Frömmigbeit. 583
lichen Erziehung ſind alſo zugleich Fehler für die moraliſche. =“ Man
wird hoffentlic) nicht einwenden ; ,,Die Jugend, je lauter und lär-
mender ſie ſey, deſto froher ſcy ſie, und gerade da äußern ſich die mei-
ſten Unarten,“ =- Denn 1) braucht Frohſinn nicht gerade Lärm
und Geſchrei zu ſeynz dieß iſt nur eine natürliche Folge, wo viele
Menſchen froh ſind. Was nennt man aber Unarten ? Lautes Reden,
Rufen, Lachen, große Beweglichkeit des Körpers ? Auch wohl einmal
zu weitgetriebene Luſtigkeit ? Dieß Alles mag gemäßigt werden, aber
etwas Böſes iſt es nicht. Die ſtummen , eingeſperrten Kinder thun
des Böſen viel mehr 26. Wir huldigen übrigens diejer Anſicht keines-
wegs ohne Beſchränkung , ſondern bleiven bei dem Grundſake ſtehen;
„„Verkümmere den Kindern den ſchuldlojen Freudengenuß nicht, aber
halte davon Alles ſern, was unanſiändig iſt und den Sitten gefähr-
lich werden kann.““ Es iſt ein großer Unterſchied zwiſchen kindlichem
Frohſinn und ausſchweifender Luſtigkeit und dem Leichtſinn, der die
Schranken des Anſtändigen und Löblichen durchbricht. Ziel und Maaß
muß in allen Dingen, ſomit auch hier beachtet werden. (S. Münchs
Vademecum 26. S, 271.) == Da aber der kindliche Frohſinn- un-
gemein Vieles beiträgt, die Jugend ſtets thätig zu erhalten, und eine
fortdauernde Beſchäftigung wohlthätig auf denſelben zurückwirkt; ſo
muß der Lehrer auch Alles anwenden dieſe heitere Stimmung unter den
Kindern in ſeiner Schule durch die Macht der Liebe und jein eigenes
Beiſpiel zu erhalten, Fern ſcy von ihm ein lſaunenhaftes verdrießs
liches und müriiſches Weſen im fröhlichen Kreiſe der Kinder. Mit
Recht ſagt Stapf in ſeiner Erziehungslehre S. 41: Auch die edels
ſten Keime ziehen ſich in ſich ſelbſt zujammen , und erſterben, wenn ſie
dem kalten Nordhanche ausgeſeßt bleiben. == Gott iſt die Quelle und
der Geber jeder ſchuldloſen Freude und ihres Genuſſes, und ſei! Natue
wird auch durch den kindlichen Frohſinn verherrlicht.
Frömmigkeit (nicht Frömmelei =- Frömmigkeit heucheln
oder ſich fromm ſtellen)» Unter allem, was dem Lehrer wichtig iſt,
muß ihm immerhin das als das Wichtigſte erſcheinen, dati er in
ſeiner Schule den frommen allem Fleiße grände und bewahre. Frömmelnde Heuchelei, Munde»
glaube und Alles, was nicht auf innere Frömmigkeit abzweckt, muß
aus ſeiner Schule entfernt bleiben, am meiſten bei den Verabſäum-
ten, die ſchon ehnehin vom Sauerteige der Welt =- dem Lügengei-
ſte ==“ durchdrungen und angeſteckt ſind. Aber wie ſoll dieß bewirkt
werden? == Dieſer liegend , muß von demſelben ausgehen ; er muß wie eine Frühlings-
ſonnenwärme das ganze Schulleben durchdringen, und wo möglich in
allen Kindern die religidſen Keime beleben und hervorloc>en, Iſt die-
ſer Geiſt in der Schule herrſchend, ſo geht er auch auf die neuen
Ankömmlinge über und zieht auch die Verwahrlosten in ſeinen lichten
und wärmenden Kreis. Wo er aber noch nicht vorhanden iſt, da
muß er auch vom Lehrer eingeführt werden, was nie ſo ſchwer halten
wird, wenn nur er ſelbſt davon durchdrungen iſt. Iſt ſein Gemüth
in eine religidſe Stimmung verſeßt, und begleitet ihn dieſe unter

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