Angewöhnung. . 25
darauf an, und ruhe nicht, bis das Gute, wie Sailer ſagi, die
Macht der Angewöhnung in ihm bekommen hat, bis es Geſiunung
und That, bis es Leben, bis es Geiſt des Lebens und gleichſatn Natur
geworden iſt. Daß Erziehung Angewöhnung ſey , hat ſchon Baco
tief gefühlt; deßhalb gab er dem 553. Hauptſtück die deutſame Aufs-.
ſchrift: Von der Gewohnheit und der Erziehung, und ſelt daher aud)
das Weſen der Erziehung in Angewöhnung. „, Da nun die Gewohn-
heit der höchſte Moderator und gleichſam die Obrigkeit des menſchli-
Gute zur Gewohnheit werden laſſen. Die mächtigſte aller Angewöh-
nung, die nämlich mit den Kindesjahren anfängt, heißt eben deßwe-
gen die Erziehung. “" Sonach ſoll das Gute durch Erziehung dem
Kinde die ſiegendſte aller ſeiner Angewdöhnungen werden, es muß die
Scheue vor allem Böſen in ihm gleichſam Natur werden, und dieß
im Kleinen wie im Großen. Kein unwahres Wort, keinen liebloyen
Blick, keinen harten Laut, keine Geringachtung des gering ſcheinen-
den Menſchen, keine ſchambeleidigende Gebärde, keinen fremden oHDIel-
let 26 - =- alles dieſes ſoll es von ganzer Seele haſſen und verab-
ſcheuen. Es muß ihm gleichſam zur wichtigſten Angelegenheit ſeines
Herzens und Lebens werden, in allen ſeinen Geſinnungen und Hand-
[ungen die innigjte Liebe gegen Gott und gegen alles, was heilig iſt,
zu offenbaren. Es foll von dem Gedanken ſtets durchdrungen ſeyn :
Ueberall ſieht mich Gottes Auge, auch jeden meiner Gedanken kennet
er; vor ſeinem Auge will ich wandeln; ſeinen Geboten gebührt der
erſte Gehorſam, und ihm ſoll mein ganzes Herz geweihet ſeyn, u. ſ. Ww.
Angewöhnung der Kinder zur Thätigkeit, Der Leh-
rer gewöhne ſeine Schüler ſchon frühe zur gemeinnülßigen Thätigkeit.
Der Menſch muß überall wirken, ſo lange er wirken kaan. Auch hier
iſt Jeſus das herrlichſte Muſter für alle Menſchenkinder, „, Mein
Vater,“ ſprach er, „, wirkt, und ich wirke auch. Ich muß wirken
ſo lange es Tag iſt. Es kommt die Nacht, wo Niemand wirken kann.
Ueberall erſcheint Er in ſeiner außerordentlichen Thätigkeit. Er wollte
nicht raſten und ruhen, weil ſein Vater, der allmächtige Herr des
Himmels und der Erde, nie raſtet und ruht, um immer neue Seg-
nungen in dem unermeßlichen Gebiete der Schöpfung zum Wohle ſei-
ner Kinder hervorzubringen. Er wollte keinen Augenblick ungenükt
vorübergehen laſſen, auf Erden edeln Samen auszuſtreuen, und die
Menſchen von allen Ständen und Gewerben auf den Weg hinzulei-
ten, der zur Tugend und Seligkeit führt. Hinſchauend auf dieſes
ſchöne Beiypiel von gemeinnükiger Thätigkeit , welches der Eingeborue
des Vaters uns gegeben hat, gewöhnt auch der chriſtliche Lehrer als
Erzieher ſeine Schüler frühe zu einer gemeinnüßigen Thätigkeit. Er
präget ihnen den Grundſaß recht feſt ein: der Menſc< iſt den Ge-
brauch ſeiner Kräfte Gott ſchuldig, und opfert ſie deßhalb auch auf
zum Heil und Segen der Welt. Er weiſet ſie hin auf die ſie umge-
bende Schöpfung , in deren weitem Gebiete Alles thätig, Alles in
Bewegung und Wirkſamkeit nach den ihm zugetheilten Kräften und
Alles in der ſchönſten Ordnung iſt, ſo wie es die Zwe>e des Schd-

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