der Sinn für Recht und Ordnung hat,
dazu veranlaßt werden. Da, wo dieſer Fehler ſich offenbart, da
erklärt ſich auch der Lehrer ein - für allemal, daß ſolche Angeberei
nicht geduldet werde. JInsbeſoadere iſt der Lehrer gegen Schmeichler
und heimliche Angeber kalt und bedachtſam. Die Motive, die einer
ſolchen Schmeichelei zum Grunde liegen, laſſen ſich nicht immer ſogleich
durchſchauen. Iſt ſie ein Hübſchthun aus wirklicher Liebe, oder ein
Gunſtſuchen aus wirklichem Drange des Herzens, warum ſollte ſie
nicht gerne geſehen werden ? Will aber etwa ein ſchlaucs Kind dadurch
auf irgend eine Weiſe ein Uebergewicht über den Lehrer gewinnen,
und ihn gleichſam zu einem Mittel für ſeine Zwecke machen, ſo muß
er, je beſtimmter er dieß wahrnimmt, ihm deſto mehr Kälte und
Gleichgültigkeit entgegenſeßen. CEbenſo kaun ein Angeber wohl aus
unverwerflichen Beweggründen handeln, und es iſt auch hier oft
ſchwer , die kindliche Seele zu durchſchauen. Bemerkt der Lehrer aber
dabei die Abſicht, ſich bei ihm einzuſchmeicheln, oder eine Art von
Herrſchaft über Andere zu erringen - dann iſt wenig darauf zu gehen,
auch wohl in gewiſſen Fällen das angeberiſche Kind, beſonders wenn
es ſelbſi augenfällige ſittliche Fehler hat, geradezu mit Hinweiſung
auf ſeine eigenen Mängel zurück zu weiſen. Betrifft es hingegen
unſittliche Handlungen, ſo dürfen und ſollen dieſelben dem Lehrer
angezeigt werden. So muß das Anklagen auch erlaubt ſeyn, wenn
Kränkung, Beleidigung und Bedrückung eines Kindes vorausge-
gangen iſt; denn einem gedrückten Schwächern muß geholfen werden,
wenn anders nicht die Selbſthülfe begünſtiget werden ſoll. Ebenſo
muß das Anzeigen wirklich - unſittlicher Handlungen von eingreifendem
„Belange den Schülern zur Pflicht gemacht werden, namentlich da,
Wo z. B, ein Schüler den andern auf irgend einem Diebſtahle in
und außer der Schule entdeckt, oder wenn er ihn alte und gebrechli-
ſieht. Hier wird übrigens die Klugheit nach Befinden der Umſtände
entſcheiden müſſen, was zu thun ſey.
Angewöhnung zum Guten. Wenn der erziehende Lehrer
ein Kind zu einem guten Menſchen erziehen will, ſo lege er alles

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