Anregung = Anſchauung. 29
erſeken ſoll, welche das Kind bei einer lebhaften Naturart über ſich
ſelbſt üben lernen, und füg - und lenkſamer werden ſoll, um jo mehr
wird dieß Sache des erziehenden Lehrers ſeyn müſſen. Ein Kind ohne.
Anregung ſeiner geiſtigen Kraft lernt höchſtens Reſpekt haben vor der
ihm vorgehaltenen Ruthe, läßt aber dann, wann es ſie nicht zu fürch-
ten hat, ſeinen Gelüſten deſto freiern Raum , und wird ſich (ſeicht dem
Laſter in die Arme werfen. Man fördert die Leidenſchaften, die man
unterdrücken wollte, man glaubt zu überwinden, was nur des Kindes
eig'ne Kraft für die Dauer zu überwinden vermag, man läßt es nie
zu dem Gefühle dieſer Kraft gelangen, zu welcher docl) die edeln Keime
in ſeine vernünftige Natur gepflanzt ſind. Legt man es nicht darauf
an, daß es geiſtig erſtarke, aus eig'nem Entſchluſſe etwas Großes
unternehme, aus freiem Willen eine Neigung der Pflicht zum Opfer
bringe, um des Gewiſſens willen eine Leidenſchaft bezähme, kurz,
daß es ſich ſelbſt überwinden lerne, ſo bleibt feine edelſte Kraft unge-
weckt. In einem ſolchen Falle wird ſein Temperament nur zurückge
drängt, aber nicht hinweggeräumt, man hat dann einen Strom ge-
hemmt, aber nicht berechnes, daß und wo er durchbrechen und ſich
Bahn machen werde. Und dieß wird um ſo gewiſſer geſchehen, je
gewaltſamer und naturwidriger jene Hemmung war. Eine ſolche Er-
ziehungsweiſe wird das gerade Gegentheil von dem bewirken, was ſie
für den Augenblick der Gegenwart irrtehümlich beabſichtigte.
Anregung des Wetteifers, In Anregung des Wetteifers
iſt beſonders bei Kindern die größte Vorſ Wetteifer kann Wunder thun, ein unedler dagegen viel Böſes ſtiften,
und das Herz verderben. Ohne alle Anregung darf der Wetteifer
nicht bleiben bei dem Kinde eben jo wenig, als bei dem Erwachſenen,
Deſfentliche Anerkennung des Fleißes, Aeußerung der Zufriedenheit mit
dem Betragen des Kindes möchte die edelſte Anregung des Wetteifers
ſeyn. Vorſichtiger muß man ſchon bei Anweiſung eines Chrenplaßes,
bei Ertheilung von Geſchenken ſeyn. Am nachtheiligſten erſcheint
jedoch in [äßig mehr unedle, als edle Triebfedern in Bewegung ſeßt, und ſchon
aus dieſem Grunde aus den Chriſtenſchulen verbannt zu werden ver:
dient. ,, Dem Soldaten,“ ſagt Kelber, „,oder auc) dem Manne,
der ſich auszeichnet, hänge man eine Medaille an, nicht aber dem
Schüler. Cs iſt gar nicht immer der Fall, daß, wer ſie als Schüler
trägt, ſie auch noch als Mann verdient. Und was will man denn
dem. Manne geben, went der Schüler ſchon dekorirt iſt? Wer, wie
der Schüler, blos für ſich gearbeitet hat, verdient auch keine öſfent-
liche Auszeichnung 3; nur wer ſich für Andere, für das Vaterland, für
den Staat, für die Kirche verdient machte, dem gebührt ſie, und dem
werde ſie gegeben. (S, hierüber mehr bei Artikel Prämien.)
Anſchanung. Unter Anſchauung verſteht man eine jede Vor-
ſtellung oder Wahrnehmung durch die Sinne, Dieſelbe iſt entweder
eine äußere oder eine innere, Cine äußere Anſchauung iſt die , welche
durch die äußern Sinne (Geſicht, Gehör, Geruch, Geſchma> und
Gefühl ) vermittelt oder zugeführt wird, Eine inneve Anſchauung

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