416 Gefälligkeit.
Glück bewahren, ſo ſeyd vorſichtig in der Wahl eurer Vergnügungen,
und ziehet die ſtillen, reinen Freuden allen andern vor. Euer Wahls
ſpruch ſey in allen Tagen euers Leben? „Sey fröhlich, do< mit
Gottesfurc Gefälligkeit. Hievon iſt zwar ſchon oben, wo von der
Dienſtfertigkeit die Rede war, gehandelt worden. Allein dieß bezog
ſich zunächſt und vorzüglich auf die Schule und das Benehmen der
Kinder unter einander in derſelben. Hier ſoll aber der Kreis weiter
gezegen und die Kinder angeleitet werden, jedem Andern in den ver-
ſchiedenen Verhältniſſen des Lebens dur willige Dienſtleiſtung entge
gen zu kommen, wo es dieſer bedarf. == Kinder thun lieber Werke
der freien Gefälligkeit, als der ſchuldigen Pflicht ; man verlange es alſo
von ihnen hin und wieder als Gefälligkeit, und gebe ihnen dadurc
Gelegenheit, nicht nur ihren Gehorſam , ſondern auch ihre Liebe zu
zeigen. - - Die bewieſene Gefälligkeit werde mit Wohlgefallen aufge-
nommen, abet mit keinem Geſchenkte belohnt, jedoch auch die Weige-
rung und Unterlaſſung nicht ſcheel angeſehen , beſcholten oder geſtraft.
( Levana 1. S,. 221.) -- Zwar gehört Gefälligkeit, wie Artigkeit 2c.,
zur menichlichen Außenſeite, und bildet gleichſam nur die Hülle des
wohlerzozenen Menſchen. Als Erzeugniß , jedoch nicht bloß der kon-
ventionellen Forderung, ſondern auch und vorzüglich der innern Ge-
ſinnung, nimmt ſie zugleich einen höhern Charakter an, und bekommt
moraliſchen Werth. Und in ſofern mag ſie allerdings als Beſtandtheil
der ſittlichen Erziehung ſelbſt angeſehen und zur Totalität (Ganzheit)
derſelben gezählet werden, =- Die Liebe nur iſt es, welche in ihrer
Wirkung Allen Werth ertheilt, was ihrer Natur entſpricht und ihrer
würdig iſt, Sie verklärt Alles. Durch ſie wird Güte, Dienſtfertig-
keit und Gefälligkeit zum Gegenſtande des Wohlgefallens. Sie iſt
die Grundkraft, ohne welche der Geiſt kein Licht und das Gemüth
keine Wärme in den Menſchen bringen können, und ohne welche der
Erziehung ihr Salz, dem Kinde die Fähigkeit der Bildung zu ähter
Menſchlichkeit mangelt, Hat aber die Liebe vom Herzen des Kindes
Beſilß genommen , dann wird bei ihm ihre heilige Wirkung nach Außen
nie fehlen, es wird dann auch Gefälligkeit offenbaren gegen Jeder-
mann, wo ſich ihm Gelegenheit hiezu darbietet. Damit aber dieſe
Tugend, entſpringend aus der reinen Quelle der Liebe, immer mehr
Raum gewinnen und ſich thätig bezeigen möge, wird der erziehende
Lehrer wohl daran thun, wenn er ihre Lieblichkeit dur< Beiſpiele dar-
zuſtellen und in den Herzen der Kinder mittels der Liebe zu kräftigen
ſucht, An Gelegenheit hiezu kann es ihm im Kreiſe der Kinder lebend
und wirkend nie fehlen. =- Die Erfahrung hat es längſt nachgewie:
ſen, und beſtättiget es mit jedem Tage auf's Neue, daß da, wo ſid)
der Menſc< noch auf der niedern Stufe der Rohheit befindet , wenig
oder gar nichts Grfälliges zu erwarten ſey, Hat aber einmal der Geiſt
des Chriſtenthums das Herz des Menſchen durchdrungen, ſo wird es
hier auch nie an Erweiſung der Gefälligkeit mangeln, wenn ein ſol-

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