414 Gefahren ſinnlicher Vergnügungen 1.
der natürlichen Hike mancher Temperamente, wobei kein Geſchäft mit
Ruhe betrieben wird, theils in manchen unrichtigen Urtheilen über
das, was als Fehler in dem Zögling erſcheint; theils in den unge-
gründeten Erwartungen von dem Eiſern und Schelten. Wem es
gelänge, ſagt Niemeyer, erziehenden Eltern und Lehrern dieß recht
einleuchtend zu machen, der würde ihnen und ihren Zöglingen viele
trübe Stunden erſparen, und ihr gegenſeitiges Verhältniß würde von
Stunde an angenehmer und nüblicher werden, = Sailer ſagt
(S. 277.): Die unermüdliche Geduld, die unbeſiegliche Langmuth, =-
das ſchwerſte Kunſtſtück des Erziehers, iſt wohl auch das unentbehr-
lichſte in der moraliſchen Bildung. Wenn dem Manne der Geduld-
faden reißt, was ſoll aus dem Kinde werden ? --- Sobald das Ver-
drießliche, das Grämliche in die Mienen des Erziehers tritt,
ſo hat er genug zu thun, um ſich zu bewachen und zu regieren;
wie ſollte ex noch der Wächter und Führer eines Unmündigen ſeyn
können ? Und dann verſcheucht er das Zutrauen des Zöglings. Dann
martert er den Unſchuldigen mit peinlichen Fragen, bittern Ausle-
gungen , harten Zumuthungen. Dann verwandelt er die Lexnſtun-
den ſich und dem Zöglinge in Folterſtunden. Und dann bedürfte er
ſelber eines Freundes, der die Stelle der Vernunft an ihm verträte;
wie ſollte er nun die Stelle der mündigen Vernunft = die ihm ſelbſt
noch fehlt, an einem andern Unmündigen vertreten? =“ „, Darum
ſey die Menſchlichkeit des Menſchen die Krone aller Tugenden des
Erziehers!“' =-
Gefahren ſinnlicher Vergnügungen für das jugend-
liche Alter. Sinnliche Vergnügungen ſind an ſich ſelbſt, ſo lange
ſte mäßig genoſſen werden, nicht nur nichts Gefährliches , ſondern
ſogar für Körper und Geiſt etwas ſehr Wohlthätiges. Denn alles
von Gott Geſchaffene iſt gut, und nichts verwerflic) , was dankbar
genoſſen wird. (1. Tim. 4, 4.) Man kann alſo jede Gabe Gottes,
jede Freude, die das Leben bietet, ohne Gefahr und Sünde genie
ßen, wenn man nur dabei Gottes nicht vergißt, und ſcin Herz nicht
von ihm entfernt. Immer iſt ein unſchuldiges Vergnügen auch für
Kinder von ſehr wohlthätigem Einfluß. Jede Stunde der Erholung,
in der ſie mit reinem Herzen ihres Lebens froh werden, iſt für ſie
Gewinn. Der mäßige und frohe Genuß der Freude befördert die Ge-
ſundheit und kann eine Saat von edeln Thaten werden. Und iſt die
Stunde des Vergnügens vorüber, ſo gehen ſie auch neugeſtärkt an
ihre Arbeiten zurük. Eine ſtille, ruhige Heiterkeit begleitet ſie zu
ihren Geſchäften. Aber von dem Augenblicke an, wo das Kind die
Schranken des Anſtandes, der Ordnung und der Sittlichkeit durch-
bricht, und ſich dem Genuſſe des Vergnügens leichtſinnig hingiebt,
ändert ſich Alles. Da artet die Mäßigkeit aus, und das ſtille frdh-
liche Weſen in wildes Toben und Ausgelaſſenheit. Dergleichen Anläſ-
ſe, welche dem jugendlichen Alter Gefahr bringen, bietet die herr-
ſchende Sitte der Welt unter mancherlei Geſtalten dar. Unter dens?
ſelben zeichnen ſich beſonders aus: die ſogenannten Freudenfeſte,
der Beſuch der Wirthshäuſer und anderer Orte, welche

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