Gedankenloſigkeit = Gedankenſprünge. 411
angemeſſene Reihe von Gedanken ,- die er beim Unterrichte wählt und
beovachtet, ſo entgegen komme, daß derſelbe ſelbſithätig dasjenige
finde, was er lernen ſoll. Zu dieſer Gedankenfolge gehört aber: a)
daß der Lehrer überall, bei einer jeden katechetiſchen Unterredung, ſo
wie bei einem jeden einzelnen Theile derſelben, dasjenige benüßt, was
dem Schüler ſchon bekannt iſt, um ihn daraus das ihm Unbekannte
ſelbſt finden zu lehren. Was iſt aber dem Schüler wohl am meiſten
bekannt ? =- Das Sinnliche oder Vorſtellungen von ſinnlichen Gegen-
ſtänden; das Einzelne und Einfache (ſj. Deduktionsquellen). Dieß
benüße der Lehrer, um das Kind vom Sinnlichen zum Nichtſinnli-
chen und Ueberſinnlichen, von Anſchauungen oder ſinnlichen Vorſtel-
lungen zu Begriffen und Urtheilen, zu allgemeinen Gedanken, zu
Ideen und überſinnlichen Gegenſtänden; um es vom Einzelnen und
Beſondern zum Allgemeinen, von niedern Begriffen, welche unter
höhern enthalten ſind, zu dieſen ſelbſtz vom Einfachen zum Zuſam-
mengeſeßten 1c. hinzuleiten. Hiezu iſt aber auch ndthig, daß der Leh-
rer ſowohl das Maaß der Vorkenntniſſe ſeiner Schüler, als auch den
Grad der Bildung ihrer Denkkraft kenne. Jede katechetiſche Unter-
redung, deren Hauptgedanken ſich nicht aus den dem Kinde bekannten
Vorſtellungen entwickeln laſſen, iſt für dasſelbe zu früh, und dem
gründlichen und ſtetigen Fortſchreiten desſelben hinderlich. = Jede
gute Katecheſe liefert zu dem kurz Bemerkten zureichende Belege, und
zeigt dem Lehrer, wie viel an der Gedankenfolge beim katechetiſchen
Unterrichte gelegen ſey,
Gedankenloſigkeit. Es giebt Kinder, welche leiht Ein-
drücke aufnehmen, ſie inniger empfinden und dauernder im Gemü-
the bewahren, Sie beobachten genauer und weilen länger auf einem
Gegenſtande. Weil ſie aber an einer Vorſtellung oder an einem Ge-
bilde der Phantaſie leicht feſthalten, ſo gewinnt es oft den Anſchein
von Zerſtreuung und Gedankenloſigkeit, die ſo weit geht, daß ſie enüt-
weder das Leichteſte nicht begreifen, oder auf den Unterricht gar nicht
achten, und dadurch nicht ſelten ſogar den Verdacht der Böswillig-
keit erregen. Bei derlei Kindern wird der Lehrer das Meiſte dadurd)
gewinnen, wenn er ihre Liebe und ihr Zutrauen gewonnen hat. Sie
hängen dann mit ganzer Seele an ihm, und thun Alles, um ſich nur
ihres Lehrers Liebe zu erhalten, =- Kinder, welche ſich ſo zeigen,
gehören gewöhnlid) der tiefen Naturart an. Jn dieſer liegt als Cha-
rakteriſtiſches das eben Angeführte, das freilich in den erſten Jahren
nicht leicht zu unterſcheiden iſt, da ſie Vieles mir der feſten Natur-
art gemein hat. Uebrigens liegt in der tiefen Naturart auch die
Anlage zum Fleiße, zum angeſtrengten Nachdenken, zu anhaltender
Aufmerkſamkeit, zu ernſter Beſchäftigung und insbeſondere auch zu
einem innigen religidſen Glauben. =-- Der Lehrer ſuche ſich daher
ſo gut, wie möglich, mit der Naturart der Kinder vertraut zu machen,
damit er ſich vor mancherlei Mißgriffen hinſichtlich derſelben bewahre.
Gedankenſprünge. Vor nichts muß ſich der Katechet mehr
in Acht nehmen, als vor ſolchen Gedankenſprüngen; d. i., er darf
keine Gedanken auslaſſen , welche dem Schüler, ſeiner Faſſungskraft

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